Montag, 16. September 2019

"Nicht krebserregend" Aussage der US-Umweltbehörde zu Glyphosat stützt Bayer

Bayer-Chef Werner Baumann: Die US-Umweltbehörde EPA hält Glyphosat weiterhin für nicht krebserregend.
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Bayer-Chef Werner Baumann: Die US-Umweltbehörde EPA hält Glyphosat weiterhin für nicht krebserregend.

Im Rechtsstreit um die Gesundheitsrisiken des Unkrautvernichters Monsanto gibt es nach langer Zeit mal wieder eine gute Nachricht für Bayer Börsen-Chart zeigen: Die US-Gesundheitsbehörde EPA hat am späten Dienstag amerikanischer Zeit ihre Einschätzung bestätigt, dass Glyphosat bei vorschriftsmäßiger Anwendung keine Risiken für die öffentliche Gesundheit berge und nicht krebserregend sei. "Die EPA geht weiter davon aus, dass keine Risiken für die öffentliche Gesundheit bestehen, wenn Glyphosat entsprechend der derzeit geltenden Anweisungen verwendet wird", teilte die Behörde mit. Die Aktien von Bayer Börsen-Chart zeigen bauten daraufhin am Donnerstag ihre Kursgewinne auf knapp 4 Prozent aus und gehörten damit zu den größten Gewinnern im Dax Börsen-Chart zeigen.

"An der Einstufung der US-Behörde hat sich zwar nichts geändert, aber das dürfte trotzdem die Stimmung für die Aktie etwas aufhellen", sagte ein Händler. Schließlich widerspricht die Behörde damit jüngsten Gerichtsurteilen zu Klagen wegen angeblicher Krebsgefahren gegen die Bayer-Tochter Monsanto, die Glyphosat als Wirkstoff in Unkrautvernichtungsmitteln wie Roundup oder Ranger Pro verwendet und deshalb schon seit langem heftig in der Kritik steht.

Bayer-Aktien waren Ende April wegen der Glyphosat-Klagen in den USA auf den tiefsten Stand seit fast sieben Jahren abgesackt. Seitdem hatten sich die Papiere oberhalb von 60 Euro stabilisiert. Viele Analysten sehen auf diesem Bewertungsniveau die vom Unkrautvernichter ausgehenden finanziellen Risiken mittlerweile als eingepreist an.

Mehr als 13.000 Klagen gegen Bayer in den USA

Die Talfahrt der Aktie beschleunigte sich vergangenen August, nachdem ein US-Geschworenengericht Glyphosat für die Krebserkrankung eines Klägers verantwortlich machte. Im März 2019 verlor Bayer dann einen weiteren Prozess. In beiden Fällen stehen mögliche Schadenersatzzahlungen von rund 80 Millionen US-Dollar im Raum. Bayer betont zwar unter Verweis auf zahlreiche Studien weiterhin die Sicherheit von Glyphosat und geht gegen die Urteile in Berufung, allerdings gibt es in den USA mittlerweile 13.400 Klagen.

Bayer nur noch 57 Milliarden Euro wert - so viel wie der Preis für Monsanto

Investoren sind frustriert, hat Bayer doch allein seit dem Urteil vergangenen August rund ein Drittel an Börsenwert verloren. So ist der Leverkusener Dax-Konzern mit rund 57 Milliarden Euro nur noch in etwa so viel wert, wie er für Monsanto zahlte. Ende März fiel der Kurs bei 54,48 Euro auf den tiefsten Stand seit knapp sieben Jahren.

Die Folge: Eine für den amtierenden Chef eines Dax-Konzerns nahezu einmalige Abstrafung auf der Hauptversammlung Ende April. Die Aktionäre verweigerten Bayer-Chef Werner Baumann die Entlastung.


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Rechtlich hat das zwar keine Folgen - und viele große Investoren betonten auch, angesichts der komplexen Gemengelage keinen Wechsel an der Konzernspitze zu wollen -, ein herber Imageschaden bleibt aber für die Bayer-Führung. Daran ändert auch die umgehende Rückendeckung für Baumann durch den Aufsichtsrat nichts.

Das Kontrollgremium will zudem laut Informationen der "Wirtschaftswoche" in zwei bis drei Wochen zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen. Dabei solle besprochen werden, wie Bayer der Führungs- und Vertrauenskrise Herr werden könne. "Ein Weiter-so kann es nicht geben", zitiert die "Wiwo" ein Aufsichtsratsmitglied. Aufsichtsratschef Werner Wenning hatte bereits auf der Hauptversammlung durchblicken lassen, nach einer weiteren Verstärkung für den Aufsichtsrat im Agrargeschäft zu suchen.

la/dpa/reuters

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