Starker Dollar Warum Apple mit 18 Milliarden Dollar Quartalsgewinn noch unzufrieden ist

Der Dollar steigt und steigt - und bereitet Amerikas Industrie zunehmend Probleme. Selbst Apple beginnt trotz des größten Rekordgewinns der Geschichte zu klagen. Der Druck auf die Zentralbank Federal Reserve wächst, den Abschied von Nullzinsen weiter zu verschieben.
Apple-Logo in New York: "Unsere Ergebnisse hätten noch viel besser ausfallen können"

Apple-Logo in New York: "Unsere Ergebnisse hätten noch viel besser ausfallen können"

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Hamburg - Das nennt man wohl Jammern auf hohem Niveau. Gerade hat Apple einen Gewinn von 18 Milliarden Dollar im abgelaufenen Quartal bekanntgegeben und damit den bisherigen Weltrekord von Gazprom aus dem Jahr 2011 geschlagen. Da mäkelt Konzernchef Tim Cook: "Ohne die heftigen Währungsschwankungen hätten unsere Ergebnisse noch viel besser ausfallen können."

Amerikas Konzerne erleben das Gegenteil der vom weichen Euro  ausgehenden Exporthilfe für die europäische Wirtschaft. Seit dem Sommer wertet der Dollar dramatisch auf - nicht nur im Vergleich zum Euro, sondern in gleichem Maße auch zum mexikanischen Peso, dem kanadischen oder dem australischen Dollar; noch stärker ist das Plus gegenüber brasilianischem Real, japanischem Yen oder schwedischer Krone, ganz zu schweigen vom russischen Rubel.

Der Wertgewinn der US-Währung ist die wohl stärkste Kraft in den aktuellen Turbulenzen der Weltwirtschaft. Für US-Firmen bedeutet er, dass in der Heimat anfallende Kosten stärker zu Buche schlagen, Exporte in den Rest der Welt sich verteuern, die ausländischen Wettbewerber hingegen ihre Preise unterbieten können. Außerdem wird im Ausland verdientes Geld bei der Umrechnung in Dollar für die Bilanz weniger.

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Apple  hält seine gewaltigen Cash-Reserven, die sich aus Gewinnen im internationalen Geschäft speisen, außerhalb der USA, um sie nicht versteuern zu müssen. Dieser Geldberg wächst zwar weiter, verliert aber relativ gesehen an Wert. Und die Erlöse für den rasenden Absatz von iPhones in Europa, Lateinamerika oder Asien erlauben zwar immer noch hohe Margen, halten aber nicht mit den zum Großteil in den USA anfallenden Kosten Schritt. In dieser Hinsicht hilft auch die Produktionsbasis bei chinesischen Zulieferern wenig, denn die chinesische Währung bleibt als eine der wenigen in der Welt auf Augenhöhe mit dem Dollar.

Bisher sei der Effekt noch gering, beruhigt Apple-Finanzvorstand Luca Maestri. Denn der Konzern habe sich finanziell gegen Wechselkursrisiken abgesichert. Mit gewaltigem Aufwand: Zum Jahresende beliefen sich diese Sicherungsgeschäfte auf mehr als 80 Milliarden Dollar. Und weil sie in der Regel nach drei bis zwölf Monaten auslaufen, muss Apple diese Deals nun zu aktuellen Kursen mit dem teuren Dollar erneuern. Für das laufende Quartal beziffert der Konzern die Belastung mit 5 Prozent des Umsatzes.

Doch noch keine Zeit für die Zinswende

Apple geht es aber tatsächlich noch wesentlich besser als anderen US-Konzernen. Das "Wall Street Journal" hat mehrere Stimmen eines Klagechors zusammengetragen (€) . Vom Konsumgüterriesen Procter & Gamble  über den Softwarekonzern Microsoft (Kurswerte anzeigen) bis zum Pharmamulti Pfizer  - der starke Dollar verhagelt die Quartalsbilanzen und drückt die Börsenkurse.

Dramatisch ist der Wettbewerbsnachteil für genau solche Unternehmen, auf die Amerika nach der Finanzblase seine Zukunft bauen wollte: exportstarke Investitionsgüterhersteller wie den Maschinenbauer Caterpillar , dem wegen der Flaute am Rohstoffmarkt ohnehin schon die Nachfrage wegbricht. "Der steigende Dollar wird nicht gut für die US-Industrie oder unsere Wirtschaft sein", urteilt Konzernchef Doug Oberhelman.

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Vergleichbar mit den Sorgen der Schweizer Kollegen ist der Nachteil für "Made in USA" noch nicht. Aber er zeigt sich bereits in der Statistik. Wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte, senkten die Unternehmen ihre Investitionen in vier der vergangenen fünf Monate - eine überraschende Schwäche im ansonsten soliden weltweit beneideten Aufschwung, der vor allem vom Konsum getragen wird.

Die neuen Daten durchkreuzen den Plan der Zentralbank Federal Reserve. Die hatte den Markt seit einer Weile darauf vorbereitet, dass noch in der ersten Jahreshälfte Schluss sei mit Nullzinsen zur Stützung der Wirtschaft. Doch Fed-Präsidentin Janet Yellen war ohnehin nicht ganz überzeugt von der Erholung am Arbeitsmarkt, zugleich ist die Inflation auch in den USA zu niedrig und nun geben die "weltwirtschaftlichen Risiken", da sie auf die heimische Konjunktur durchschlagen, ihr weiteren Grund zum Abwarten.

Inzwischen wettet am Finanzmarkt kaum noch jemand, dass im Juni die erste Zinserhöhung seit neun Jahren anstehe. Die Ökonomen der Investmentbank Morgan Stanley verschieben dieses Datum nun auf März 2016. Das könnte in Erwartung steigender Zinsen nach Amerika geströmtes Kapital wieder abschrecken - und so den Dollar schwächen, auf eine sanftere Art als ein globaler Währungskrieg, vor dem die deutschen Exporteure warnen.

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