Freitag, 19. Juli 2019

Dritter Glyphosat-Prozess Krebskrankes Ehepaar fordert von Bayer eine Milliarde Dollar Schadenersatz

Krebserregend oder nicht? In den USA sind 13.400 Klagen gegen Bayer wegen des Unkrautvernichters Roundup anhängig

Im dritten Glyphosat-Prozess fordert ein krebskrankes US-Ehepaar eine Milliarde Dollar Schadenersatz von Bayer. Das Paar führt seine Erkrankung auf den Umgang mit dem Unkrautvernichter Roundup zurück. Verliert Bayer den Prozess, droht in der Folge ein globaler Vergleich mit Zehntausenden Kägern. Dieser könnte Bayer Milliarden kosten.

Im dritten Glyphosat-Prozess gegen Bayer in den USA haben die Anwälte des an Krebs erkrankten Ehepaars Alva und Alberta Pilliod vor Gericht Schadensersatz von einer Milliarde Dollar gefordert. Sie sind überzeugt, dass das Paar durch die Verwendung des Unkrautvernichters Roundup des von Bayer übernommenen Unternehmens Monsanto erkrankt sind.

Die hohe Forderung des älteren Ehepaars dürfte damit zusammenhängen, dass Bayer zuvor in zwei gleichgelagerten Prozessen zu insgesamt rund 160 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt worden war, schreibt Bloomberg. Der Kläger-Anwalt erklärte, die Milliardenforderung richte sich in etwa nach dem Gewinn, den die Agrarchemiesparte von Monsanto 2017 erzielt habe: dieser betrug seinerzeit 892 Millionen Dollar.

Der Anwalt fordert für das Ehepaar darüber hinaus weitere 55 Millionen Dollar Schmerzensgeld und für finanzielle Schäden, die dem Paar durch lange Krankenhausaufenthalte entstanden sein sollen.

Alva und Alberta Pilliod sind heute beide 76 Jahre alt

Anleger verfolgen die Prozesse gegen Bayer in den USA mit Argusaugen: Aktien von Bayer Börsen-Chart zeigen gaben am Donnerstag in der Spitze fast 4 Prozent nach. Seit dem Abschluss des Kaufs von Monsanto im Sommer vergangenen Jahres haben die Papiere gut 40 Prozent an Wert verloren. Die zuletzt von US-Gesundheitsbehörde EPA wiederholte Position, Glyphosat sei bei vorschriftsmäßiger Anwendung nicht krebserregend, hat die Investoren bislang nicht beruhigen können. Schließlich sind in den USA weitere 13.400 Klagen gegen Bayer anhängig.

Bayers Anwalt Tarik Ismail hatte vor dem Gericht in Kalifornien noch versucht, die Argumentation des erkrankten Paares zu entkräften. So warf er ein, dass beide bereits ein geschwächtes Immunsystem gehabt und durch das jahrzehntelange Rauchen ein erhöhtes Krebsrisiko gehabt hätten. Zudem stünde die Art ihres Krebses nicht im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter, betonte der Bayer-Anwalt unter Berufung auf Aussagen eines Arztes.

Bayer-Chef Baumann gerät immer stärker unter Druck

Bayer-Chef Werner Baumann sieht sich ob der hohen Rechtsrisiken durch die Monsanto-Übernahme und des folgenden drastischen Kursverfalls starker Kritik der Aktionäre ausgesetzt, deren Vertrauen er nicht mehr mehrheitlich hat. Auf der jüngsten Hauptversammlung stimmten 55 Prozent der Aktionäre gegen eine Entlastung des Vorstands. 2018 hatten Baumann und Co noch 97 Prozent Zustimmung erhalten. Rechtliche Konsequenzen hat das Votum allerdings nicht.

Baumann hatte die umstrittene Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto 2018 durchgezogen - aus Sicht zahlreicher Großaktionäre war dies eine schlechte Entscheidung, auch weil eine Klagewelle in den USA zu erwarten gewesen sei. Bayer bestreitet, dass Roundup Krebs verursacht, und das Unternehmen hofft auf einen Gerichtserfolg, der Baumann eine Atempause verschaffen könnte.


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Danach sieht es derzeit nicht aus. Eine dritte Prozess-Niederlage könnte den Druck auf Bayer erhöhen, sich in einen globalen Vergleich zu begeben, der den Konzern Milliarden kosten könnte. Analysten schätzen laut Bloomberg die Kosten so eines Vergleichs auf mehr als fünf Milliarden Dollar.

Mit einer Entscheidung des Gerichts im dritten Glyphosat-Prozess wird noch bis Ende Mai gerechnet.

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