Montag, 21. Oktober 2019

Höherer Anteil als Verlegerwitwe KKR übertrumpft Friede Springer

Medien des Axel-Springer-Verlags: Nun müssen nur noch die Kartellbehörden zustimmen
Kay Nietfeld/dpa
Medien des Axel-Springer-Verlags: Nun müssen nur noch die Kartellbehörden zustimmen

Der Finanzinvestor KKR wird größter Aktionär beim Berliner Medienkonzern Axel Springer und überflügelt sogar Verlegerwitwe Friede Springer. Die Amerikaner sicherten sich mit ihrem Übernahmeangebot etwa 42,5 Prozent an Europas größtem Digitalverlag, wie beide Seiten am Montag mitteilten.

Das freiwillige Übernahmeangebot war am 21. August abgelaufen. Die Mindestannahmeschwelle von 20 Prozent war bereits Anfang August überschritten worden. KKR bot den Aktionären 63 Euro je Aktie. Darüber hinaus kaufte KKR weitere 1,04 Prozent am Markt.

Insgesamt nahm KKR somit rund 2,9 Milliarden Euro in die Hand und hält damit künftig 43,54 Prozent. Friede Springer kommt etwa auf 42,6 Prozent und Konzernchef Mathias Döpfner auf rund 2,8 Prozent. Die Springer-Enkel Ariane und Axel Sven Springer hielten bisher knapp 10 Prozent und haben davon jetzt 3,7 Prozent an KKR verkauft.

Die Vereinbarung mit KKR sieht vor, dass keine Entscheidung ohne die Zustimmung der Verlegerwitwe getroffen werden kann. "Es geht nichts ohne Friede Springer", bekräftige eine Konzern-Sprecherin. Der Einstieg des Investors steht noch unter dem Vorbehalt außenwirtschaftlicher Genehmigungen und von Kartellfreigaben. Den Abschluss des Geschäfts erwartet KKR spätestens im ersten Quartal des nächsten Jahres.

Springer benötigt die Finanzkraft von KKR

"Das Ergebnis des Angebots ist ein sehr starkes Fundament für die geplante strategische Partnerschaft mit KKR", sagte Döpfner. "Wir konzentrieren uns in den kommenden Monaten auf die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie, die wir weiter beschleunigen werden." Der Konzernchef hatte wiederholt betont, mit KKR wolle man Chancen nutzen, um im digitalen Journalismus und im Geschäft mit Kleinanzeigen im Internet zu wachsen.

KKR und Springer hatte schon mehrfach die Möglichkeit eines Einstiegs sondiert. Springer benötigt die Finanzkraft von KKR, um die Expansion im Digitalgeschäft voranzutreiben: Die Bedeutung der deutschsprachigen Zeitungen und journalistischer Inhalte ist im Springer-Geschäftsmodell seit Jahren gesunken und wird weiter sinken. Für den Großteil des Gewinns sorgen nicht "Bild" oder "Welt", sondern digitale Rubriken-Portale wie SeLoger, StepStone oder Immowelt.


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Schon jetzt stammen 84 Prozent des bereinigten Vorsteuergewinns von Axel Springer aus digitalen Aktivitäten. Mit jeder weiteren Übernahme eines Digital-Dienstleisters entfernt sich Springer einen Schritt weiter aus dem deutschsprachigen Raum. Da ist ein finanzstarker Player wie KKR durchaus willkommen.

mg/dpa-afx, rtr

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