Donnerstag, 22. August 2019

Mögliche Milliardenzahlung im Fall Glyphosat Chefvermittler dementiert Vergleichs-Angebot Bayers

Bayer-Chef Werner Baumann: Räumt der Bayer-CEO die US-Rechtsrisiken im Fall Glyphosat nun doch mit einem milliardenschweren Vergleich ab? Zuletzt hatte Baumann angedeutet, dass Bayer unter bestimmten Bedingungen von seiner harten Linie abweichen könnte

Widersprüchliche Meldungen über einen möglichen Vergleich des Bayer-Konzerns mit den US-Klägern im Fall Glyphosat haben die Aktie von Bayer am Freitag stark schwanken lassen. Der wegen Tausender Glyphosat-Klagen stark unter Druck stehende Bayer-Konzern schlage eine Zahlung von bis zu 8 Milliarden US-Dollar vor, um die Klagen der zuletzt 18.400 Kläger beizulegen, berichtete zunächst die Finanznachrichten-Agentur Bloomberg unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Der Bayer-Konzern selbst lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Der im Glyphosat-Streit eingesetzte Mediator Ken Feinberg weiß allerdings nichts von einem solchen Vergleich. "Eine solche Erklärung ist reine Fiktion", schrieb Feinberg in einer E-Mail am Freitag: "Kompensationen sind in den bisherigen globalen Mediationsgesprächen noch nicht einmal angesprochen worden." Die Aktie von Bayer gab daraufhin einen Großteil ihrer frühen Gewinne wieder ab und notierte zuletzt noch rund 3 Prozent im Plus.

Dabei hatten sich zuletzt Hinweise verdichtet, dass Bayer einen Vergleich in den USA zumindest als Option in Betracht ziehe. Im Interview mit dem manager magazin hatte sich Bayer-Chef Werner Baumann zuletzt ausführlich zu seinem persönlichen und professionellen Umgang mit dem Monsanto-Trubel geäußert. In Bezug auf einen großen Vergleich hatte sich der Manager dabei alle Optionen offengehalten: "Wir wollen nicht nur eine möglichst schnelle, sondern gleichzeitig eine wirtschaftliche tragbare Lösung finden."

Zwei Bedingungen für einen Vergleich mit den Klägern

Bayer-Chef Werner Baumann: "Ich schlafe grundsätzlich gut"

Ende Juli sprach Baumann dann auch in einer Telefonkonferenz mit Analysten über die Möglichkeit eines Vergleichs, um der Klagewelle im Zusammenhang mit dem angeblich krebserregenden Unkrautvernichter Glyphosat Herr zu werden. Dafür hatte Baumann jedoch zwei Bedingungen genannt. Einen Vergleich werde das Unternehmen nur in Betracht ziehen, wenn sich dieser "in einem vernünftigen finanziellen Rahmen bewege" und damit der gesamte Rechtsstreit endgültig beigelegt werden könne. Bayer sei aber weiter entschlossen, sich entschieden zu Wehr zu setzen.

Hedgefonds Elliott drängt ebenfalls auf Vergleich

Die Klagewelle, die sich Bayer Börsen-Chart zeigen mit der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto ins Haus geholt hat, belastet das Unternehmen schwer. Ein Vergleich dürfte Bayer zwar Milliarden kosten, könnte aber die lähmende Rechtsunsicherheit beilegen. Auch ein US-Richter hatte zuletzt Bayer aufgefordert, einen Vermittler einzuschalten und auf einen Vergleich hinzuarbeiten. Dabei bekommt das Management auch Druck vom Hedgefonds Elliott, der rund zwei Prozent an Bayer hält.

Interview mit Bayer-Chef Werner Baumann: "Ich schlafe grundsätzlich gut"

Bayer-Aktie springt - und gibt Teil der Gewinne wieder ab

Die Berichte über einen möglichen Vergleich in den Rechtsstreitigkeiten um das Unkrautvernichtungsmittel Roundup trieben den Kurs der Bayer-Aktie zeitweise steil nach oben. In der Spitze stieg er um 11 Prozent auf gut 70 Euro - den höchsten Stand seit Anfang März. Zuletzt schmolz das Kursplus jedoch wieder auf rund 5 Prozent auf rund 65 Euro zusammen.

Wenngleich eine Lösung der Causa Glyphosat noch Monate dauern könnte, wäre es ein Befreiungsschlag für den Dax-Konzern. Die von Bloomberg genannten 8 Milliarden Dollar wären deutlich weniger als viele Analysten, die ohnehin mit einem Vergleich rechnen, zuletzt auf dem Zettel hatten. Analyst Markus Mayer von der Baader Bank etwa ging zuletzt davon aus, dass eine Einigung selbst im Kostenbereich um die 15 bis 20 Milliarden Euro (16,7 bis 22,3 Mrd Dollar) immer noch positiv für den Aktienkurs wäre.

Analyst Michael Leacock von der Bank Mainfirst hatte zuletzt mit einer Summe von etwa 10 Milliarden Euro kalkuliert, zu der noch circa 1 Milliarde Euro wegen Rechtskosten hinzuzurechnen wären. Allerdings könnte in einem gewissen Maße Versicherungsschutz für diese Rechtsrisiken bestehen, so dass die zu zahlende Summe unter dem Strich geringer ausfallen könnte. Zudem seien Vergleichskosten steuerlich absetzbar.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Bayer auf "Buy" mit einem Kursziel von 77 Euro belassen. Eine früher als erwartete Beilegung der juristischen Auseinandersetzungen um Glyphosat könnte eine Last vom Kurs der Bayer-Aktie nehmen, wie die jüngste Erholung gezeigt habe, schreibt Analyst Keyur Parekh in einer am Freitag vorliegenden Studie des Instituts. Der Analyst taxiert den Abschlag wegen der Unsicherheiten auf 35 Prozent auf die Summe der Einzelteile des Konzerns. Normalerweise habe der Konglomeratsabschlag 15 Prozent betragen.

Glyphosat-Prozess vertagt

In den vergangenen Tagen hatten Investoren bereits die Vertagung eines für August angesetzten Glyphosat-Prozesses als Hinweis auf fortschreitende Vergleichsverhandlungen interpretiert. Bayer Börsen-Chart zeigen hat bereits drei Verfahren um Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter verloren.

Trotz der jüngsten Aktienkurserholung notieren die Papiere immer noch rund 28 Prozent tiefer als vor der ersten Prozessschlappe wegen Glyphosat vor einem Jahr.

Bereits am Donnerstag hatten die Bayer-Aktien von der Nachricht profitiert, dass die Leverkusener Insidern zufolge schon bald den nächsten großen Spartenverkauf ankündigen könnten. Der Pharmakonzern arbeite mit Elanco Animal Health an einem Deal zum Verkauf des Geschäfts mit Tiermedizin, berichtete Bloomberg ebenfalls unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

luk / dpa-afx

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