Mittwoch, 19. Juni 2019

Hauptversammlung Air-Berlin-Chef steckt im Strategie-Dilemma

Flugzeuge von Air Berlin am Flughafen Tegel: An die Schrumpfung gewöhnt

Air Berlins Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer hat zur Hauptversammlung den Aktionären erklärt, wie er künftig schwarze Zahlen schreiben will. Doch sein Schrumpf- und Sparprogramm überzeugte nicht jeden - was vor allem beim durch Etihad verursachten Strategie-Dilemma liegt.

Hamburg - Niedrigere Ölpreise, eine Sitzplatzauslastung von im Schnitt 80,3 Prozent, ein kumulierter Branchengewinn von 12,7 Milliarden Dollar (9,8 Milliarden Euro) - ein Fünftel mehr als bislang erwartet und zwei Drittel mehr als noch 2012. Dazu erstmals in der Geschichte der Luftfahrt mehr als drei Milliarden Passagiere. So lauten die Prognosen des internationalen Branchenverbands IATA für das Jahr 2013. Selbst in Europa rechnet der Verband mit einem Branchengewinn von 1,6 Milliarden Dollar (1,23 Milliarden Euro) - nachdem er noch im Dezember von einer Nullrunde ausgegangen war.

Eine europäische Luftlinie dagegen wäre über eine Null schon froh: Air Berlin Börsen-Chart zeigen. Denn für Deutschlands zweitgrößte Airline, die als Aktiengesellschaft britischen Rechts gestern am Flughafen London-Heathrow ihre Hauptversammlung abhielt, lief es zuletzt operativ sogar noch schlechter als in den Jahren zuvor.

Die Airline stürzte im ersten Quartal tiefer in die roten Zahlen als von vielen Analysten und Anteilseignern befürchtet. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 196 Millionen Euro (Vorjahr: 164 Millionen), bei einem Umsatzrückgang um 3 Prozent auf 792 Millionen Euro. Über Eigenkapital verfügt die im SDax notierte Fluggesellschaft seither nicht mehr. Im Gegenteil. Seit Ende März wird der Posten mit minus 53,1 Millionen Euro bilanziert. Unter Analysten geht daher schon der Scherz um, dass das erfreulichste an Air Berlin die hohe Eigenkapitalrendite sei.

Die schwarze Null muss stehen

Vor den Aktionären warb CEO Wolfgang Prock-Schauer dennoch für Vertrauen und erklärte die seit dem Frühjahr 2011 bestehende Partnerschaft mit der arabischen Fluggesellschaft Etihad und die im Frühjahr 2012 vollzogene Mitgliedschaft im Airline-Bündnis Oneworld zum Erfolg. Über den Großaktionär Etihad habe Air Berlin mit Vorausbuchungen die Codeshare-Vorjahreszahl von 320.000 schon erreicht. Zudem seien im ersten Vierteljahr mehr als 100.000 Oneworld-Fluggäste mit Air Berlin geflogen - doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Darüber hinaus bekräftigte der Vorstandschef sein Ziel, in diesem Jahr eine "schwarze Null" vor Steuern und Zinsen (Ebit) zu erreichen.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warf dem Unternehmen daraufhin unrealistische Prognosen vor. "Die Zukunftsfähigkeit von Air Berlin ist nicht gesichert, die Aktie ist zum Zockerpapier verkommen", sagte Vereinssprecher Michael Kunert.

Dass der auf drei Jahrzehnte Luftfahrterfahrung zurückblickende Österreicher Prock-Schauer (Austrian Airlines, Jet Airways, British Midland International) die Baustellen Air Berlins besser in den Griff bekommt als seine Vorgänger, ist in der Tat fraglich.

Als am leichtesten umsetzbar für die Unterehmensführung gilt das noch unter Ex-Chef Hartmut Mehdorn aufgelegte Sparprogramm "Turbine 13". Dieses sieht unter anderem vor, unrentable Flugrouten einzustellen, die Flotte zu verkleinern und knapp 10 Prozent der einst 9300 Stellen abzubauen. Mindestens 400 Millionen Euro will die Fluggesellschaft so mittelfristig einsparen.

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