Bayers Offerte für Monsanto Mutig, riskant, nachvollziehbar

Bayer greift nach dem US-Konzern Monsanto

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Jetzt ist es also raus. 55 Milliarden Euro will Bayer-Chef Werner Baumann für den Pflanzenschutz- und Saatgutkonzern Monsanto ausgeben. Es ist der größte Übernahmeplan, den ein deutscher Konzern bislang verfolgt hat, größer als Daimler bei Chrysler, größer als Mannesmann bei Orange, größer als Telekom bei Voice Stream.

Eingeleitet hat Baumann den Deal, bevor er überhaupt CEO bei Bayer wurde. Am 18. April empfing er zusammen mit seinem Agrarchemiechef Liam Condon Monsanto-Chef Hugh Grant. Der war vermutlich in ganz anderer Absicht gekommen, nämlich um über den Kauf von Bayer Crop Science zu reden, wie sie das Agrargeschäft in Leverkusen nennen. Mitte Mai machte Baumann dann Grant vom Jäger zum Gejagten und schickte ihm ein Angebot, zu dem er eigentlich nur schwer Nein sagen kann.

Dass Baumann jetzt zuschlägt, ist nachvollziehbar. Die Hersteller von Pestiziden, Herbiziden und Saatgut befinden sich inmitten eines mächtigen Konsolidierungsprozesses. Die US-Konzerne Dupont und Dow Chemical  legen ihre Aktivitäten zusammen. Der chinesische Staatskonzern Chemchina ist dabei, sich den Schweizer Konkurrenten Syngenta zu sichern. Und Bayer wäre in der Hierarchie der globalen Spieler mal wieder nach hinten durchgereicht worden.

So wie es der Konzern schon im Pharmabereich hinnehmen musste, wo die Leverkusener trotz einer ganzen Reihe neuer Blockbuster-Medikamente von Rang 13 auf Rang 16 durchrutschten. Oder wie im Bereich der rezeptfreien Markenmedikamente (OTC), bei denen sie nach der Position der globalen Nummer eins griffen, als sie für 12 Milliarden Euro die OTC-Tochter des US-Konkurrenten Merck kauften. Nur um anschließend festzustellen, dass die Konkurrenten von Aventis, Novartis und Glaxo noch aggressiver agierten. Ein drittes Mal soll das also nicht passieren.

Ein mutiger wie riskanter Schritt

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Der Schritt ist genauso mutig wie riskant, weil sich der Bayer-Chef mit einer ganzen Menge Leute gleichzeitig anlegt. Da sind die eigenen Aktionäre, die in den vergangenen Jahren vor allem in die Pharmaaktivitäten investierten und die keine Lust haben, dass ihre Gewinne durch eine Kapitalerhöhung verwässert werden. Da ist die mächtige US-Agrarlobby, die fürchtet, dass ihr Klientel am Ende der Verlierer der Fusionswelle sein könnte. Da sind die Umweltaktivisten, die bislang nur den Glyphosat-Erfinder Monsanto im Visier hatten und sich künftig auf Bayer konzentrieren werden.

Und da ist nicht zuletzt das selbstbewusste Monsanto-Management, das sich vermutlich mit allen Tricks und Raffinessen gegen den Eroberungsversuch zur Wehr setzen und den Preis des Deals in noch astronomischere Höhen treiben wird.

Am Ende wird es einfacher sein, Monsanto unter Kontrolle zu bekommen, als aus dem Koloss ein sinnvolles Ganzes zu machen. Daran sind bislang sämtliche Vorgänger Baumanns gescheitert, die sich aus Deutschland heraus an einem ähnlich großen Wurf versuchten: Mannesmann-Vormann Klaus Esser provozierte mit dem Kauf von Orange ein feindliches Übernahmeangebot von Vodafone. Und für die damaligen Granden von Telekom und Daimler, Ron Sommer und Jürgen Schrempp waren die erfolgreichen Eroberungsfeldzüge gegen Voicestream und Chrysler der Anfang vom Ende ihrer Karriere.

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