Donnerstag, 14. November 2019

Minus 75 Prozent Bayer-Gewinn bricht ein - jetzt 11.200 Glyphosat-Kläger

Monsanto trieb im letzten Quartal den Umsatz von Bayer deutlich an, doch die Folgekosten im Zuge der Übernahme und drohende Prozessrisiken sind enorm

Der Konzerngewinn von Bayer ist im vergangenen Jahr um 75 Prozent eingebrochen. Operativ und vor hohen Abschreibungen sieht es besser aus, auch dank der umstrittenen Monsanto-Übernahme. Dieser Deal, so viel ist klar, wird Bayer noch viel Geld kosten und den Konzern belasten. Die Zahl der Glyphosat-Kläger ist stark angestiegen.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer Börsen-Chart zeigen hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient. Unter dem Strich brach der Gewinn um rund drei Viertel auf 1,7 Milliarden Euro ein, teilte das im Dax notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Bayer-Aktien standen vorbörslich mit einem Abschlag von 0,7 Prozent leicht unter Druck.

Neben Kosten im Zusammenhang mit dem Kauf des US-Saatgutkonzerns Monsanto belasteten Abschreibungen auf Firmenwerte im Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten, da sich Bayer hier von weniger gut laufenden Bereichen trennen will. Zudem floss nicht mehr die ehemalige Tochter Covestro ein. Der von Vorstandschef Werner Baumann im November angekündigte Konzernumbau hinterlässt damit tiefe Spuren in der Bilanz.

Der Umsatz legte dank der Monsanto-Übernahme im abgelaufenen Jahr um rund 13 Prozent auf 39,6 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten stieg aber nur leicht um 2,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, auch weil Kosten für die Behebung von Problemen infolge einer Rüge der US-Gesundheitsbehörde FDA anfielen.

Im vierten Quartal fiel unter dem Strich ein Konzernverlust von gut 3,9 Milliarden Euro an nach einem Plus von 148 Millionen vor Jahresfrist. Operativ sah es wiederum besser aus: Im letzten Jahresviertel stieg der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um knapp 16 Prozent auf 2,065 Milliarden Euro.

Bayer setzt Tausende Mitarbeiter vor die Tür

Bayer befindet sich mitten im größten Sparprogramm seiner Firmengeschichte. Bis Ende 2021 sollen rund 12.000 der weltweit gut 118.000 Stellen abgebaut werden. Baumann will sich zudem vom Geschäft mit Tiermedizin sowie Marken im Bereich Sonnenschutz und Fußpflege trennen. Der Konzern will zudem seinen Anteil am Chemiepark-Betreiber Currenta verkaufen. In Wuppertal wird ein Betrieb zur Herstellung von Produkten zur Behandlung der Bluterkrankheit Hämophilie aufgegeben. Im vierten Quartal fielen als Teil dieser Maßnahmen Abschreibungen von 3,3 Milliarden Euro an.

Der Ausblick ist verhalten positiv

Für das laufende Jahr 2019 rechnet Bayer mit einem währungsbereinigten Umsatzanstieg von etwa 4 Prozent auf rund 46 Milliarden Euro und einem Zuwachs des bereinigten Betriebsgewinns auf rund 12,2 Milliarden.

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