Freitag, 29. Mai 2020

Ausblick positiv, aber: Korruptions-Strafe brockt Airbus Milliardenverlust ein

Eine milliardenhohe Strafzahlung und Sonderbelastungen durch den Militärtransporter A400M (Bild) brocken Airbus unter dem Strich für 2019 einen MIillliardenverlust ein.
Christophe Gateau/ DPA
Eine milliardenhohe Strafzahlung und Sonderbelastungen durch den Militärtransporter A400M (Bild) brocken Airbus unter dem Strich für 2019 einen MIillliardenverlust ein.

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus hat im vergangenen Jahr dem Korruptionsskandal Tribut gezollt und einen Verlust von 1,36 Milliarden Euro eingefahren. Ein Jahr zuvor standen noch mehr als drei Milliarden Euro Gewinn zu Buche. Anlegern gefiel die Nachricht überhaupt nicht: Vorbörslich gab die Aktie von Airbus Börsen-Chart zeigen um 3,6 Prozent auf 131,80 Euro nach.

Mit Strafzahlungen von 3,6 Milliarden Euro hatte sich das französisch-deutsche Unternehmen kürzlich aus der Affäre um Bestechungen beim Flugzeugverkauf freigekauft, die den Konzern jahrelang beschäftigt hatte.

Wegen zunehmend schlechter Exportaussichten für den Militärtransporter A400M verbuchte Airbus Sonderbelastungen von 1,2 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Eine Ursache sei das Verbot von Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien. Der US-Rivale Boeing war zuletzt wegen des Flugverbots für die 737 MAX ebenfalls mit rund 640 Millionen Dollar in die roten Zahlen gerutscht, nachdem er im Vorjahr noch einen Gewinn von fast 10,5 Milliarden Dollar verbucht hatte.

Dividende steigt trotz Milliardenverlust, Ausblick optimistisch

Die Airbus-Aktionäre sollen trotz des Verlusts eine auf 1,80 (Vorjahr: 1,65) Euro erhöhte Dividende bekommen. Das um die genannten Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis stieg um 19 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um elf Prozent auf 70,5 Milliarden zu.

Für 2020 rechnet Airbus mit einer weiteren Steigerung des bereinigten Betriebsgewinns auf 7,5 Milliarden Euro. Abhängig sei dies allerdings davon, dass Weltwirtschaft und Luftverkehr gemäß den Erwartungen wüchsen und es zu keinen größeren Turbulenzen durch die Ausbreitung des Coronavirus oder den Zollstreit komme.

Für 2020 strebt Airbus die Auslieferung von rund 880 Zivilflugzeugen an. Dies wäre eine weitere Steigerung gegenüber dem Rekord von 863 Maschinen 2019, darunter 642 Flugzeuge der A320-Familie, wie das Unternehmen mitteilte. Der Konzern lote gemeinsam mit seinen Zulieferern einen weiteren Hochlauf des A320-Programms über die monatliche Produktionsrate von 63 Maschinen hinaus aus. Die Zahl der Nettobestellungen für Zivilflugzeuge sei im vergangenen Jahr auf 768 gestiegen, 21 mehr als im Vorjahr, teilte der Konzern mit. Ende 2019 habe der Auftragsbestand damit bei 7.482 Maschinen gelegen.

Rüstungssparte hat zu kämpfen

Probleme gibt es bei der Rüstungssparte Airbus Defence and Space. Deren Umsatz blieb zwar weitgehend stabil, das bereinigte Betriebsergebnis sank jedoch auf 565 Millionen Euro nach 935 Millionen Euro im Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte. Ursachen seien schwächere Ergebnisse auf dem Raumfahrtmarkt und Aufwendungen für Vertriebskampagnen. Die Sparte plant ein Restrukturierungsprogramm, bei dem es auch zum Stellenabbau kommen könnte.

Ein Sorgenkind bleibt der Militärtransporter A400M. "Wenngleich die Neuausrichtung des A400M-Programms abgeschlossen ist und deutliche Fortschritte hinsichtlich der technischen Fähigkeiten erzielt werden konnten, gestalten sich die Exportaussichten in der aktuellen Anlaufphase immer schwieriger", erklärte der Konzern. Dies gelte besonders wegen des anhaltenden deutschen Ausfuhrverbots für Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien.

rei/Reuters

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung