Montag, 22. April 2019

Aufstand gegen IHK-System "Wir wollen eine unabhängige Gebührenkommission für alle Kammern"

Handelskammer Hamburg: Kurzer, intensiver und erfolgreicher Wahlkampf

Im Januar preschte Tobias Bergmann auf manager magazin online mit seinen Reformideen für das System der Industrie- und Handelskammern vor: Abschaffung der Zwangsbeiträge, Transparenz über Finanzreserven und auch das Gehalt des Hauptgeschäftsführers. In Hamburg hat er das Mandat zur Radikalkur bekommen - jetzt will er das IHK-System deutschlandweit sprengen.

Es war ein kurzer, intensiver - und am Ende höchst erfolgreicher - Wahlkampf. Tobias Bergmann hat zwölf Kandidaten in das 56-köpfige Plenum der Hamburger Handelskammer durchgebracht. Der 42-jährige Sprecher der Kammer-Rebellen selbst hat das drittbeste Ergebnis aller Kandidaten erzielt.

Jetzt will der Gründer und Gesellschafter der Unternehmensberatung Nordlicht Management Consultants bislang Ungeheuerliches durchsetzen: Abschaffung der Zwangsbeiträge in der alten Form, Transparenz unter anderem auch über das Gehalt des Hauptgeschäftsführers.

Bergmann berichtet von Zuspruch aus der ganzen Republik - weshalb der Bayer mit seiner Initiative nun auch nach Berlin weiterziehen will.

manager magazin: Ist Dein Problem jetzt nicht, dass Du gefühlt der große Sieger bist, die Mehrheit im Plenum aber bei weitem nicht hast?

Bergmann: Wir wollen die Kammer reformieren, wir wollten sie nicht kapern. Deshalb sind wir nicht flächendeckend mit Kandidaten angetreten und sind mehr als glücklich mit genau diesem Wahlergebnis. Jetzt erwarten und hoffen wir, dass sich unsere Kolleginnen und Kollegen im Plenum ernsthaft mit unseren Forderungen auseinandersetzen. Die Hamburger Unternehmerschaft wird das in den nächsten Jahren aufmerksam beobachten. Ich denke nicht, dass wir erst in drei Jahren mit so vielen Kandidaten antreten müssen, dass wir mit Macht eine Mehrheit für unsere Forderungen herstellen werden.

mm: Ein Bayer mischt Hamburg auf. Hast Du da nicht Sorge, dass Du im Plenum mit Deinen radikalen Forderungen auf Granit beißt?

Bergmann: Unsere Forderungen mögen für die "Kammerwelt" radikal sein, für eine Mitgliedsorganisation im Jahr 2014 sind sie "state of the art". Und was mit Mitgliedsorganisationen passiert, die sich arrogant gegen Wandel sperren, erleben wir zur Zeit beim ADAC. Im Plenum der Handelskammer Hamburg sind erfolgreiche Unternehmer, die wissen genau, was eine moderne Organisation erfordert. Deshalb erwarte ich kein Granit. Und die Hamburger wissen sehr genau, dass Menschen, die im Süden geboren sind, sehr wertvoll für die Stadt sein können: Der letzte Meistertrainer einer Hamburger Fußballmannschaft war meines Wissen Österreicher.

mm: In den Wahlkampf bist Du mit dem Slogan gezogen: We want our money back. Kannst Du inzwischen genauer sagen wieviel?

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