Donnerstag, 5. Dezember 2019

Deutsche Bahn Arriva an die Börse - Bahnchef Lutz greift zu Plan B

Bahn-Chef Richard Lutz: "Auf jeden Fall 2020 mit Arriva in den Börsengang gehen"

Die Deutsche Bahn will ihre Konzerntochter Arriva im nächsten Jahr an die Börse bringen. Das kündigte Bahnchef Richard Lutz am Mittwoch an. Möglichst von Mai an solle ein Minderheitsanteil angeboten werden, über eine Zeitraum von drei Jahren dann die übrigen Aktien. "Wir wollen auf jeden Fall nächstes Jahr in den Börsengang gehen und dann etwas gestreckter verkaufen", sagte Lutz.

Arriva betreibt Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern. Eigentlich sollte die Tochter direkt an einen Investor verkauft werden. Das Geschäft sollte Milliarden Euro für die Eisenbahn in Deutschland einbringen. Das gelang jedoch nicht, nun greift Plan B der Börsengang.

Lutz kündigte außerdem an, im nächsten Jahr über eine Anleihe bis zu drei Milliarden Euro einzusammeln. Die Deutsche Bahn ist hoch verschuldet, will aber massiv investieren.

Der erfolglose Versuch, Arriva an einen Investor zu verkaufen, hatte zu einer Führungskrise bei der Deutschen Bahn sowie zu dem erzwungenen Abgang von Finanzchef Alexander Doll geführt. Nachfolger von Doll soll Levin Holle, derzeit Abteilungsleiter im Finanzministerium, werden.

Verkehrsminister Scheuer wolle nach dem Abgang des bisherigen Finanzvorstands Doll keine "langwierige Leerstelle" im Vorstand der Deutschen Bahn. Holle sei bestens geeignet für den Posten, hieß es in den Kreisen. Bahn-Aufsichtsratschef Michael Odenwald und der Aufsichtsrat sollen den Vorschlag machen, wie es hieß. Das Kontrollgremium tagt regulär wieder am 11. Dezember.

Erst kürzlich hatte das Kontrollgremium den Auflösungsvertrag mit dem bisherigen Bahn-Finanzchef gebilligt, auf den sich Doll zuvor eingelassen hatte. Die Bahn-Buddies Lutz und Scheuer waren damit ihren CFO los.

Bahn braucht dringend Erlöse - hohe Verschuldung

Die Bahn-Tochter Arriva betreibt mit 53.000 Beschäftigten Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern. Ihr Verkauf sollte bis zu vier Milliarden Euro bringen - die Angebote lagen nach Bahnangaben aber deutlich darunter.

Die Deutsche Bahn ist hoch verschuldet und hat daneben weitere große Probleme. Jeder vierte Fernzug kommt zu spät, viele Gleise und Brücken sind marode. Der Vorstand hat Gegenmaßnahmen eingeleitet. Der Bund will die klimafreundlichere Bahn in den kommenden Jahren mit zusätzlichen Mitteln in Milliardenhöhe stärken, damit mehr Menschen vom Auto oder dem Flieger auf die Schiene umsteigen.

la/dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung