Dienstag, 18. Juni 2019

Axel Springer Verlag So regelt Friede Springer ihr Erbe

Friede Springer

Die Hauptaktionärin des Medienkonzerns Axel Springer Börsen-Chart zeigen, Friede Springer, hat ihre Machtposition gestärkt und will ihren Einfluss auch für die Zukunft sichern. Die 76-jährige Verlegerwitwe übernimmt die alleinige Kontrolle über den Großaktionär des Unternehmens, die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik, wie der Berliner Verlag mitteilte.

Die Verleger-Enkel Axel Sven, der sich einst mit seiner Stiefgroßmutter jahrelang um das Erbe seines Großvater gestritten hatte, und Enkelin Ariane scheiden aus dem Gremium aus und halten künftig direkt 7,36 Prozent beziehungsweise 2,36 Prozent der börsennotierten Aktien am Herausgeber von "Bild" und "Welt". Wie aus Friede Springers Umfeld verlautet, will sie ihre gesamten Anteile in eine gemeinnützige Gesellschaft stecken, die nächstes Jahr gegründet werden soll.

In einer Erklärung hieß es, die Springer-Familie habe "die Möglichkeiten geschaffen, ihre Beteiligungen auch im Hinblick auf nachfolgende Generationen zu gestalten". An Engagement und Verbundenheit der drei Gesellschafter mit dem Konzern werde sich auch nach dieser Umstrukturierung nichts ändern. "Ich freue mich, dass weiterhin die Voraussetzungen dafür geschaffen sind, den Mitarbeitern und dem Vorstand von Axel Springer langfristig eine verlässliche Perspektive für die Zukunft des Unternehmens zu geben", sagte Friede Springer.

Sie hält künftig direkt 5,1 Prozent und über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik etwa 37,5 Prozent. Hinzu kommen rund 3 Prozent des mit ihr stimmenden Springer-Chefs Mathias Döpfner. Wie es in ihrem Umfeld heißt, habe sie damit auf Hauptversammlungen höchstwahrscheinlich die Mehrheit der Stimmen. Grund: In der Regel liege die Präsenz bei Aktionärstreffen deutlich unter 100 Prozent, zu rechnen sei eher mit 80 bis 88 Prozent des stimmberechtigten Kapitals.

Mathias Döpfner leitet den Axel Springer Verlag, künftig womöglich das gesamte Haus

Springer hatte ursprünglich einen Rechtsformwechsel zu einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) geplant, um sich stärker für Investoren öffnen und zugleich die Kontrolle von Friede Springer zu sichern. Nach Kritik des Finanzmarktes begrub der Konzern im Jahr 2016 jedoch diese Pläne. Friede Springer kündigte jedoch an, sie werde in rund zwei Jahren eine Lösung finden.

"Für mich stand schon immer fest, dass ich zwei voneinander getrennte Welten möchte. Auf der einen Seite die Stiftungen, die wohltätige und medizinische Zwecke verfolgen und auf der anderen Seite eine Gesellschaft, die sich um das Unternehmen Axel Springer kümmert," hatte Friede Springer in einem ihrer seltenen Interviews im Jahr 2016 gesagt.

Dies sei mit der geplanten Gründung der gemeinnützigen Gesellschaft nun gelungen, sagte ein Insider. Als Orientierung gelte dabei das Konstrukt beim Technologieriesen Bosch.

Die Axel-Springer-Stiftung unterstützt von Berlin aus unter Führung der Springer-Vertrauten und Rechtsanwältin Karin Arnold zahlreiche medizinische und kulturelle Projekte. Gerüchten zufolge soll es im Vorfeld der jetzt gefundenen Regelung angeblich einen Machtkampf zwischen Karin Arnold und Döpfner gegeben haben, den die Verlegerin jedoch energisch bestritt. Vielmehr beschrieb sie Anforderungsprofil für die künftige Führung des Hauses: "Das wird jemand sein, der aus dem Verlag kommt, der weiß, wie man ein Unternehmen führt und dessen Herz für Journalismus schlägt."

So scheint alles auf den früheren "Welt"-Chefredakteur, Zeitungsverlegerpräsidenten und Verlagschef Döpfner hinauszulaufen, der nach 2019 die Oberhoheit einnehmen könnte. Der 55 Jahre alte Manager steht seit 2002 an der Spitze des Berliner Verlagshauses, das mittlerweile den Großteil seines Umsatzes von 2017 rund 3,6 Milliarden Euro mit Digitalangeboten erzielt.

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So scheint alles auf den früheren "Welt"-Chefredakteur, Zeitungsverlegerpräsidenten und Verlagschef Döpfner hinauszulaufen, der nach 2019 die Oberhoheit einnehmen könnte. Der 55 Jahre alte Manager steht seit 2002 an der Spitze des Berliner Verlagshauses, das mittlerweile den Großteil seines Umsatzes von 2017 rund 3,6 Milliarden Euro mit Digitalangeboten erzielt.

reuters/dpa-afx/akn

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