Donnerstag, 12. Dezember 2019

Umstrittene App aus Angebot entfernt Apple beugt sich erneut den Machthabern in Peking

Apple-Chef Tim kritisiert gern Datenmissbrauch und zu viel Kontrolle. Doch wenn es um die eigenen Geschäfte in China geht, riskiert der Konzern nicht das Geringste und beugt sich dem Druck der kommunistischen Machthaber in Peking.
Ng Han Guan/AFP
Apple-Chef Tim kritisiert gern Datenmissbrauch und zu viel Kontrolle. Doch wenn es um die eigenen Geschäfte in China geht, riskiert der Konzern nicht das Geringste und beugt sich dem Druck der kommunistischen Machthaber in Peking.

Apple übt sich einmal mehr im "Kotau" vor den kommunistischen Machthabern in Peking: Nach scharfer Kritik aus China hat Der iPhone-Hersteller eine App aus seinem Angebot entfernt, die Demonstranten in Hongkong bei ihren Protesten die Standorte der Polizeieinheiten anzeigte. Die Macher von "hkmap.live" teilten am Donnerstag auf Twitter mit, dass Apple das Programm aus dem App-Store gelöscht habe.

Demnach begründete habe der Konzern seine Entscheidung damit begründet, dass die mobile Verkehrsanwendung die Strafverfolgung behindere und Bewohner Hongkongs angeblich gefährdet habe. Angeblich soll die App aber im Android-Store noch zu finden sein.

Zuvor hatte China dem iPhone-Konzern vorgeworfen, die Demonstranten in Hongkong zu unterstützen. Die App mache es Demonstranten leichter, sich an gewalttätigen Aktionen zu beteiligen, kritisierte am Mittwoch das Parteiorgan "Volkszeitung". "Apples Zustimmung zu der App hilft natürlich den Randalierern. Was ist die tatsächliche Absicht?", schrieb das Blatt.


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Apple hat sich in der Vergangenheit mehrfach dem Druck Pekings gebeugt. So löschte es vor zwei Jahren zahlreiche sogenannte VPN-Programme aus seinem chinesischen App-Store, mit denen die strengen Internet-Sperren des Landes umgangen werden konnte. Davor hatte Apple auf Wunsch Pekings die Nachrichten-App der "New York Times" aus seinem Angebot in China gelöschte. Für den US-Konzern ist die Volksrepublik nach den USA der wichtigste Markt.

Für Apple steht viel auf dem Spiel

Für Apple steht in China viel auf dem Spiel: Zwar fielen Apples Umsätze im Reich der Mitte zuletzt auf rund 9 Milliarden Dollar im dritten Quartal zurück, doch ist Apple enorm abhängig von China. Zum einen lässt der iPhone-Konzern in China Smartphones und andere Geräte produzieren, zum anderen ist Apple von dortigen Zulieferern abhängig: Der Anteil der Apple-Zulieferer - jener Firmen also, die Bauteile wie Glas, Alu-Gehäuse, Kabel und Elektronik-Bauteile bereitstellen - stieg in diesem Jahr auf 47,6 Prozent.

Den Schaden, den Peking durch eine Eskalation des Streits anrichten könnte, ist also nicht zu unterschätzen. Gerade jetzt vor den diesen Donnerstag neu beginnenden Handelsgesprächen zwischen den USA und China sind die Nerven angespannt.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten. Seit fünf Monaten demonstrieren sie gegen ihre Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung in Peking.

rei mit dpa

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