Minus 75 Prozent Bayer-Gewinn bricht ein - jetzt 11.200 Glyphosat-Kläger

Der Konzerngewinn von Bayer ist im vergangenen Jahr um 75 Prozent eingebrochen. Operativ und vor hohen Abschreibungen sieht es besser aus, auch dank der umstrittenen Monsanto-Übernahme. Dieser Deal, so viel ist klar, wird Bayer noch viel Geld kosten und den Konzern belasten. Die Zahl der Glyphosat-Kläger ist stark angestiegen.
Monsanto trieb im letzten Quartal den Umsatz von Bayer deutlich an, doch die Folgekosten im Zuge der Übernahme und drohende Prozessrisiken sind enorm

Monsanto trieb im letzten Quartal den Umsatz von Bayer deutlich an, doch die Folgekosten im Zuge der Übernahme und drohende Prozessrisiken sind enorm

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer  hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient. Unter dem Strich brach der Gewinn um rund drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro ein, teilte das im Dax notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Bayer-Aktien standen vorbörslich mit einem Abschlag von 0,7 Prozent leicht unter Druck.

Neben Kosten im Zusammenhang mit dem Kauf des US-Saatgutkonzerns Monsanto belasteten Abschreibungen auf Firmenwerte im Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten, da sich Bayer hier von weniger gut laufenden Bereichen trennen will. Zudem floss nicht mehr die ehemalige Tochter Covestro ein. Der von Vorstandschef Werner Baumann im November angekündigte Konzernumbau hinterlässt damit tiefe Spuren in der Bilanz.

Der Umsatz legte dank der Monsanto-Übernahme im abgelaufenen Jahr um rund 13 Prozent auf 39,6 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten stieg aber nur leicht um 2,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, auch weil Kosten für die Behebung von Problemen infolge einer Rüge der US-Gesundheitsbehörde FDA anfielen.

Im vierten Quartal fiel unter dem Strich ein Konzernverlust von gut 3,9 Milliarden Euro an nach einem Plus von 148 Millionen vor Jahresfrist. Operativ sah es wiederum besser aus: Im letzten Jahresviertel stieg der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um knapp 16 Prozent auf 2,065 Milliarden Euro.

Bayer setzt Tausende Mitarbeiter vor die Tür

Bayer befindet sich mitten im größten Sparprogramm seiner Firmengeschichte. Bis Ende 2021 sollen rund 12.000 der weltweit gut 118.000 Stellen abgebaut werden. Baumann will sich zudem vom Geschäft mit Tiermedizin sowie Marken im Bereich Sonnenschutz und Fußpflege trennen. Der Konzern will zudem seinen Anteil am Chemiepark-Betreiber Currenta verkaufen. In Wuppertal wird ein Betrieb zur Herstellung von Produkten zur Behandlung der Bluterkrankheit Hämophilie aufgegeben. Im vierten Quartal fielen als Teil dieser Maßnahmen Abschreibungen von 3,3 Milliarden Euro an.

Der Ausblick ist verhalten positiv

Für das laufende Jahr 2019 rechnet Bayer mit einem währungsbereinigten Umsatzanstieg von etwa 4 Prozent auf rund 46 Milliarden Euro und einem Zuwachs des bereinigten Betriebsgewinns auf rund 12,2 Milliarden.

Klagewelle reißt nicht ab - Jetzt 11.200 Glyphosat-Kläger

Die Klagewelle in den USA gegen Bayer reißt nicht ab. Bis zum 28. Januar seien Klagen von rund 11.200 Klägern zugestellt worden, wie Bayer weiter mitteilte. Das sind rund 1900 mehr als Ende Oktober.

Die Zahl schnellt seit August letzten Jahres nach oben. Damals hatte ein Geschworenen-Gericht einem Krebspatienten, der glyphosathaltige Unkrautvernichter von Monsanto für seine Erkrankung verantwortlich macht, zunächst einen Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe zugesprochen. Bayer weist die Vorwürfe zurück.

Bedeutender als dieses erste Verfahren ist der in der letzten Februar-Woche gestartete Prozess eines weiteren Klägers. Denn es handelt sich um den ersten Fall, der vor einem Bundesbezirksgericht verhandelt wird und Teil eines Massenverfahrens ist.


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Für Bayer, der Monsanto vergangenes Jahr für rund 63 Milliarden Dollar (55 Milliarden Euro) übernommen hatte, ist der jüngste Rechtsstreit hochbrisant. Denn es es handelt sich um einen "Bellwether Case" genannten Musterfall in einem Massenverfahren, der richtungsweisend für viele weitere Klagen ist

Der 70-jährige Kläger Hardeman beschuldigt Monsanto nicht nur, mit dessen Verkaufsschlager Roundup, der das umstrittene Herbizid Glyphosat als Wirkstoff enthält, seine Krebserkrankung verursacht zu haben. Er wirft dem Saatgutriesen auch vor, die Gefahren des Produkts vertuscht zu haben. Der Konzern hatte bereits im vergangenen September eine Niederlage in einem anderen Fall vor US-Gericht erlitten, legte dagegen aber Berufung ein. Die Anschuldigungen, Roundup sei krebserregend, weist Bayer energisch zurück.

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Die US-Kläger stützen sich ebenfalls auf diverse Studien, zuvorderst auf die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Monsantos Unkrautvernichter 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen einstufte. Beim ersten Prozess vor Chhabrias Gericht sollen jetzt etliche Experten zum Thema gehört werden. Es steht ein regelrechter Anhörungsmarathon an - in den nächsten Wochen soll an je vier Tagen pro Woche rund sechs Stunden lang verhandelt werden. Insgesamt geht das Gericht davon aus, dass der Prozess vier bis fünf Wochen dauern wird.

rei/dpa/Reuters
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