Dienstag, 25. Februar 2020

Kurssprung nach Zahlen treibt Börsenwert auf 1 Billion Dollar Amazon zurück im Club

Es läuft für Jeff Bezos und Amazon: Die Investitionen in mehr schnellere Lieferungen zahlen sich aus. Auch das Cloud-Geschäft wächst verlässlich, auch wenn nicht mehr so stark wie in früheren Zeiten.

13 Prozent Kursplus nach Zahlen - der Autobauer Tesla Börsen-Chart zeigen wusste seine Anleger in dieser Woche in Rauschzustände zu versetzen. "Echte" Technologiekonzerne wie Amazon können das auch noch. Beherzt griffen die Investoren nach Vorlage der überraschend guten Quartalsergebnisse zu und trieben die Anteilsscheine von Amazon in der Nacht zu Freitag um bis zu 13 Prozent in die Höhe.

Amazon kehrt damit vorläufig in den Kreis der 1-Billion-Dollar-Konzerne zurück - wo bereits Apple, Microsoft und Google einen Börsenwert von gut 1 Billion Dollar aufweisen. Sollte das Kursplus halten, dürfte der Kurssprung zugleich Bezos' Vermögen auf geschätzte 129 Milliarden Dollar anschwellen lassen und seine Position als reichster Mensch der Welt festigen.

Das kommt nicht von ungefähr: Es war in der Tat ein überraschend gutes Weihnachtsgeschäft, das die Umsätze im Abschlussquartal 2019 um mehr als ein Fünftel auf rund 87 Milliarden Dollar in die Höhe getrieben hat. Viel Geld hatte Amazon in schnellere Lieferungen für seine Prime-Kunden investiert, die innerhalb von 24 Stunden die bestellte Ware erhalten sollen. Mit Erfolg: Das Volumen hat sich hier vervierfacht.

Kosten nagen nicht mehr so an den Gewinnen wie früher

Positiv aus Sicht der Anleger auch: Die Investitionen belasteten den Gewinn offenbar nicht so stark wie befürchtet und wie es Anleger noch sehr gut aus früheren Zeiten erinnern dürften. So kletterte der Nettogewinn um rund 10 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar. Analysten hatten lediglich mit rund 1.97 Milliarden Dollar gerechnet. Im gesamten Jahr 2019 verdiente Amazon unter dem Strich 11,6 Milliarden Dollar.

An der Quartalsbilanz gäbe es wirklich nichts zu mäkeln, betonte Youssef Squali. "Sie haben im Grunde jede einzelne Kennzahl geschlagen", zitiert die "Financial Times" den Internet-Analysten von Suntrust. "Das kommt nicht plöztlich", betonte Amazon-Finanzchef Brian Olsavsky. "Es ist das Ergebnis unser jahrelangen Anstrengungen, das Prime Programm zu optimieren."

Maximal kostenlose Bananen - die Erfolgsprinzipien von Amazon

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Bild: [M] AP, dpa

Das Versprechen von Bezos, als Prime-Kunde binnen 24 Stunden die bestellte Ware ins Haus geliefert zu bekommen, scheint immer mehr Verbraucher zu überzeugen. Die Zahl der Prime-Abonnementen kletterte im Vergleich zum Vorjahresquartal um etwa die Hälfte auf 150 Millionen. Laut Bezos umfasst der in den USA 129 Dollar teure Prime-Service im Jahr mittlerweile mehr als 100 Millionen Artikel, die Amazon innerhalb von 24 Stunden zu liefern verspricht.

Zahl der Prime-Kunden steigt um fast die Hälfte

Amazon Web Services (AWS), wo der Konzern sein Cloud-Geschäft bündelt, lieferte im abgelaufenen Quartal rund 10 Milliarden Umsatz ab, ein Plus von 34 Prozent. Das operative Ergebnis der Sparte stieg um knapp ein Fünftel auf 2,6 Milliarden Dollar. Amazon steht im Cloud-Geschäft im scharfen Wettbewerb mit Microsoft und Google, weshalb die Wachstumsraten des einstigen Platzhirsches mit der Cloud nicht mehr so rasant klettern wie früher.

Doch auch wenn sich das Umsatzwachstum von AWS im Vergleich zum Vorjahr leicht verlangsamte habe und die Margen etwas zurückfielen, habe es gleichwohl die laufenden Investitionen des Einzelhandels erheblich unterstützt, zitiert die FT Moody's-Analyst Charlie O'Shea.

Die starke Kursreaktion der Aktie von Amazon Börsen-Chart zeigen dürfte auch dem positiven Ausblick geschuldet sein: Laut Amazon werde der Umsatz im laufenden Quartal zwischen 69 und 73 Milliarden Dollar liegen: ein Plus von 16 bis 22 Prozent. Für den operativen Gewinn stellte Amazon bis zu 4,2 Milliarden Dollar in Aussicht.

Mit anderen Worten: Amazon-Aktionäre dürfen sich offensichtlich an den Gedanken gewöhnen, dass die nach wie vor hohen Kosten für Investitionen die Gewinne nicht wie in früheren Zeiten auffressen. Amazon hatte in der Vergangenheit wiederholt auf kurzfristige Gewinne verzichtet, um sich für die Zukunft besser aufzustellen.

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