Donnerstag, 17. Oktober 2019

Anteil erhöht B. Braun erreicht Sperrminorität bei Rhön

Kämpft weiter: B.-Braun-Eigner Ludwig Georg Braun

Trotz des Klinik-Coups von Fresenius und Rhön-Klinikum kämpfen die Gegner der Krankenhausfusion weiter. Das Medizintechnikunternehmen B. Braun hat seinen Anteil an Rhön aufgestockt und kann künftige Beschlüsse blockieren. Fraglich ist, ob das noch etwas nützt.

Melsungen - Im Kampf um die Kontrolle des fränkischen Klinikbetreibers Rhön-Klinikum hat sich der Medizintechnikkonzern B. Braun eine Sperrminorität gesichert. Das nordhessische Unternehmen stockte seine Beteiligung auf annähernd 11 Prozent auf und plant, seinen Einfluss bei der Klinikkette langfristig zu festigen, wie B. Braun am Dienstagabend mitteilte.

Das Unternehmen will nun auch im Aufsichtsrat von Rhön-Klinikum Börsen-Chart zeigen seine Position geltend machen und beantragte vor Gericht, zwei frei gewordene Sitze im Gremium durch eigene Vertreter zu besetzen. Das Kartellamt hatte B. Braun vergangene Woche grünes Licht gegeben, seinen Anteil an Rhön-Klinikum auf 25 Prozent zu erhöhen.

Rhön-Klinikum erklärte, der Vorstand wolle zum Wohle der Gesellschaft auch künftig den Dialog mit B. Braun suchen. Laut Rhön-Klinikum plant B. Braun, seine Beteiligung am Krankenhausbetreiber in den nächsten zwölf Monaten noch weiter aufzustocken.

Der Medizintechnikkonzern wie auch die private Klinikkette Asklepios hatten sich im vergangenen Jahr mit Beteiligungen an der MDax-Gesellschaft in Stellung gebracht und damit eine Übernahme des Klinikbetreibers durch den Gesundheitskonzern Fresenius Börsen-Chart zeigen blockiert. Beide fürchten eine Vormachtstellung von Fresenius mit dessen Kliniktochter Helios und Rhön auf dem deutschen Klinikmarkt - Asklepios als Klinikrivale, B. Braun als großer Krankenhauszulieferer.

Zwar hat die Rhön-Hauptversammlung inzwischen die Klausel von 90 Prozent für alle wichtigen Firmenentscheidungen gekippt. Doch wegen laufender Anfechtungsklagen von B. Braun und Asklepios ist dieser Beschluss der Aktionäre nicht wirksam. Damit gilt weiter eine Sperrminorität von 10 Prozent, über die B. Braun nun verfügt. Fresenius wollte den Schritt von B. Braun am Dienstag nicht kommentieren.

Übernahme durch die Hintertür

Ob die Nordhessen mit ihrer Aufstockung bei Rhön die Schaffung eines neuen großen Krankenhauskonzerns noch verhindern können, ist allerdings fraglich. Denn Fresenius hatte vor wenigen Wochen überraschend angekündigt, für gut drei Milliarden Euro Rhön-Klinikum einen Großteil der Krankenhäuser abzukaufen. Und laut Fresenius ist diesmal eine Zustimmung der Rhön-Aktionäre gar nicht mehr nötig. Damit würde auch die Sperrminoritätsklausel - sollte sie weiter Bestand haben - kein Hindernis mehr darstellen.

Rhön erklärte am Dienstag, die Umsetzung dieses im September beschlossenen Vorhabens laufe planmäßig. Die Kartellwächter müssen dem allerdings noch zustimmen. Fresenius würde mit dem Kauf von 43 Kliniken und 15 medizinischen Versorgungszentren von Rhön den fränkischen Klinikbetreiber praktisch durch die Hintertür übernehmen.

Die Spitzen von Fresenius und Rhön hatten in den vergangenen Monaten mit ihren Juristen in aller Stille diesen Plan ausgeheckt. Sollte Fresenius erfolgreich sein, wäre B. Braun künftig Großaktionär eines deutlich kleineren Klinikbetreibers, der mit zehn Kliniken an fünf Standorten nur noch etwa eine Milliarde Euro Jahresumsatz erwirtschaftet. 2012 hatte Rhön noch rund 2,86 Milliarden Euro umgesetzt.

ak/rtr

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