Freitag, 19. April 2019

Bayer streicht nach Monsanto-Übernahme 12.000 Stellen weltweit Bayer streicht 4500 Jobs in Deutschland

Bayer-Chef Baumann: Die Aktie ist abgestürzt, die Zahl der Klagen in den USA auf mehr als 11.000 gewachsen. Nun will Bayer Stellen streichen

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer Börsen-Chart zeigen will in Deutschland 4500 Stellen abbauen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus informierten Kreisen. Wie das Unternehmen bereits im November angekündigt hatte, sollen weltweit insgesamt 12.000 von 118.000 Arbeitsplätzen wegfallen.

In Deutschland waren zum Jahreswechsel 32.100 Mitarbeiter beschäftigt. Die "Rheinische Post" hatte zuvor über die Pläne für Deutschland berichtet. In dem Konzern sind in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 ausgeschlossen. Um die Stellenzahl zu verringern, setzt das Unternehmen daher auf Abfindungen, Altersteilzeit und Abgänge durch die übliche Fluktuation.

Wie die "Rheinische Post" berichtete, will der Vorstand die Mitarbeiter am Dienstag in einem Brief über die geplante Stellenreduzierung informieren. Demzufolge entfallen 3000 der 4500 Stellen auf sogenannte Querschnittsfunktionen etwa in Verwaltung und IT.

Bayer befindet sich in einer schwierigen Phase. Die Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto droht zu einem Desaster zu werden - die US-Klageindustrie hat den deutschen Konzern nach der Übernahme als lohnenswertes Ziel für Schadenersatzklagen wegen des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat entdeckt, der in den USA seit vielen Jahren im Einsatz ist. Nun, da der Hersteller Monsanto von Bayer übernommen ist, werden den Klägern vor Gericht Schadenersatzansprüche in Millionenhöhe zugesprochen.

Der Konzern hat weitere Baustellen, auch das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln läuft nicht rund. Bayer verkündete als Konsequenz Pläne zum Stellenabbau, um Kosten zu sparen und Arbeitsabläufe effizienter zu machen.

Noch ist offen, ob sich Bayer-Chef Werner Baumann, der die Monsanto-Übernahme durchgeboxt und die Rechtsrisiken dabei unterschätzt hat, auch nach der Hauptversammlung auf seinem Posten wird halten können. Anlegersprecher sprechen durch die milliardenschweren US-Klagen bereits von der größten Wertvernichtung in der jüngeren Dax-Geschichte.

Erst vor wenigen Tagen urteilte eine Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco, dass Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat haftbar ist und dem 70-jährigen Kläger Edwin Hardeman Schadenersatz in Gesamthöhe von 80,3 Millionen Dollar (71,4 Millionen Euro) zahlen muss. Bereits in der vergangenen Woche war die Jury im vorentscheidenden ersten Teil des Prozesses zu dem Schluss gekommen, dass Roundup als wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung Hardemans einzustufen sei.

Die Gesamtsumme liegt damit in etwa auf dem Niveau, auf das eine Richterin eine Entschädigung in einem anderen Verfahren im vergangenen Jahr reduziert hatte. Da hatte ebenfalls eine Geschworenenjury den von Bayer übernommenen Saatgutkonzern Monsanto ursprünglich zu einer Zahlung von 289 Millionen Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung verdonnert. Der Fall brachte in den USA eine Klagewelle gegen Bayer ins Rollen. Per Ende Januar lagen Bayer Klagen von 11.200 Klägern vor.


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Absturz der Aktie

Der Aktienkurs von Bayer Börsen-Chart zeigennotiert derzeit nur knapp über seinem Siebenjahrestief. Der Börsenwert des Konzerns liegt mit knapp 52 Milliarden Euro mittlerweile deutlich unter den rund 63 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro), die die Leverkusener sich den Monsanto-Kauf hatten kosten lassen. Es seien Belastungen durch die Causa Glyphosat in Höhe von 40 Milliarden Euro in den Kurs eingepreist, glaubt Analyst Alistair Campbell vom Investmenthaus Liberum. Er hält rund ein Viertel dieses Wertes für eine letztendlich realistischere Größe.

Anleger fragen sich aber weiter, ob Bayer die Risiken der bislang teuersten Auslandsübernahme eines deutschen Unternehmens unterschätzt hat. Trotz aller Probleme verteidigt Bayer-Chef Werner Baumann die Übernahme. "Der Monsanto-Kauf war und ist eine gute Idee", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).

la/dpa

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