Donnerstag, 22. August 2019

Pläne in Frankreich und Großbritannien Amazon will Digitalsteuer auf Kunden abwälzen

Amazon-Chef Jeff Bezos hält nicht viel von einer Digitalsteuer und will sie, gleich welches Land sie erhebt, an die Kunden weiterreichen

Amazon will die neue Digitalsteuer in Frankreich an seine Kunden weiterreichen. "Wir haben keine andere Option", teilte der weltgrößte Online-Händler am späten Freitagabend mit. Der Wettbewerb sei hart und erlaube schon jetzt nur geringe Margen. Außerdem investiere der Konzern viel. Die Kosten an Kunden weiterzureichen, könne vor allem kleinen französischen Unternehmen im internationalen Wettbewerb Nachteile bringen.

Frankreich will künftig eine dreiprozentige Digitalsteuer erheben. Das dürfte besonders die großen US-Konzerne Google, Apple, Facebook und eben auch Amazon treffen. Diese stehen in der Kritik, weil sie durch geschickte Gewinnverlagerungen insgesamt kaum Steuern zahlen.

US-Präsident Donald Trump hat bereits mit Vergeltung gedroht, weil sich das französische Vorgehen aus seiner Sicht gegen amerikanische Unternehmen richtet. Er hat angedeutet, mit Sonderzöllen auf Wein reagieren zu können. Auch in anderen EU-Ländern wie Spanien, Italien und Großbritannien werden Digitalsteuern vorbereitet. Ein einheitliches Vorgehen in Europa war zuvor gescheitert.

Trump will kein Handelsabkommen mit London bei Digitalsteuer

Donald Trump indes droht das Handelsabkommen mit Großbritannien nach dem Brexit nicht abzuschließen, sollte London seine geplante Digitalsteuer für Tech-Giganten stoppt. Gespräche dazu liefen bereits auf verschiedenen Ebenen, berichtete am Samstag die britische Zeitung "The Telegraph" ohne klare Quelle.

Die neue Steuer soll ab April 2020 eingeführt werden. Der frühere Finanzminister Philip Hammond hatte sie noch unter der Regierung von Premierministerin Theresa May angekündigt.

Video: Maximal kostenlose Bananen - die Erfolgsprinzipien von Amazon

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Bild: [M] AP, dpa

May ist inzwischen von Boris Johnson abgelöst worden, der eine enge Partnerschaft mit Trump aufbauen will. Johnson will das Vereinigte Königreich am 31. Oktober aus der Europäischen Union führen - notfalls ohne Abkommen, was der Wirtschaft sehr schaden würde.

Das Handelsministerium in London äußerte sich am Samstag zu dem Bericht nicht und bekräftigte lediglich, nach dem Brexit ein Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA schaffen zu wollen.

rei/dpa/Reuters

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