Zugausfälle Personalchaos kostet Bahn-Vorstand den Job

Die teilweise Abkopplung des Mainzer Hauptbahnhofs aufgrund von Personalmangel hat nun Konsequenzen für Manager des Staatsunternehmens. Ein Vorstand der Netzsparte soll gehen. Zudem will die Bahn Fachkräfte aus dem Urlaub zurückholen.
Mainzer Hauptbahnhof: Ab Montag drohen auch tagsüber Zugausfälle

Mainzer Hauptbahnhof: Ab Montag drohen auch tagsüber Zugausfälle

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Berlin - Bahnchef Rüdiger Grube will nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen den Vorstand Produktion der für das Schienennetz zuständigen Bahn-Tochter DB Netz AG, Hansjörg Hess, von seinen Aufgaben entbinden.

Der Bahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt kann in den Abend- und Nachtstunden nicht mehr angefahren werden, weil für das Stellwerk urlaubs- und krankheitsbedingt die Fahrdienstleiter fehlen. Ab Montag gelten solche Einschränkungen auch tagsüber.

Außerdem will die Bahn drei Mainzer Fahrdienstleiter zurückzuholen, die im Urlaub sind. "Wir können das aber nicht erzwingen", sagte eine Bahn-Sprecherin am Sonntag.

Die Ablösung von Hess sei schon seit längerem geplant gewesen, die Ereignisse in Mainz hätten sie jedoch beschleunigt, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" am Samstag ergänzend. Hess ist seit Juni 2011 Vorstandsmitglied der Netz-Sparte.

Die Abkopplung des Mainzer Bahnhofs sollte zunächst nur für wenige Tage gelten, dauert nun aber bis Ende August. Nachdem in den vergangenen Tagen nur die Abend- und Nachtstunden betroffen waren, fallen ab Montag in Mainz nach Bahnangaben auch tagsüber Regionalzüge aus.

Veraltete Stellwerkstechnik als Folge der Börsenpläne

"Die urlaubenden Mitarbeiter sollten sofort auf Kostenerstattung der Bahn ihren Urlaub abbrechen und Dienst tun", forderte FDP-Generalsekretär Patrick Döring, der auch im Bahn-Aufsichtsrat sitzt, in der "Bild am Sonntag". Dem Blatt zufolge sind fünf der 15 Stellwerk-Fahrdienstleiter in Mainz erkrankt und drei im Urlaub.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Alexander Kirchner, wies die Forderung nach Urlaubsverkürzung zurück. "Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen ihren Erholungsurlaub dringend", erklärte Kirchner am Sonntag. Die Deutsche Bahn wisse schon "seit langem, dass es Personalengpässe gibt", fügte Kirchner hinzu. "Jetzt den Kollegen den schwarzen Peter zuzuschieben, die ihren Erholungsurlaub dringend brauchen, ist einfach nur schäbig."

Dem SPIEGEL zufolge werden knapp 3000 Weichenschaltzentralen der Bahn noch weitgehend mechanisch betrieben. Nur 415 Stellwerke würden computergesteuert. In Konzernkreisen hieß es, die Mängel in der Personalplanung hätten auch mit der Ablösung des Chefs der Netz-Sparte, Oliver Kraft, sowie dessen Arbeitsdirektor zu tun.

Krafts Vertrag war erst im vergangenen Jahr bis 2017 verlängert worden, Anfang 2013 musste er dann gehen. Kraft hatte zuvor die Netz-Sparte zum wichtigsten Gewinnlieferanten des Konzerns gemacht. Über Jahre wurden gerade in diesem Bereich jährlich Tausende Stellen abgebaut. Zugleich wurden allerdings die Stellwerke wegen verzögerter Investitionen im Zuge des geplanten Börsengangs 2008 langsamer als zunächst geplant durch moderne vollelektronische ersetzt, was zu einer Personalentlastung geführt hätte.

ak/rtr/afp

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