Dienstag, 7. April 2020

DuMont verkauft, Bauer Media greift zu Zeitschriften-Zarin Yvonne Bauer übernimmt die "Mitteldeutsche Zeitung"

Gönnt sich neben rund 600 Zeitschriften jetzt auch eine Zeitung: Yvonne Bauer

Durch den Kauf der "Mitteldeutschen Zeitung" wird die Bauer Media Group zur größten Pressegruppe in Sachsen-Anhalt. Der Verkäufer, die Kölner Mediengruppe DuMont, trennt sich von einem weiteren Teil seines Zeitungsportfolios. Und als nächstes ist die "Hamburger Morgenpost" dran.

Die DuMont Mediengruppe verkauft die "Mitteldeutsche Zeitung" an die Bauer Media Group aus Hamburg. Für das Blatt mit Sitz in Halle an der Saale mit einem Umsatz von zuletzt etwa 130 Millionen Euro zahlt Verlegerin Yvonne Bauer (43) nach Informationen von manager magazin einen Betrag von deutlich mehr als 50 Millionen Euro an DuMont. Damit setzt DuMont-CEO Christoph Bauer (48) den bereits 2018 eingeleiteten Teilausstieg des Kölner Traditionsverlages aus dem Zeitungsgeschäft fort. Der Deal muss noch vom Kartellamt genehmigt werden.

Für Verlegerin Yvonne Bauer mutet der Deal exotisch an. Die "Volksstimme" in Magdeburg war bisher die einzige Tageszeitung in ihrem Portfolio - neben 600 Zeitschriften, mehr als 400 digitalen Medien und über 100 Radio- und Fernsehstationen in 17 Ländern, mit denen Bauer zuletzt gut 2,3 Milliarden Euro Umsatz einspielte.

Zusammen mit der "Mitteldeutschen Zeitung" setzt Bauer offenbar darauf, in Sachsen-Anhalt eine kritische Masse zu schaffen, um durch Synergien die Überlebenschancen der Blätter in einem schrumpfenden Markt zu erhöhen. Das DuMont-Blatt sei eine "perfekte Ergänzung" zur "Volksstimme", hieß es dazu bei Bauer.

Der Zeitungsmarkt in Sachsen-Anhalt gilt auch deshalb als schwierig, weil die Zustellung an die weit verstreuten Abonnenten durch den 2015 eingeführten Mindestlohn erheblich teurer geworden ist. Größter regionaler Wettbewerber von Bauer ist die Madsack-Mediengruppe ("Hannoversche Allgemeine Zeitung") mit der "Leipziger Volkszeitung".

DuMont setzt Ausstieg aus Zeitungsgeschäft schrittweise fort

DuMont-Chef Christoph Bauer hat mit dem Verkauf seine publizistische Portfoliobereinigung fast beendet. Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass DuMont sein gesamtes Zeitungssortiment zum Verkauf gestellt hatte. Neben der "Mitteldeutschen Zeitung" waren das die "Hamburger Morgenpost", "Berliner Kurier" und "Berliner Zeitung" sowie der publizistische Ursprung des Verlags, der "Kölner Stadt-Anzeiger" nebst dem Boulevardblatt "Express" - insgesamt ein Umsatzvolumen von etwa 450 Millionen Euro.

Achten Sie auf: Wie DuMont-Chef Christoph Bauer den Presse-Exit vorantreibt

Aber schnell wurde klar, dass sich die Hoffnungen mancher DuMont-Gesellschafter nach einem großen, einträglichen Deal im dreistelligen Millionenbereich nicht erfüllen würden. Zu angeschlagen erschien ein Teil der die eigenen Blätter, und zu bang erschienen auch die möglichen Käufer aus der Branche, die mit ihren eigenen Zeitungen selber zu kämpfen haben. Nicht wenige heuchelten zwar heftiges Interesse, um einen Blick in die Zahlen der Konkurrenz aus Köln erhaschen zu können. Ernstgemeinte Gebote gingen bei DuMont-Chef Bauer aber lange kaum welche ein - und wenn, dann mit Preisschildern, die die Gesellschafter arg ernüchterten.

Besitzerwechsel: Mitteldeutsche Zeitung in Halle (Sachsen-Anhalt)
imago images/Schöning
Besitzerwechsel: Mitteldeutsche Zeitung in Halle (Sachsen-Anhalt)

Ehepaar Friedrich als Glücksfall für DuMont

So war es ein Glück für DuMont-Chef Bauer, dass er den Berliner Verlag im November an zwei Branchenfremde verkaufen konnte - das Unternehmerehepaar Holger und Silke Friedrich. Die sorgten schnell für reichlich Rauschen im Blätterwald - zuerst durch ihre Nonchalance gegenüber dem so schwierigen Zeitungsmarkt, dann durch die aufgedeckte Ex-Tätigkeit Holger Friedrichs als Inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit.

Dass sie die Kölner Blätter behalten würden, hatten die Gesellschafter, die Familien DuMont und DuMont-Schütte, bereits Mitte des vergangenen Jahres beschlossen. Besonders der "Kölner Stadt-Anzeiger" gilt noch immer als ertragsstark. Auch der "Express" soll zuletzt aus den roten Zahlen wieder herausgekommen sein. Zudem ist mit der Verleger-Rolle in und um Köln erhebliches Sozialprestige verbunden, auf das mancher DuMont nur ungern verzichten würde.

Entscheidung über "Hamburger Morgenpost" soll in Kürze fallen

Bleibt nach dem Verkauf der "Mitteldeutschen Zeitung" noch die vergleichsweise kleine "Hamburger Morgenpost" mit zuletzt etwa 17 Millionen Euro Jahresumsatz. Hier prüft DuMont-Mann Bauer derzeit noch mehrere Optionen; schon in einigen Wochen soll auch hier eine Entscheidung fallen.

Behalten dürfte DuMont das norddeutsche Boulevardblatt aber auf keinen Fall - als zu schwierig gilt dessen Marktposition. Zudem gilt die Belegschaft als vergleichsweise teuer - auch für andere Verlage wäre sie also wohl möglicherweise schwer verdaulich. Auch ein Management-Buy-Out durch eine Gruppe um Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow (53) gilt als eine ernsthafte Option.

Die Einnahmen aus dem Bauer-Deal kann DuMont gut gebrauchen. Die Mediengruppe gilt als bilanziell ausgezehrt. Grund sind die Fehlinvestitionen von Altverleger Alfred Neven DuMont (1927 bis 2015). Der rheinische Zeitungs-Zar hatte einst auf der Suche nach nationaler Bedeutung die "Frankfurter Rundschau" (FR), den Berliner Verlag und die "Hamburger Morgenpost" übernommen, obwohl das Geschäftsmodell von durch Abos und Anzeigen finanzierten Tageszeitungen bereits erheblich unter Druck stand. Die FR rutschte in die Insolvenz und gehört heute zur Ippen-Gruppe. In Berlin und Hamburg schrieb DuMont jahrelang hohe Verluste. Diese Abenteuer kosteten Alfreds Erben insgesamt etwa 350 Millionen Euro und zehrten die in guten Zeiten angesparten Reserven in Köln weitgehend auf.

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