Freitag, 19. April 2019

Nach zwei Auftaktniederlagen in Glyphosat-Prozessen US-Richter drängt Bayer zu Mediation und Vergleichen mit Klägern

Bayer-Chef Baumann: Jahrzehntelang hat Monsanto Glyphosat in den USA eingesetzt. Seit Bayer Monsanto übernommen hat, läuft nun die US-Klageindustrie auf Hochtouren. Vergleiche mit Klägern lehnt Bayer bislang ab - doch der zuständige US-Richter Vince Chhabria erhöht den Druck

Nach zwei Niederlagen in den Prozessen um angebliche Krebsrisiken von Produkten der Tochter Monsanto soll der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer Börsen-Chart zeigen nach dem Willen eines Richters nun nach einer gütlichen Einigung mit Klägern suchen. Der zuständige US-Richter Vince Chhabria, bei dem mehrere Hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt sind, forderte Bayer und Kläger in einer Anweisung vom Donnerstag auf, einen Mediator einzuschalten.

Sollten sich die beiden Seiten nicht einigen können, werde ein Mediator gerichtlich bestellt. Zudem strich der Richter einen für Mitte Mai angesetzten Prozess vorerst. Bereits in der vergangenen Woche hatte es Spekulationen über eine Aufforderung zur Mediation gegeben.

Bayer hatte Ende März einen richtungweisenden Fall am Bundesbezirksgericht in San Francisco unter Vorsitz von Chhabria verloren. Die Geschworenen-Jury urteilte, dass Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup haftbar ist und dem 70-jährigen Kläger Edwin Hardeman Schadenersatz in Gesamthöhe von 80,3 Millionen Dollar (71,4 Mio Euro) zahlen muss.

Jagd auf Bayer: Wie die US-Klageindustrie Bayers Geschäftsmodell zerschießt

Bayer hat Vergleiche bisher abgelehnt und beruft sich auf Gutachten

Bereits im letzten Jahr hatte eine Jury an einem anderen Gericht Monsanto in einem anderen Fall zu einer Millionenzahlung verdonnert.

Bayer betont weiterhin die Sicherheit glyphosatbasierter Herbizide und beruft sich auf zahlreiche wissenschaftliche Studien. Der Dax Börsen-Chart zeigen -Konzern geht gegen die Urteile vor und hat Vergleiche mit den Klägern bisher abgelehnt: Vergleiche mit den mehr als 11.000 Klägern auf Basis der ersten Urteile dürften Bayer Milliarden Dollar kosten. Andererseits dürfte die Klagewelle in den USA den Dax-Konzern auf Jahre hinaus lähmen, sollten die Prozesse bis zur letzten Instanz durchgefochten werden.

Mehr als 11.000 Klagen gegen Bayer - US-Klageindustrie läuft auf Hochtouren

Aktuell läuft ein weiteres Verfahren - allerdings bei einem Landgericht - im kalifornischen Oakland. Bei den Klägern handelt es sich um ein krebskrankes Rentnerehepaar, das jahrelang mit Roundup hantierte und den Unkrautvernichter für sein Leiden verantwortlich macht.

Per Ende Januar lagen Bayer bereits Klagen von 11.200 Klägern vor. Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan geht davon aus, dass die Zahl auf mindestens 15.000 steigen wird - zumal die US-Klageindustrie auf Hochtouren läuft und unter anderem in TV-Spots um weitere Kläger gegen Bayer wirbt. Vosser rechnet mit Belastungen für Bayer von 5 Milliarden Euro.

Bayer streicht weltweit 12.000 Stellen, 4500 davon in Deutschland

Auch wegen des milliardenteuren Debakels in den USA will der Pharma- und Chemiekonzern Bayer Börsen-Chart zeigen in Deutschland 4500 Stellen abbauen. Wie das Unternehmen bereits im November angekündigt hatte, sollen weltweit insgesamt 12.000 von 118.000 Arbeitsplätzen wegfallen. In Deutschland waren zum Jahreswechsel 32.100 Mitarbeiter beschäftigt. Die "Rheinische Post" hatte zuvor über die Pläne für Deutschland berichtet. In dem Konzern sind in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 ausgeschlossen. Um die Stellenzahl zu verringern, setzt das Unternehmen daher auf Abfindungen, Altersteilzeit und Abgänge durch die übliche Fluktuation.


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Bayer befindet sich in einer schwierigen Phase. Die Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto droht zu einem Desaster zu werden - die US-Klageindustrie hat den deutschen Konzern nach der Übernahme als lohnenswertes Ziel für Schadenersatzklagen wegen des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat entdeckt, der in den USA seit vielen Jahren im Einsatz ist. Nun, da der Hersteller Monsanto von Bayer übernommen ist, werden den Klägern vor Gericht Schadenersatzansprüche in Millionenhöhe zugesprochen.

Der Konzern hat weitere Baustellen, auch das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln läuft nicht rund. Bayer verkündete als Konsequenz Pläne zum Stellenabbau, um Kosten zu sparen und Arbeitsabläufe effizienter zu machen.

Noch ist offen, ob sich Bayer-Chef Werner Baumann, der die Monsanto-Übernahme durchgeboxt und die Rechtsrisiken dabei unterschätzt hat, auch nach der Hauptversammlung auf seinem Posten wird halten können. Anlegersprecher sprechen durch die milliardenschweren US-Klagen bereits von der größten Wertvernichtung in der jüngeren Dax-Geschichte.

Absturz der Aktie

Der Aktienkurs von Bayer Börsen-Chart zeigennotiert derzeit nur knapp über seinem Siebenjahrestief. Der Börsenwert des Konzerns liegt mit knapp 52 Milliarden Euro mittlerweile deutlich unter den rund 63 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro), die die Leverkusener sich den Monsanto-Kauf hatten kosten lassen. Es seien Belastungen durch die Causa Glyphosat in Höhe von 40 Milliarden Euro in den Kurs eingepreist, glaubt Analyst Alistair Campbell vom Investmenthaus Liberum. Er hält rund ein Viertel dieses Wertes für eine letztendlich realistischere Größe.

Anleger fragen sich aber weiter, ob Bayer die Risiken der bislang teuersten Auslandsübernahme eines deutschen Unternehmens unterschätzt hat. Trotz aller Probleme verteidigt Bayer-Chef Werner Baumann die Übernahme. "Der Monsanto-Kauf war und ist eine gute Idee", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).

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