Montag, 17. Juni 2019

Nach Appell an Bafin Air Berlin prüft Klage gegen Aktionärsschützer

Air Berlin: "Geschäftsschädigende Behauptungen"

Die abermals verschobene Bilanzvorlage von Air Berlin ruft Aktionärsschützer auf den Plan: Sie fordern eine Prüfung durch die Bundesfinanzaufsicht Bafin. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft prüft ihrerseits rechtliche Schritte.

Frankfurt am Main/Berlin - Air Berlin wehrt sich gegen den Vorwurf von Aktionärsschützern, mit der mehrfachen Verschiebung seiner Bilanzvorlage gegen die Berichtspflichten verstoßen zu haben. Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) forderte die Finanzaufsicht Bafin in der "Berliner Zeitung" auf, Air Berlin ins Visier zu nehmen. Die Fluglinie hatte ihre Bilanzvorlage für 2013 in dieser Woche zum zweiten Mal verschoben. "Ich fordere, dass die Bafin hier einschreitet", sagte Kunert dem Blatt. "Air Berlin verstößt hier ganz klar gegen die Berichtspflichten."

Ein Sprecher von Air Berlin erklärte, die Behauptungen von Kunert seien falsch "und unserer Meinung nach geschäftsschädigend". Air Berlin schließe juristische Schritte nicht aus. Die Fluggesellschaft verstoße nicht gegen die Publizitätspflichten. "Zudem verfügt das Unternehmen über ausreichend Liquidität und hat darüber hinaus weiteren Spielraum durch ein noch nicht in Anspruch genommenes Anteilseignerdarlehen", widersprach der Air-Berlin-Sprecher der SdK weiter.

Kunert hatte der Zeitung auch gesagt, es dränge sich der Verdacht auf, dass die angeschlagene Airline ihre Bilanz absichtlich zurückhalte, weil eine akute Insolvenzgefahr bestehe. Eine Bafin-Sprecherin sagte der Zeitung, sie sehe keinen Handlungsbedarf. Jede Aktiengesellschaft habe bis Ende April Zeit, ihre Bilanz vorzulegen.

Bereits am Donnerstag hatte Kunert gesagt, dass die Aktionäre nach der erneuten Verschiebung mit dem Schlimmsten rechnen müssten. "Das kann man nur machen, wenn man weiß, dass man ganz schlechte Zahlen hat oder wenn einem die Aktionäre völlig egal sind." Aufgrund von Missmanagement bei Air Berlin Börsen-Chart zeigen hätten viele Aktionäre Geld verloren. Die Aktie war vor acht Jahren für 12 Euro pro Stück an die Börse gekommen, aktuell pendelt sie um 2 Euro.

Die zweitgrößte deutsche Airline ist weiter auf der Suche nach Geld und einer neuen Strategie. "Air Berlin arbeitet weiter an Maßnahmen für eine Rekapitalisierung, die Eigenkapital und Liquidität der Air-Berlin-Gruppe stärken würden", begründete die Fluggesellschaft die zweite Verschiebung ihrer Bilanz-Vorstellung. Nun soll die Bilanzpressekonferenz spätestens Ende April stattfinden. Eigentlich hatte Air Berlin gehofft, am Donnerstag Ergebnisse zu präsentieren. Das Unternehmen ist mit gut 800 Millionen Euro verschuldet und hat sein Eigenkapital aufgezehrt.

Geldgeber von Air Berlin ist die staatliche Airline Etihad aus Abu Dhabi. Die Fluglinie aus dem ölreichen Golf-Emirat hält seit 2011 knapp 30 Prozent der Aktien. Nach Geldspritzen von einer halben Milliarde Euro erwarten die Großaktionäre Erfolge. Eine weitere Aufstockung der Anteile ist problematisch - Unternehmen, die außerhalb der EU sitzen, dürfen nicht die Mehrheit an einer europäischen Fluggesellschaft erwerben, sonst gehen die Anflugrechte verloren. Daher erwäge Etihad, seinen Anteil nur auf 49,9 Prozent aufzustocken, hatte ein Insider gesagt. Einem Bericht von manager magazin online zufolge prüft der Großaktionär, Air Berlin von der Börse zu nehmen und mit Alitalia zu verschmelzen.

ts/rtr/dpa-afx

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