Sonntag, 26. Mai 2019

Diskussion um Zerschlagung Was Bayer-Chef Baumann vom aktivistischen Investor Elliott hält

Bayer-Chef Werner Baumann: Zahl der Glyphosat-Klagen weiter gestiegen

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer Börsen-Chart zeigen hat den geplanten Stellenabbau verteidigt. "Solche Entscheidungen sind extrem schwer zu treffen", sagte Vorstandschef Werner Baumann am Montagabend auf einer Veranstaltung der "Rheinischen Post" in Düsseldorf. Das Unternehmen würde sie auch nur treffen, wenn es überzeugt sei, dass diese langfristig richtig seien.

Bayer hat angekündigt, rund 12.000 der weltweit 118.000 Stellen zu streichen. Zu der Verteilung, etwa wie viele in Deutschland wegfallen, wollte er sich erneut nicht äußern. Dies werde wohl erst Anfang des kommenden Jahres klar ein.

Baumann zu Elliott: "Mich hat noch keiner angerufen"

Baumann ging auch auf Berichte ein, wonach der unbequeme US-Hedgefonds Elliott bei dem Konzern eingestiegen sei. Dieser hatte in den vergangenen Monaten unter anderem das Management von Thyssenkrupp und dem Energiekonzern Uniper unter Druck gesetzt. "Mich hat noch keiner angerufen", sagte Baumann. Es gebe keinerlei Kontakte zu dem streitbaren Investor.

Elliott war langjähriger Aktionär bei Monsanto

Elliott sei aber sehr lange bei dem übernommenen Monsanto-Konzern als Aktionär engagiert gewesen, so Baumann. Elliott sei ein Aktionär, der Unterbewertungsopportunitäten im Markt sehe. Grundsätzlich würde man immer einen neuen Aktionär begrüßen, der den Unternehmenswert auch im Sinne der Strategie, die der Konzern verfolge, unterstütze.

Anleger reagierten mit Käufen auf die Aussagen des Konzernchefs. Die Aktie von Bayer, die am Vortag auf ein Mehrjahrestief gestürzt war, zog bis Dienstag Mittag um mehr als 3 Prozent an.

Die Agenturen Reuters und Bloomberg hatten unter Berufung auf Insider berichtet, dass der aktivistische Investor vor rund einem Jahr bei Bayer eingestiegen sei. Bisher habe es aber keine Treffen zwischen dem Hedgefonds des US-Investors Paul Singer und dem Bayer-Management gegeben. Elliott halte seit mehr als einem Jahr Bayer-Aktien, hieß es weiter. Über den Umfang des Elliott-Investments bei Bayer ist nichts bekannt. Der Investor könnte sich aber auch für einen Verkauf seines Anteils entscheiden.

Elliott: Die Strategie des gnadenlosen Investors

Baumann warb unterdessen erneut für die abgeschlossene Übernahme des US-Konzerns Monsanto, der wegen des Unkrautvernichters Glyphosat in der Kritik steht. Glyphosat sei nach vielen Studien bei richtiger Anwendung sicher und wichtig für viele Landwirte. Bayer hatte den US-Saatgutriesen im Sommer für knapp 63 Milliarden Dollar übernommen. Wegen der angeblich krebserregenden Wirkung von Glyphosat sieht sich der Konzern in den USA mit zahlreichen Klagen konfrontiert. Die zuletzt genannte Zahl von 9300 sei inzwischen weiter gestiegen, räumte Baumann ein, machte aber keine genauen Angaben.


Bayer im Visier: Wie die US-Justiz Bayers Geschäftsmodell zerschießt


Der Konzern steht derzeit mächtig unter Druck. Nach der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto und einer Niederlage vor Gericht in den USA im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat war der Aktienkurs kräftig eingebrochen. Mit einem groß angelegten Stellenabbau und dem Verkauf von Unternehmensteilen steuerte der Konzern zuletzt gegen.


Daimler-Chef warnt: "Sonst kommen Investoren wie Elliott"


Die Ironie der Geschichte: Mit der Übernahme von Monsanto verfolgte Bayer Börsen-Chart zeigen unter anderem das Ziel, eine feindliche Übernahme mit anschließender Zerschlagung zu verhindern. Doch auf Grund der zahlreichen Glyphosat-Klagen in den USA hat sich die Übernahme für Bayer als toxisch erwiesen, der Aktienkurs des Dax-Unternehmens ist seitdem eingebrochen. Mit fallendem Börsenwert wird Bayer für Investoren, die eine Übernahme und Zerschlagung durchrechnen, attraktiver.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung