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Baselworld 2016: Die Neuheiten im Überblick

Foto: Patek Philippe

Neue Luxusuhren Patek Philippe legt seine 2,2-Millionen-Euro-Uhr neu auf

Von Michelle Mussler

Uhrennerds auf der ganzen Welt blicken auf das größte Spektakel der aktuellen Zeitmessung: Die Baselworld, die wichtigste Messe für Luxusuhren und Schmuck, eröffnet am 17. März. Fast alle großen Namen stellen hier aus und zeigen ihre Neuheiten für das komplette Uhrenjahr 2016.

Rolex, Patek Philippe und Omega sind ebenso dabei wie Tag Heuer, Breitling und Longines. Der weltgrößte Uhrenproduzent, die Swatch Group, ist mit 17 Marken und der Luxusgüterkonzern LVMH mit fünf Herstellern vertreten. Die Kering Gruppe präsentiert sich mit drei Brands und der Konzern Fossil rückt sich mehr in den Vordergrund. Das US-amerikanische Unternehmen vermarktet und versorgt um die 20 Lifestyle-Labels mit Uhren und bezog kürzlich in Basel seine neue Europazentrale.

Beim Messe-Schaulauf um tickende Eitelkeiten bringen sich auch die deutschen Uhrmarken in Position. Die sächsischen Uhrmacher aus Glashütte sind umfangreich vertreten, darunter von Nomos, Mühle, Tutima, Bruno Söhnle und Glashütte Original. Ebenso zeigt sich der Schwarzwald mit Junghans und Lehmann. Als Appetitanreger haben schon etliche Hersteller einige Neuheiten vorab mitgeteilt. Oft unter höchster Verschwiegenheit, heute jedoch streifen die meisten ihren Schleier ab.

Grund zum Feiern

Die Grande Dame der Uhren, die Oyster von Rolex, wird 90 Jahre alt. Dass die Manufaktur deshalb gleich sieben neue Modelle auf der Messe präsentiert, erstaunt selbst Insider. Noch nie fuhr Rolex so viele Neuheiten in der Linie auf, darunter die begehrte Daytona und eine Variante im trendigen Materialmix Edelstahl und Gelbgold.

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Luxusuhren: Goldene Zeiten für Schnäppchenjäger

Foto: Michelle Mussler

An der diesjährigen Baselworld nimmt nach einer kurzen Pause auch Porsche Design wieder teil. Sie starten sogar mit einer kompletten Kollektion am eigenen Stand in der Prestigehalle 1. Dort wird auch bei anderen gefeiert - vor allem bei Chopard: die Uhrenmanufaktur wird 20 Jahre alt und offeriert zum Festakt Leckerbissen für Sammler. Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident des unabhängigen Familienunternehmens, sagt: "Das schwierigste in all den Jahren war die Entwicklung eines eigenen Chronographen-Kalibers."

Ehrwürdig, aber nicht altbacken lässt Girard-Perregaux zum 225. Manufaktur-Geburtstag ebenso mit limitierten Sondereditionen eine Party steigen. Auch Patek Philippe stellt eine Erweiterung seiner 175-jährigen Geburtstags-Edition vor: 'Grandmaster Chime 6300', die Ultra-Komplikation mit 20 Funktionen, kommt jetzt in einer Weißgold-Variante für 2.424.074 Franken (rund 2,2 Millionen Euro).

Richemont baut 350 Stellen in der Schweiz ab

"Wie feiern ein Jubiläum, das die gesamte Branche die letzten zehn Jahre beeinflusst hat", mein Jean-Claude Biver, der LVMH-Uhrenchef für die Marken Tag Heuer, Hublot und Zenith. Biver lancierte 2006 die erste Hublot-Uhr namens All Black. Wegen des komplett schwarzen Designs ist auf ihr kaum die Uhrzeit abzulesen. Fast alle Branchenkenner erklärten Biver für verrückt. Baff waren sie jedoch, als die Uhr quasi in Minutenschnelle ausverkauft war. Seither tauchen immer mehr Marken mit diesem schwarzen Gewand auf und Hublot kommt 2016 mit einer neu interpretierten All Black Kollektion.

Ansonsten hat sich der Puls der Zeit verlangsamt. Für Bluthochdruck sorgen nur noch die kränkelnden Umsätze. Diese pendelten sich 2015 meistens bei wenigen Prozent im Plus ein. Die Branche hofft für 2016 wenigstens diese wieder zu erzielen. Bei der Vontobel Bank sieht man das aber anders. Ihre jüngste Marktanalyse prognostiziert, dass selbst das schwierig wird. Die Gründe sind vielseitig und waren schon auf der Genfer Uhrenmesse SIHH (Salon International de la Haute Horogerie) im Januar das Thema.

Der gesamte Export der Schweizer Hersteller sank im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent auf rund 28,13 Millionen Armbanduhren. Die Erlöse schrumpften noch schneller um 3,6 Prozent auf 20,22 Millionen Franken (rund 18,5 Milliarden Euro). Wie ernst die Lage ist, beweist auch die kürzliche Absage der Uhrenmesse Watches & Wonders 2016 in Hongkong. Sie wird seit 2013 von der FHH (Fondation de la Haute Horlogerie) und primär von Richemont-Marken im Herbst veranstaltet und soll nur noch alle zwei Jahre stattfinden - voraussichtlich. Fast zeitgleich räumt Richemont ein, in der Schweiz 350 Stellen abbauen zu wollen.

Einige Marken verfallen in Hyper-Aktionismus

Bei Tag Heuer hingegen ist man zufrieden: "Wir haben 2015 mit einem Jahresumsatz von plus drei Prozent abgeschnitten. Und ich hoffe dies auch für 2016 zu erreichen", erklärt der CEO Guy Sémon. Das dürfte ihm mit dem Preisbrecher-Tourbillon für 14.200 Euro gelingen - die Käufer stehen nämlich Schlange. "Das Statement von einer anderen Marke, 'Du killst den Markt', ist da noch die charmanteste Aussage", behauptet Sémon.

Grund zur Freude haben dagegen Uhrenliebhaber. Um Umsätze und Produktionsauslastung anzukurbeln, versuchen viele Hersteller mit Modellen zum Einstiegspreis zu locken. Eine hoch diffizile Angelegenheit: Um bei Sammlern und Fans keinen Imageverlust zu erleiden, müssen sie ihre oft wahnwitzige Preispolitik der Boomjahre jetzt umso geschickter argumentieren. Schließlich diente jahrelang Werthaltigkeit als wichtiges Verkaufsargument.

Die superteuren Uhren der Nobelmarken sind natürlich nach wie vor eine Klasse für sich. In den Segmenten unterhalb der 1000-Euro-Grenze machen sich die Smartwatches breit: Deren Verkäufe übertrafen im vergangenen Weihnachtsgeschäft erstmals die Ausfuhren Schweizer Uhrenhersteller. So errechnete die Analysefirma Strategy Analytics, dass im Schlussquartal vergangenen Jahres 8,1 Millionen Computer-Uhren verkauft wurden - vier Mal so viel wie 2014. Die Schweizer Hersteller kamen im Schlussquartal 2015 auf einen Absatz von 7,9 Millionen Uhren nach 8,3 Millionen im Jahr zuvor.

Vintage: Das Drehen um die eigene Achse

Einsteigeruhren mit mechanischen Werken liegen unter der Schmerzgrenze von 2000 Euro. Viele Marken der Swatch Group bieten diese Preisliga an, darunter Mido, Hamilton, Calvin Klein, Certina und Tissot. Sie können solche Preise aufrufen, weil sie auf den familieninternen und hoch industriellen Werkeproduzenten Eta günstig zurückgreifen. Attraktive, puristische Modelle für Preissensible finden sich auch bei unabhängigen Marken, beispielsweise bei Oris, Mühle Glashütte, Junghans, Frédérique Constant und Tutima.

Kommt jedoch eine höhere Fertigungstiefe hinzu, liegen die Manufakturuhren mit hausintern gefertigten Kalibern schnell bei 5000 Euro. Diese gelten in der Branche als Demarkationslinie, an der sich auf der Baselworld Tudor, Oris und die deutsche Ausnahme-Manufaktur Nomos entlanghangeln.

Einige Marken verfallen regelrecht in Hyper-Aktionismus: Es wird getaucht, Rennen gefahren, Überschall geflogen und für diverse Militär-Einsätze ausstaffiert. Mit nahezu allen Sport- und Abenteuerarten versucht man männliche Alphatiere anzusprechen. Zugleich werden Geschäftsmänner und -frauen mit Dress Watches im Midsize-Format bestückt.

Nostalgische Puristen für spendable Yuccis

Der Geschmack der spendableren Yuccis (Young Urban Creatives) wird mit nostalgischen Puristen bedient. Und fast schon mantraartig huldigt die Uhrmacherei ihren unzähligen Reinkarnationen: der Retro- alias Vintage-Trend ist so omnipräsent, dass sich einige Hersteller nur um die eigene Achse drehen.

Dafür ist Shocking-Luxus, wie Totenköpfe aus Gold oder Brillanten, definitiv passé. Überreizt ist auch der Industrial-Look, der Uhrentechnik exhibitionistisch am Handgelenk zur Schau stellt. Ebenso spürbar weniger vertreten sind komplexe Weltzeituhren und opulente Handwerkskünste auf Zifferblättern.

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Uhren mit Wow-Faktor: Die exzessivsten Egoverstärker von der Baselworld 2015

Foto: PR / Breguet

Nach wie vor gefragt sind Reiseuhren mit einer zweiten Zeitzone sowie Jahreskalender und ewige Kalender, die vielseitig angeboten werden. Zaghaft taucht vereinzelt Endzeit-Romantik auf: bei Speake Marin mit Gothic-Style, bei Romain Jerome mit Tattoo-Uhren. Sie als Vorboten zu einer neuen Uhrenepoche zu betrachten, wäre übertrieben. Schließlich hat die Baselworld weit mehr überstanden als schwächelnde Umsätze - die Grande Dame der Uhrenmessen feiert nächstes Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum.

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Mit Material von dpa
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