Abwicklung der Arag Leben genehmigt Noch ein Lebensversicherer weniger ...

Ein weiterer Lebensversicherer verschwindet still und leise vom Markt. Die Arag hat das Neugeschäft bereits eingestellt. Mit dem jetzt genehmigten Verkauf an die Frankfurter Leben werden 322.000 Verträge abgewickelt
Arag-Zentrale in Düsseldorf: Der Versicherer will sich auf das Geschäft mit Sach-, Kranken- und Rechtsschutzpolicen beschränken

Arag-Zentrale in Düsseldorf: Der Versicherer will sich auf das Geschäft mit Sach-, Kranken- und Rechtsschutzpolicen beschränken

Foto: DPA

Der Verkauf der Arag-Lebensversicherung an einen professionellen Abwickler ist perfekt. Die Versicherungsaufsicht Bafin habe die Übertragung der 322.000 Arag-Policen und der zugehörigen rund 2,8 Milliarden Euro an Kapitalanlagen auf die Frankfurter Leben genehmigt, teilten der Versicherer  und der neue Eigentümer  am Donnerstag mit.

Die Düsseldorfer Arag hatte beschlossen, das Neugeschäft in der Lebensversicherung einzustellen und sich auf das Sach- und Rechtsschutzgeschäfte zu konzentrieren. Arag Leben wird in Frankfurt Münchener Lebensversicherung umbenannt. Insgesamt sind damit bereits fünf deutsche Lebensversicherungsgesellschaften in Abwicklung.

Mit den Policen wechseln auch 120 Beschäftigte ihren Arbeitgeber. 80 weitere Mitarbeiter der ARAG Lebensversicherung seien innerhalb des Konzerns untergekommen, sagt Sprecher Klaus Heiermann im Gespräch mit manager-magazin.de. Betriebsbedingte Kündigungen habe es nicht gegeben.

"Konnten den Bestand nicht so schnell drehen wie gewünscht"

Hinter der Frankfurter Leben stecken der chinesische Investor Fosun und die BHF-Bank, die zuvor schon die Basler Leben in Deutschland übernommen hatte. Insgesamt verwaltet sie nun 450.000 Verträge und rund fünf Milliarden Euro Kapitalanlagen. Dem konkurrierenden Abwickler Viridium (ehemals Heidelberger Leben) gehören drei Leben-Bestände.

Niedrige Zinsen und eine schärfere Regulierung erschweren es den Lebensversicherern, die hohen Renditeversprechen der Vergangenheit von bis zu 4 Prozent auf den Sparanteil zu erwirtschaften. Um den Druck zu lindern, stellte die ARAG schon im Jahr 2005 und damit vergleichsweise früh ihr Geschäft mit Lebensversicherungen auf Fondspolicen um. Für diese Verträge, wo der Kunde großteils das Kapitalmarktrisiko selbst trägt, müssen die Anbieter weniger Reserven bilden als bei Policen mit lebenslangen Garantien.

"Wir konnten den Bestand aber nicht so schnell drehen wie erwünscht", sagt ARAG-Sprecher Klaus Heiermann im Gespräch mit manager-magazin.de. Mit anderen Worten: Auch zuletzt machten die klassischen Policen noch 90 Prozent der Deckungsrückstellungen des Lebensversicherers aus.

"Kein Verkauf aus der Not heraus"

2016 gaben die Beitragseinnahmen der Leben-Sparte auf 214 Millionen Euro leicht nach - etwa knapp ein Achtel der gesamten Beitragseinnahmen des Konzerns. Das Jahr hatte die Sparte laut Konzernbericht  mit einem Verlust von rund 9 Millionen Euro abgeschlossen. Kein Ergebnis, das ARAG-Konzernvorstand Paul-Otto Faßbender hätte schlaflose Nächte bereiten müssen, zumal es in den Vorjahren besser lief.

Der Verkauf an die Frankfurter Leben sei "definitiv nicht aus der Not heraus" entstanden, bekräftigt Heiermann im Gespräch mit manager-magazin.de. Doch profitables Wachstum ist im Geschäft mit Lebensversicherungen als kleiner Anbieter in Deutschland kaum noch möglich.

Wachstum verspricht sich der mittelständische Versicherer in Privatbesitz vor allem im Rechtsschutzbereich und dort vor allem in den USA. Hier erwartet das Unternehmen nach jüngsten Aussagen Beitragssprünge von 10 Prozent jährlich. In nahezu allen US-Bundesstaaten habe die ARAG mittlerweile die Zulassung für dieses Geschäft erhalten.

Für die Lebensversicherungspolicen soll die ARAG einen zweistelligen Millionenbetrag erhalten haben, heißt es unter Insidern im Markt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Mitunter komme es auch vor, dass Versicherer sogar noch Geld drauflegen müssen, damit Abwickler wie die Frankfurter Leben die Bestände eines Lebensversicherers übernehmen. Heiermann wollte sich weder dazu noch zur Höhe eines möglichen Verkaufserlöses äußern.

Fitch: Run-off-Volumen dürfte auf 150 Milliarden Euro steigen

Klar ist aber, die ARAG dürfte nicht der einzige Versicherer bleiben, der sein Lebensversicherungsgeschäft oder Teile davon abgibt. Die Ratingexperten von Fitch erwarten, dass in den kommenden fünf Jahren immer mehr deutsche Lebensversicherer ihre Bestände oder Teile davon abwickeln und zugleich das Neugeschäft einstellen werden. Bis zum Jahr 2022 könnte das Run-off-Volumen von heute 90 Milliarden Euro auf dann 150 Milliarden Euro zulegen.

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Dabei dürften auch immer mehr externe Run-off-Plattformen ins Spiel kommen. Spezielle Anbieter wie Viridium, Frankfurter Leben, Athene oder Protektor verwalten hier derzeit ein Volumen von 25 Milliarden Euro.

Erst Anfang Mai hatte die Branche ihren ersten Insolvenzfall auf diese Weise endgültig zu den Akten gelegt. 100.000 verbliebene Verträge der ehemaligen Mannheimer Leben sollten bis Mitte des Jahres an den Abwickler Viridium abgegeben werden, teilte die Auffanggesellschaft Protektor mit. Die Bafin hatte die Übertragung des Bestands ebenfalls genehmigt.

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