Freitag, 19. Juli 2019

DWS, Union und Deka befürchten Zerschlagung Warum Bayers Top-Investoren weiter zu Baumann halten

Bayer-Chef Werner Baumann: Entlastung verweigert - dennoch wird Baumann den Konzern weiter führen
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Bayer-Chef Werner Baumann: Entlastung verweigert - dennoch wird Baumann den Konzern weiter führen

Die Aktionäre von Bayer haben Vorstandschef Werner Baumann das Misstrauen ausgesprochen. Dennoch halten Bayers größte Investoren weiter zu ihm.

Die wichtigsten deutschen Bayer-Eigner halten dem Vorstand trotz des Misstrauensvotums durch die Aktionäre vorerst weiter die Stange. Sie wollen dem Management eine zweite Chance geben und warnen vor einem vorzeitigen Wechsel. "Einen Austausch des Managements würden wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht für sinnvoll erachten", teilte der größte deutsche Einzelinvestor, die Fondsgesellschaft DWS, am Montag mit. Sie hatte sich bei der Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung am Freitag enthalten.

Mit der riskanten Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto und dem schwachen Aktienkurs unzufriedene Anteilseigner hatten der Bayer-Führung bei dem Aktionärstreffen in Bonn eine schwere Niederlage zugefügt: Der Bayer-Vorstand wurde nicht entlastet, nur dem Aufsichtsrat sprachen die Eigner knapp das Vertrauen aus.

Werner Baumann ist damit der erste amtierende Vorstandschef eines Dax-Konzerns, dem die Aktionäre das Vertrauen entzogen haben. Die beiden Fondsgesellschaften Union Investment und Deka verweigerten Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung.

Union Investment: Chefwechsel erhöht Risiko einer Zerschlagung

Union Investment will der Bayer-Führung aber dennoch eine zweite Chance einräumen, "um die Risiken in den Griff zu bekommen und das Unternehmen wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zurückzuführen." Ein überstürzter Austausch des Vorstandschefs würde das Risiko einer Zerschlagung erhöhen und könne damit nicht im Sinne von langfristig orientierten Investoren wie Union Investment sein.

Diese Gefahr hat sich nach Einschätzung von Analyst Markus Mayer von Baader Helvea aber nun erhöht. Durch das Misstrauensvotum steige die Wahrscheinlichkeit, dass Bayer ein Übernahmeziel werden könnte oder aktivistische Investoren auf eine Ablösung von Vorstand und Aufsichtsrat und eine Aufspaltung des Unternehmens drängen könnten.

Aktivistischer Investor Elliott ist bereits bei Bayer eingestiegen

Nach früheren Angaben von Insidern ist der aktivistische US-Hedgefonds Elliott bereits vor längerem bei Bayer eingestiegen, noch liegt der Anteil aber unter der meldepflichtigen Schwelle von drei Prozent. Der Fond von Milliardär Paul Singer ist gefürchtet und hat schon vielen Managern Beine gemacht. Was er bei Bayer im Schilde führt, ist bislang unklar.

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Seit dem Monsanto-Kauf im vergangenen Sommer hat der Konzern gut 38 Milliarden Euro an Börsenwert verloren, in den USA sieht sich Bayer mit etwa 13.400 Klägern wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des von Monsanto entwickelten Herbizids Glyphosat konfrontiert. Die DWS erklärte, sie erwarte von Bayer nun eine klare Strategie, wie man mit Reputations- und Nachhaltigkeitsrisiken umgehen wolle. Die Deka hatte Vorstand und Aufsichtsrat aufgefordert, "künftig endlich wieder auf die Aktionäre zu hören". Sie wollte ihren Vertrauensentzug als Warnschuss verstanden wissen und hatte gewarnt, dass ein neues Management das Chaos nur vergrößern würde.

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Rechtliche Folgen hat das Resultat zwar nicht. Die Voten gelten aber als wichtiger Indikator dafür, wie viel Rückhalt die Unternehmensführung bei den Aktionären hat. Der Aufsichtsrat gab dem Management unmittelbar nach der Hauptversammlung Rückendeckung.

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Bild: REUTERS, BAYER

Man nehme das Abstimmungsergebnis aber "sehr ernst" und wolle den Vorstand unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre in das Unternehmen und seine Strategie "schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen". Der Vorstand um Baumann versprach in einem Reuters vorliegenden Brief an die Belegschaft am Wochenende, daran "sehr hart arbeiten" zu werden.

la/reuters

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