Donnerstag, 22. August 2019

3. Glyphosat-Prozess in USA verloren, Investoren zweifeln "Bayer steht mit dem Rücken zur Wand"

Alva Pilliod (links) mit Ehefrau Alberta Pilliod (3.v. l.) sowie Rechtsanwalt Brent Wisner und Rechtsanwalt Michael Miller (r.) auf einer Pressekonferenz, wenige Stunden nachdem ein US-Gericht Bayer zu Schadenersatz in Höhe von insgesamt über zwei Milliarden Dollar an die beiden Kläger verurteilt hat.

2. Teil: "Monsanto hatte niemals irgendein Interesse herauszufinden, ob Roundup sicher ist"

Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat Bayer stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten. Erst kürzlich hatte die US-Umweltbehörde EPA ihre Einschätzung bekräftigt, dass Glyphosat nicht krebserregend ist.

Die Kläger, die ihre Krebserkrankung auf den Kontakt mit Glyphosat zurückführen, sehen das jedoch anders. Sie berufen sich auf die internationale Krebsforschungsagentur IARC, die den Wirkstoff als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft hat.

Krebserregend oder nicht? In den USA sind 13.400 Klagen gegen Bayer wegen des Unkrautvernichters Roundup anhängig

Bayer teilte mit, der Konzern sei von der Entscheidung der Jury in Oakland enttäuscht. Das Urteil stehe in direktem Widerspruch zur Einschätzung der EPA und habe keinen Einfluss auf künftige Verfahren. Das Ehepaar Pilliod habe zudem eine lange Historie von Vorerkrankungen, die erhebliche Risikofaktoren für eine Erkrankung am Non-Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, darstellten.

Alberta Pilliod dagegen forderte Bayer auf, das Spritzmittel Roundup mit einem Warnhinweis zu versehen. Sie und ihr Mann hätten das Produkt nicht verwendet, wenn sie auf ein Krebsrisiko aufmerksam gemacht worden wären. "Wir kämpfen seit mehr als neun Jahren gegen Krebs und können nichts tun, was wir tun wollten. Das nehmen wir Monsanto wirklich übel", sagte Pilliod. Bei ihr wurde die Krebserkrankung 2015 diagnostiziert, bei ihrem Mann bereits 2011.


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Das nächste Glyphosat-Verfahren beginnt im August vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri, wo Monsanto seine Wurzeln hat und die Landwirtschaft zu den wichtigsten Industriezweigen gehört. Zum ersten Mal wird sich dann eine Jury außerhalb Kaliforniens mit dem Thema beschäftigen.

Einer der Anwälte des Paares, Michael Miller, kritisierte: "Sie haben die Werbung im Fernsehen geschaut und gedacht, sie könnten dem Unternehmen vertrauen. Da haben sie sich getäuscht." Das Urteil der Jury sei "sonnenklar: Monsanto muss sein Verhalten ändern", sagte ein weiterer Anwalt, Brent Wisner. "Bayer hat einen Fehler gemacht."

"Monsanto hatte kein Interesse herauszufinden, ob Roundup sicher ist"

Die Anwälte sprachen von einem "historischen" Strafmaß. Zusätzlich zu der verhängten Schadenersatzzahlung von zwei Milliarden Dollar (1,78 Milliarden Euro) würden 55 Millionen Dollar (49 Millionen Euro) an weiteren Entschädigungszahlungen fällig, sagte Wisner.

Die Jury habe firmeninterne Dokumente einsehen können, aus denen hervorgehe, dass Monsanto "niemals irgendein Interesse daran hatte, herauszufinden, ob Roundup sicher ist". Anstatt in "korrekte Wissenschaft" zu investieren, habe das Unternehmen sein Geld in Angriffe auf die Wissenschaft gesteckt, die "ihren Businessplan bedrohte", sagte Wisner weiter.

rei/Reuters/afp

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