Samstag, 21. September 2019

US-Amerikaner und Fußball Und plötzlich hat es Goooooal gemacht

Jubelnder Klinsmann: Euphorie in den USA ausgelöst

Was Pele, Beckenbauer und Beckham nicht gelungen ist, schafft Jürgen Klinsmann: Mit seiner US-Auswahl weckt er die Liebe der Amerikaner zum Fußball - vor dem Fernseher schauen mehr zu als beim Basketball. Für Adidas ist der Trend eine gewaltige Chance.

Hamburg - Die Amerikaner entdecken ihre Liebe zum Fußball: Insgesamt fast 25 Millionen Menschen sahen am Sonntag in den USA das dramatische Unentschieden des Teams von Jürgen Klinsmann gegen Portugal - absoluter Rekord. Selbst Finalspiele der Basketball-Liga NBA und der Baseball-Liga könnten da nicht mithalten, schrieb die "New York Times". Beim Sportsender ESPN knallten die Sektkorken.

"Das sind beeindruckende Werte", sagte Sportbranchen-Berater Michael Cohen gegenüber der Financial Times. Ohnehin ist Fußball in den USA bereits jetzt ein einträgliches Geschäft. Die Zuschauerzahl in den Stadien der Profiliga MLS liegt im Schnitt schon über 18.500 - in Italien sind es auch nur 5000 mehr. Die MLS wird künftig 21 Mannschaften haben - acht mehr als 2007. Pro Jahr fließen 90 Millionen Dollar (rund 66 Millionen Euro) an TV-Geldern.

Wie zum Beweis ist die Begeisterung für die WM in Brasilien ausgeprägt wie nie. ESPN und dessen Muttersender ABC sind bei allen Spielen live dabei. Zusammen zeigen sie über 290 Stunden World-Cup-Programm, 50 Stunden mehr als vor vier Jahren, rechnete das Branchenblatt "Variety" vor.

Auch die Werbepreise steigen. 2006 kostete ein 30-Sekünder im Finale 129.000 Dollar, 2010 waren es schon 389.000 Dollar. Das ist allerdings immer noch billig im Vergleich zu den vier Millionen Dollar beim Super Bowl, dem Endspiel der Football-Liga NFL.

Seit dem Sieg gegen Ghana im ersten Spiel, aber spätestens seit dem Portugal-Knüller grassiert auch in den USA "Soccer"-Fieber. Nachrichtensender wie CNN und MSNBC widmen der Vorberichterstattung auf das Spiel gegen Deutschland an diesem Donnerstag schon beinahe soviel Sendezeit wie der Krise im Irak.

Eingefleischte Baseballfans sprechen plötzlich von der Abseitsfalle, Nachspielzeit und Torlinientechnologie, als seien sie schon immer die größten Experten gewesen. Und der Torjäger Clint Dempsey wird gefeiert wie ein Nationalheld.

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