Mittwoch, 13. November 2019

Obama in Deutschland, Streit um TTIP Ist die Globalisierung noch zu retten?

Barack Obama, Angela Merkel: Der US-Präsident hat eine Reindustrialisierung nach deutschem Vorbild angestoßen

US-Präsident Obama in Deutschland: Auf der Hannover Messe feiert der US-Präsident die Industrie und sucht den Schulterschluss mit Europa. Doch die Bundesbürger sehen freien Welthandel zunehmend skeptisch.

Der Präsident verkündete Vollzug. Die Autoindustrie habe "gerade das beste Jahr ihrer Geschichte" abgeschlossen, verkündete Barack Obama kürzlich in seiner letzten Rede zur Lage der Nation. Und das sei nur ein Aspekt der Wiedergeburt der US-Industrie, die bereits "fast 900.000 neue Jobs" gebracht habe.

Bereits 2010 hatte der US-Präsident ein breit angelegtes Reindustrialisierungsprogramm angestoßen. Das Vorbild war klar identifiziert: Deutschland.

Amerikas Exporte sollten sich verdoppeln, Lehrstellen für junge Leute geschaffen und ein Technologietransfernetzwerk nach Blaupause der deutschen Fraunhofer Institute gegründet werden. Amerika sollte endlich wieder mehr echte Dinge produzieren. Ein heftiger Anfall von "Deutschland-Neid" habe die Amerikaner erfasst, konstatierte die Zeitschrift "The Atlantic": starker Fertigungssektor, viele anständige Arbeitsplätze, gut ausgebildete Mittelschicht.

Henrik Müller
manager magazin
Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor war Müller stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

Nun ist Obama zur Eröffnung der Hannover-Messe angereist, die Montag ihre Tore öffnet; die USA sind dieses Jahr Partnerland. Der Präsident erlebt Paradoxes: Die Bundesrepublik ist heute ein Land, dessen Wohlstand zum großen Teil auf seiner exportstarken Industrie fußt, das immer größere Überschüsse mit dem Rest der Welt erwirtschaftet, dessen Bevölkerung aber internationalen Austausch zunehmend kritisch sieht.

Schon seltsam: Nur noch 56 Prozent der Bundesbürger halten intensiveren Handel für eine gute Sache, 27 Prozent für eine schlechte. Eine massive Eintrübung binnen nur zwei Jahren: Damals sahen noch 88 Prozent die Ausweitung des Handels positiv, nur 9 Prozent negativ, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Besonders ablehnend stehen die Deutschen dem geplanten Handels- und Investitionsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA gegenüber: 33 Prozent der Befragten fänden das Abkommen schlecht, nur 17 Prozent gut, so die Studie.

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