Familienstreit im Hause Oetker August Oetker: Wer uns verstehen will, braucht einen Psychologen

August Oetker: "Es gibt Alternativen"

August Oetker: "Es gibt Alternativen"

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August Oetker, Beiratschef des gleichnamigen Mischkonzerns, bereitet sich und seine Beschäftigten auf weitere irrationale Entscheidungen im Gesellschafterkreis vor. Hartnäckige Konflikte unter den Geschwistern hatten in den vergangenen Jahren wichtige Entscheidungen des milliardenschweren Familienunternehmens blockiert. Auf die Frage, was deren Ursprung sei, sagte der 72-Jährige nun dem "Focus"  und "Handelsblatt"  in einem gemeinsamen Interview: "Das weiß ich auch nicht. Ich kann es Ihnen wirklich nicht sagen." Grundsätzlich aber gelte: "Wer Familienunternehmen verstehen will, braucht keinen Betriebswirt, sondern einen Psychologen."

Seinem 44 Jahre alten Halbbruder Carl Ferdinand sprach er indirekt die Eignung ab, derzeit eine Führungsposition zu übernehmen: "Niemand hat qua Familienzugehörigkeit Anspruch auf Führungspositionen im Unternehmen. Da braucht es mehr." Geeignete "fachliche und menschliche Qualitäten" seien unabdingbar. Carl Ferdinand, derzeit unter anderem Aufsichtsratschef bei Arzneihersteller Stada, hatte bei Oetker Interesse an einem Topjob signalisiert.

Für seinen eigenen Sohn Philip, derzeit "General Manager" bei der Konzern-Reederei Hamburg Süd, sieht er dagegen einen Platz im Kontrollgremium vor. Er selbst werde den Beirat bis 2019 leiten, anschließend solle Philip dort Mitglied werden. "Ich halte sehr viel von meinem Sohn", sagte der in dritter Ehe verheiratete August Oetker.

Die Aussagen August Oetkers sind ein klarer Beleg für die fortgesetzte Instabilität des Konzerns, der zuletzt vor allem mit Lebensmitteln und Schifffahrt und knapp 31 000 Beschäftigten mehr als 12 Milliarden Euro umsetzte. (Lesen Sie hier die mm-Analyse zu Oetker: Warten auf den großen Knall) Die verlustreiche Reederei-Tochter Hamburg Süd soll Anfang 2017 nach jahrelangen, internen Diskussionen an den Weltmarktführer Maersk verkauft werden. Künftig wolle Oetker vor allem im alten Stammgeschäft mit Lebensmitteln investieren: "Dort liegen unsere Ursprünge, und dort wollen wir weiter wachsen. Insofern haben wir durchaus eine längere Liste von Unternehmen, die wir gern kaufen wollen - falls sie zum Verkauf kommen", sagte Oetker dem "Focus" und dem "Handelsblatt".

Familienmitgliedern, denen dieser Kurs oder die Konflikte nicht passen, lud August Oetker zum Abschied ein. "Wer gehen will, kann gehen, auch wenn der festgelegte Abschlag hart ist. Man verlässt den Gesellschafterkreis, um selbständig anderen Geschäften nachzugehen: Aktien, Kakaohandel, Schweinebäuche in Chicago oder ein eigenes Unternehmen … was auch immer. Es gibt Alternativen zur Karriere in unserer Gruppe."

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