Dienstag, 26. Mai 2020

Lieferkettenprobleme und Reisebeschränkungen Coronavirus bremst nach Apple jetzt auch Microsoft aus

Die Windows-Sparte "More personal computing", zu der unter anderem die Produkte Windows, Surface, Xbox und Bing gehören, wird ihre erwarteten Umsätze wohl nicht liefern

Jetzt auch Microsoft Börsen-Chart zeigen - große US-Technologiekonzerne bekommen wegen des Coronavirus zusehends Probleme. Empfindlich gestörte Lieferketten, Reisebeschränkungen und nicht voll produktionsfähige Fabriken verhageln den Konzernen zum Teil die Geschäftserwartungen.

So musste Microsoft am Mittwochabend nach Börsenschluss gestern eine Umsatzwarnung für seine PC-Sparte ausgegeben. Das Unternehmen gehe nicht mehr davon aus, die Prognose für die Sparten-Erlöse im dritten Quartal zu erreichen, teilte der US-Techologieriese am Mittwoch nach Börsenschluss mit.

Grund sei, dass die Lieferketten langsamer als erwartet zum Normalbetrieb zurückkehrten. Microsoft hatte ursprünglich 10,75 bis 11,15 Milliarden Dollar Umsatz angepeilt. Eine neue Schätzung für die Sparte nannte Microsoft zunächst nicht.

Die PC-Sparte von Microsoft umfasst etwa die Windows-Betriebssysteme und Hardware-Produkte wie Surface-Laptops und -Tablets sowie die Spielekonsole Xbox und dazugehörige Artikel. Das Unternehmen betonte in seiner Mitteilung, dass die Windows-Nachfrage weiterhin hoch sei. Der Ausblick für alle anderen Geschäftsbereiche bleibe unverändert.

Start des neuen iPhone wohl nicht mehr zu halten

Auch Apple, das einen Großteil seiner Handy in China produzieren lässt, hatte vergangene Woche eine Umsatzwarnung herausgegeben. Jetzt droht sich der Start des neuen iPhones zu verschieben. Das war bereits vor Wochen befürchtet worden, doch jetzt zeichnen die Probleme offenbar konkret ab:

Infolge von Reisebeschränkungen nach China könnten Apple-Experten derzeit nicht an der neuen iPhone-Generation arbeiten, sagten ehemalige Mitarbeiter und Supply-Chain-Experten am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Der Start des günstigeren iPhones werde sich wohl verschieben.

In den ersten Monaten des Jahres vor dem großen Produktionsstart im Sommer würden in China bei Zulieferern wie Foxconn die Montageprozesse für die neuen Modelle festgelegt und letzte Fehler ausgebügelt, so zwei ehemalige Apple-Mitarbeiter. Obwohl Apple zwar auch mit anderen Herstellern wie Wistron zusammenarbeitet, würde die Einführung neuer Geräte generell bei Foxconn gehandhabt, weil das Unternehmen am fortschrittlichsten sei, sagten Supply-Chain-Experten.

Foxconn, der weltgrößte Hersteller von Auftragselektronik, musste die Wiedereröffnung wichtiger iPhone-Fabriken in Shenzhen und Zhengzhou nach dem Mondneujahrsfest infolge des Coronavirus verzögern. Das Unternehmen gehe davon aus, bis Ende Februar die Hälfte seiner chinesischen Produktion wieder aufnehmen zu können.

Apple-Fabriken von Foxconn können noch nicht voll arbeiten

Foxconn gab jetzt in einer E-Mail bekannt, dass das Unternehmen alle gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheits- und Sicherheitspraktiken in seinen Fabriken befolge, um das Wohlergehen der Mitarbeiter zu schützen.

"In Übereinstimmung damit verfolgen wir einen vorsichtigen Ansatz bei der Umsetzung unserer Produktionspläne nach dem Urlaub in jedem unserer Standorte in China", so der Apple-Zulieferer. Apple lehnte einen Kommentar zunächst ab.

Die Produktion des Niedrigpreismodells sollte früheren Berichten zufolge spätestens in der dritten Februar-Woche beginnen. Apples neues Gerät soll den Verkauf in den Schwellenländern ankurbeln und dürfte auch der Erkenntnis geschuldet sein, dass die hochpreisigen Smartphones von Apple Käuferschichten zusehends abschreckten.

Vergangene Woche hatte Apple die Anleger mit einer Umsatzwarnung verschreckt: Wegen der Coronavirus-Epidemie in China rechnet der Smartphone-Hersteller nicht mehr damit, seine Umsatzziele für das laufende Quartal erreichen zu können und geht davon aus, dass die weltweiten iPhone-Lieferungen begrenzt würden, da die Standorte in China die Produktion nicht wie erwartet schnell wieder hochfahren.

rei/dpa/Reuters

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