Donnerstag, 20. Juni 2019

Anwaltsschwemme Schwere Zeiten für Juristen

US-Anwaltserie "Ally Mc Beal": Nur wenige Juristen landen bei US-Topkanzleien - die Mehrzahl startet im finanziell weit weniger attraktiven freien Anwaltsmarkt
REUTERS/ FOX
US-Anwaltserie "Ally Mc Beal": Nur wenige Juristen landen bei US-Topkanzleien - die Mehrzahl startet im finanziell weit weniger attraktiven freien Anwaltsmarkt

3. Teil: Nur 600 bis 800 Juristen werden von US-Großkanzleien aufgesogen

Nun kann nicht jeder sein Heil an dieser Privathochschule suchen, die von jährlich rund 1000 Bewerbern am Ende 100 in einem aufwendigen Verfahren aussiebt. Doch sollte, wer sich zum Jurastudium entschließt, die eigene Motivation gut geprüft haben. Dazu gehört auch, möglichst frühzeitig ein Arbeitsfeld zu identifizieren, für das man sich wirklich interessiert und in dem man Mehrwert bringen kann.

Die Wahrscheinlichkeit, schließlich im freien Anwaltsmarkt zu landen, ist groß. Nur 600 bis 800 fertige Juristen jedes Jahrgangs (die mit den tollen Examen ab "Vollbefriedigend" aufwärts) werden von angloamerikanischen Anwaltsfabriken wie Clifford Chance, Linklaters oder Freshfields und von den Rechtsabteilungen großer Unternehmen aufgesogen.

Auch der Staatsdienst steht nur den besonders guten Bewerbern offen. Der große Rest muss selbst eine Kanzlei eröffnen oder sich einer kleineren Einheit anschließen.

"Professionelle Aquise und ein unverwechselbares Beratungsprofil"

Ob als Einzelanwalt oder in einer Sozietät, überlebenswichtig geworden ist unternehmerisches Denken. "Professionelle Aquise, unbedingte Kundenorientierung und ein unverwechselbares Beratungsprofil, all das sind Grundtugenden des heutigen Anwaltsgeschäfts", sagt Tilman Rückert, Mitgründer einer hochkarätigen Corporate -und Kartellrechtsboutique in Hamburg, die 2003 als Spin-off von Freshfields begann und heute unter Corinius firmiert. Rückert: "Wenn die Mandanten aus der Wirtschaft kommen sollen, gehören auch verhandlungssicheres Englisch und internationale Kontakte hinzu."

Hohe Anforderungen, sicher. Doch anders geht nicht mehr viel im Anwaltsmarkt. Zum Trost sei gesagt: Die sichere Karriere ist selbst für die allerbesten Absolventen passe'. Wer in den 90er Jahren hier zu Lande in eine der boomenden Law Firms einstieg, hatte die Beförderung zum Partner nach fünf bis sieben Jahren so gut wie in der Tasche. Heute liegt die Partnerchance bei Freshfields für Einsteiger bei 1:20, andernorts sieht es nicht besser aus.

So mancher Überflieger steht nach wenigen Jahren wieder auf der Straße und muss sich eine eigene Existenz aufbauen. Und sei es als Interims- oder Projektjurist bei Perconex.

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