Samstag, 21. September 2019

Zustand in chinesischen Fabriken Apple und Foxconn räumen Verstoß gegen Arbeitsregeln ein

Besuch vor Ort: Apple-Chef Tim Cook in einer Foxconn-Fabrik in China

Apple und sein chinesischer Zulieferer Foxconn haben eingeräumt, in China zu viele Zeitarbeiter beschäftigt und auch gegen andere Arbeitsregeln verstoßen zu haben. Die Organisation China Labour Watch beschuldigte die Firmen in einem Bericht, dass die Belegschaft der iPhone-Fabrik in der chinesischen Stadt Zhengzhou im August zu etwa 50 Prozent aus temporären Arbeitskräften bestand. Nach chinesischem Recht sind nur 10 Prozent zulässig.

"Wir können bestätigen, dass bei einer kürzlich durchgeführten Überprüfung unserer Geschäftstätigkeit in unserem Werk in Zhengzhou einige Probleme mit der Einhaltung von Vorschriften durch die Belegschaft festgestellt wurden", teilte Foxconn am Montag mit. Dabei seien Beweise dafür gefunden worden, dass der Einsatz von Leiharbeitern und die Anzahl der Überstunden von Mitarbeitern, "nicht mit den Unternehmensrichtlinien entsprachen".

Auch Apple bestätigte am Montag, dass Standards nicht eingehalten wurden. Der Konzern wolle eng mit Foxconn zusammenarbeiten, um die Probleme zu beheben.

China Labour Watch hatte am Montag einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, in dem die beiden Unternehmen des Verstoßes gegen zahlreiche chinesische Arbeitsgesetze beschuldigt wurden. So räumte Apple überdies ein, Praktikanten in einem Zulieferbetrieb hätten nachts Überstunden geleistet und damit gegen die Unternehmensrichtlinien verstoßen. "Dieses Problem wurde behoben", teilte Apple laut einem englischsprachigen Reuters-Bericht mit. Die Praktikanten sollen laut Apple die Überstunden aber freiwillig geleistet haben und dafür auch bezahlt worden sein.

Apples Abhängigkeit von China wächst

Apple lässt nicht zuletzt aus Kostengründen in China fertigen und läuft nach einer Reuters-Analyse dabei Gefahr, immer abhängiger von dortigen Produktionskapazitäten zu werden.

Reuters hatte kürzlich die Angaben des US-Konzerns zu seinen Lieferketten in den vergangenen fünf Jahren genauer unter die Lupe genommen. Demzufolge waren 2015 knapp 45 Prozent der Apple-Zulieferer in der Volksrepublik ansässig - die Firmen also, die Bauteile wie Glas, Alu-Gehäuse, Kabel und Elektronik-Bauteile bereitstellen. Im laufenden Jahr stieg der Anteil dieser Firmen auf knapp 48 Prozent. Auch die Zahl der Standorte von Auftragnehmern wie Foxconn oder Pegatron nahm zu, bei Foxconn etwa von 19 Standorten im Jahr 2015 bis 29 in diesem Jahr.

Außerhalb Chinas "gibt es wenige Orte auf der Welt mit einer Infrastruktur, um jeden Tag 600.000 Smartphones zu bauen", zitiert Reuters Dave Evans, den Chef des Lieferketten-Unternehmens Fictiv mit Sitz in San Francisco. Zudem erlaubt die Dichte der Zulieferer in China die Fertigung von Millionen von Geräten im Jahr bei nur geringen Lagerbeständen.

rei mit Nachrichtenagenturen

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