Keine Strafzölle auf iPhones? Wie CEO Cook Apple durch den globalen Handelsstreit lenkt

Zwischen den Fronten: Apple-CEO Cook zwischen US-Präsident Trump (l.) und Chinas Staatspräsident Xi

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Im Handelsstreit zwischen den USA und China wird der Ton immer rüder und die Drohungen immer schärfer - und kaum ein Unternehmen dürfte das Treiben mit so großer Sorge verfolgen wie Apple. Der nach Börsenwert wertvollste Konzern der Welt, da sind sich viele Beobachter einig, ist zumindest unter den großen Tech-Firmen der USA derjenige, für den bei dem Handelskonflikt am meisten auf dem Spiel steht.

Warum das so ist, zeigt schon ein Blick auf Apples Geschäftszahlen: Von den rund 229 Milliarden Dollar, die der iPhone-Bauer im Geschäftsjahr 2017 weltweit umsetzte, kamen Berichten zufolge bereits 40 bis 50 Milliarden Dollar aus dem wirtschaftlich rasant wachsenden chinesischen Raum - mithin also mehr als 20 Prozent. Der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino betreibt in der Volksrepublik inzwischen etwa 40 Läden. Mit allein 41 Millionen verkauften iPhones war Apple im Jahr 2017 der fünftgrößte Player auf dem chinesischen Smartphone-Markt, so der US-Sender CNBC .

Zudem bietet Apple auch seine Services wie den App Store sowie Apple Music, die einen immer größeren Anteil am Unternehmenserfolg haben, in China an. Dabei unterwirft sich das Unternehmen explizit den Zensurregeln Pekings, warf beispielsweise Apps wie jene der "New York Times" in der Volksrepublik aus seinem Angebot.

Nicht zu vergessen: China hat für Apple auch eine immense Bedeutung als Produktionsstandort. Zahlreiche Zulieferer - allen voran das taiwanesische Unternehmen Foxconn - produzieren dort für den US-Konzern.

Die Gefahr, zwischen den Fronten des Handelskrieges Schaden zu nehmen, ist für Apple also groß. Schon vor seiner Wahl zum US-Präsidenten hatte Donald Trump kaum eine Gelegenheit ausgelassen, verbal gegen den iPhone-Bauer zu schießen. Er werde Apple zwingen, seine Smartphones statt in China künftig in den USA herzustellen, damit amerikanische Arbeitnehmer davon profitieren könnten, sagte Trump seinerzeit regelmäßig in seinen Wahlkampfreden.

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Auf der anderen Seite könnte die chinesische Führung Apple im Handelsstreit mit Trump quasi in Geiselhaft nehmen. Von der Störung von Lieferketten bis hin zu langwierigen bürokratischen Hürden erscheint an Spielarten der Drangsalierung vieles denkbar. Zu Zeiten des US-Präsidenten Barack Obama bekam Apple schon einmal einen Eindruck von den chinesischen Methoden. Seinerzeit gingen die USA gegen angebliche chinesische Hacker vor - Monate später verzögerten Chinas Behörden die Zulassung des iPhone 6 wegen angeblicher Sicherheitsbedenken.

Der US-Autobauer Ford etwa bekommt gegenwärtig offenbar ähnliches zu spüren: Fahrzeuge des Unternehmens stehen Berichten zufolge  bemerkenswert lange in chinesischen Häfen und warten darauf, weitertransportiert zu werden. Auch die Tatsache, dass Washington zuletzt den Verkauf von Smartphones des chinesischen Herstellers Huawei in den USA erschwerte , dürfte die Sache für Apple nicht gerade leichter machen.

Kein Wunder also, dass Apple-CEO Tim Cook seit Monaten alles daran setzt, auf beiden Seiten des Pazifiks für Schönwetter zu sorgen. Laut "New York Times " hielt sich Cook zuletzt mehrfach in China auf, nahm an bedeutenden Veranstaltungen teil und traf sich mit höchsten politischen Kreisen. In Washington hatte der Nachfolger von Apple-Mitgründer und Kultfigur Steve Jobs zudem Meetings mit einer ganzen Reihe politischer Größen, von Finanzminister Steven Mnuchin über Handelsminister Wilbur Ross bis hin zu Präsident Trump persönlich sowie dessen Wirtschaftsberater Larry Kudlow.

Dabei ließ Cook offenbar keine Gelegenheit aus, der Regierung Trump Honig um den Mund zu schmieren. Der Apple-Chef habe die Steuerreform des Präsidenten gelobt und milliardenschwere Investitionen seines Konzerns in den USA in Aussicht gestellt, zitiert die "New York Times " informierte Kreise. Er habe allerdings auch sein Unbehagen beim Thema Handelskonflikt sowie Strafzölle zum Ausdruck gebracht.

Der Konflikt zwischen den USA und China hatte zuletzt erheblich an Fahrt aufgenommen. Nachdem US-Präsident Trump bereits Strafzölle auf chinesische Waren im Volumen von 50 Milliarden Dollar angeordnet hatte, kündigte er in dieser Woche zusätzliche Abgaben auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar an. Peking sprach daraufhin von Erpressung seitens der USA und kündigte Gegenmaßnahmen an.

Vor dem Hintergrund könnte Apple-Chef Cook nun ein wichtiger Teilerfolg gelungen sein: Wie die "New York Times " berichtet, erhielt der CEO von der Trump-Regierung zuletzt die Zusage, dass auf iPhones keine Strafzölle erhoben werden sollen.

Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es zwar nicht, und Trump-Berater Peter Navarro sagte laut Nachrichtenagentur Bloomberg bereits, er wisse nichts von einer solchen Ausnahme. Sollte die Information der "Times" jedoch stimmen, so wäre es Cook - vermutlich mit wirtschaftlichen Versprechungen - offenbar tatsächlich gelungen, Trump von seinem bisherigen Anti-Apple-Kurs abzubringen. Ein seltener Erfolg für einen Diplomaten in diesen Zeiten im Weißen Haus.