Montag, 24. Februar 2020

Apple-Einkaufschef Tony Blevins Der Blevinator - dieser Mann sorgt für Apples Erfolgszahlen

Tony Blevins im November 2018 an seiner Alma mater, der North Carolina State University
Robert Lasson / North Carolina State University
Tony Blevins im November 2018 an seiner Alma mater, der North Carolina State University

Apple hat es wieder geschafft. Die Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal markieren einen neuen Rekord, der den Börsenwert von inzwischen 1,4 Billionen Dollar nicht mehr ganz so luftig aussehen lässt. Dafür sorgt zum einen, dass der Konzern wieder mehr (oder teurere) Smartphones verkauft. Noch wichtiger aber: Der Gewinn steigt noch schneller als der Umsatz, auf 22,2 Milliarden Dollar in nur drei Monaten.

Woher kommt der Erfolg dieser Gewinnmaschine? Dem "Wall Street Journal" zufolge geht ein großer Teil auf das Konto eines Manns namens Tony Blevins, der als Vizepräsident des Konzerns für den Einkauf zuständig ist. Der 52-Jährige stehe im Zentrum des Geschäftsmodells, mit radikal gedrückten Kosten immer mehr Profit aus der Marktmacht zu schlagen, die auf Produktinnovationen der Vergangenheit beruht. Das Blatt kontrastiert Blevins direkt mit dem früheren Stardesigner Jony Ive, der lange Apples Identität verkörperte und den Konzern im vergangenen Jahr verließ.

Von Blevins sind keine visionären Auftritte überliefert, überhaupt kommt er - in der formellen Hierarchie unterhalb des Vorstands angesiedelt - kaum in der Öffentlichkeit vor. Er sei als "Blevinator" bekannt, steht in dem Porträt. Bekannt ist jedoch deutlich übertrieben.

Rabiater Umgang mit Lieferanten - Vergleich mit dem "Würger von Wolfsburg"

Umso interessanter sind die schillernden Details, die vor allem vom rabiaten Umgang Blevins' mit Lieferanten handeln. Mal habe er einen Großauftrag an UPS abgesagt, indem er einen FedEx-Boten schickte. Wiederholt habe er Bieterrunden mit mehreren Herstellern in einem Hotel organisiert, um Apples Marktmacht zu unterstreichen und das günstigste Angebot zu erzwingen.

Vieles erinnert an José Ignácio Lopez, der sich in den 90er Jahren bei Volkswagen einen Namen als "Würger von Wolfsburg" machte. Ein früherer Apple-Kollege vergleicht das Vorgehen mit den Plünderungen der Wikinger. Gute Beziehungen zwischen Einkäufern und Lieferanten seien unter Blevins ausdrücklich unerwünscht. "Es ist wie Schafe zu töten, anstatt sie zu scheren."

Selbst Riesen wie Qualcomm leiden unter Blevins Kostenpeitsche

Manche Zulieferer seien zur Geschäftsaufgabe gezwungen worden, weil Blevins sie im Ringen um Rabatte hängen ließ, schreibt das "Journal". Selbst ein Gigant wie der Chiphersteller Qualcomm habe zeitweise wegen Streit mit Apple ein Viertel seines Börsenwerts eingebüßt und Personal entlassen müssen. Der Streit ging vor Gericht, weshalb einige von Blevins' Methoden nun aktenkundig sind. Demnach soll der Apple-Manager die Lieferanten angewiesen haben, keine Lizenzgebühren mehr an Qualcomm für Smartphone-Modems zu überweisen - insgesamt acht Milliarden Dollar.

"Ich weiß, was im Vertrag steht, aber im Geist der Partnerschaft sollten Sie uns mehr geben", soll Blevins den Anspruch auf Rabatte gegenüber Qualcomm-Managern verdeutlicht haben. Die Forderung sei allen Beteiligten als unverschämt vorgekommen, trotzdem maßregelte Qualcomm Mitarbeiter, weil sie Probleme mit Apple bereiteten. Nach Jahren einigten sich die Firmen in einem milliardenteuren Vergleich. Doch Apple will die Produktion jetzt in die eigene Hand nehmen.

Tony Blevins, ein Arbeitersohn aus North Carolina, kam 2010 von IBM - wo auch der heutige Apple-Chef Tim Cook gewirkt hatte - zu Apple. Anfangs drückte er die Einkaufskosten bei so profanen Produkten wie Toilettenpapier. Als sein Meisterstück gilt die Glasfassade der neuen Zentrale, mit der er ab 2012 beauftragt war. Allein das gekrümmte Glas für den runden Bau mit einer Meile Umfang hätte nach ersten internen Schätzungen eine Milliarde Dollar kosten können - Blevins habe die Kosten in einer seiner Hotelrunden um mehrere hundert Millionen gedrückt.

Halskette aus Hawaii mit Puka-Schneckenschalen - auf zwei Dollar gedrückt

Für die Fassade wurde der deutsche Glashersteller Seele als Apple-Lieferant gefeiert - eine seltene Ehre, denn oft drohe Blevins Lieferanten, die vertragswidrig mit ihrer Apple-Verbindung werben, mit empfindlichen Vertragsstrafen.

Dem Team lebt er Sparsamkeit vor. Als Symbol gilt eine Halskette aus Hawaii mit Puka-Schneckenschalen, die Blevins jahrelang getragen haben soll. Die Geschichte dazu: Er habe den Händler des billigen Mitbringsels von fünf auf zwei Dollar heruntergehandelt. "Wenn er privat schon so ist, kann man sich vorstellen, wie er auf Firmengeld achtet", zitiert das "Wall Street Journal" Helen Wang, die jahrelang im Einkaufsteam arbeitet.

Dem Porträt zufolge gilt der Manager aber durchaus als humorvoll. Als Eisbrecher diene auch seine Leidenschaft für Muscle Cars aus den 70er Jahren wie einen DeTomaso Pantera, mit dem er durchaus halsbrecherisch unterwegs sei.

Für Tony Blevins ist diese Aufmerksamkeit eindeutig zu viel. "Ich bin bloß ein loyaler Konzernmann", lautet sein einziger Kommentar gegenüber dem "Journal".

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