Mittwoch, 8. April 2020

Alstom baut am Bahn-Monopol Warum der Bombardier-Deal die Verkehrswende bedroht

Ranking der größten Zughersteller: Bombardier im Ausverkauf - Bahn gehen die Optionen aus
DPA

Deutschland wendet sich wieder der Bahn zu. "Die 20er-Jahre werden ein glänzendes Zeitalter der Bahn", behauptet Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Finanzminister Olaf Scholz (SPD) verspricht "Rekordsummen, um unser Land fit für die Zukunft zu machen". Tatsächlich hat der Bund allein für die Infrastruktur der Deutschen Bahn 62 Milliarden Euro vertraglich zugesichert. Nach Jahrzehnten des Kaputtsparens setzt sich die Erkenntnis durch, dass Klimaschutz und Elektromobilität nur auf Schienen richtig gut laufen.

Dumm nur, dass gleichzeitig zu dieser Offensive das Investieren in neue Züge schwieriger wird. Denn da der französische Hersteller Alstom Börsen-Chart zeigen tatsächlich das Bahngeschäft des kanadischen Bombardier-Konzerns übernimmt - am Montagabend meldeten Alstom und Bombardier Vollzug bei der Milliardenübernahme - trifft die wachsende Nachfrage nach Bahntechnik auf ein äußerst knappes Angebot.

"Die Verkehrsunternehmen werden sich wehren", meint Maria Leenen, Chefin der Beratungsfirma SCI Verkehr. "Sie haben spürbar weniger Alternativen." Vor allem im Markt für Diesel- und Hybridfahrzeuge würden Alstom und Bombardier in Europa klar dominieren. Auch im größeren Segment der Elektrotriebzüge kämen sie auf 47 Prozent Marktanteil. Wettbewerber Stadler und Siemens Börsen-Chart zeigen spielten eine geringere Rolle, "und danach kommt nicht mehr viel".

Die Folge: Unternehmen wie die Deutsche Bahn wären ihren Lieferanten noch stärker ausgeliefert als ohnehin schon. Gerade Bombardier als größter Hersteller in Europa kann immer wieder mit Großaufträgen rechnen, obwohl es ständig Streit um technische Mängel und verspätete Lieferungen gibt.

Im Januar verweigerte die Bahn die Abnahme 25 neuer Doppelstock-Intercity 2, bei denen das Betriebssystem ständig abstürzt. Selbst im Bahn-Musterland Schweiz sorgt ein ähnliches Modell von Bombardier Börsen-Chart zeigen für Ärger. In Baden-Württemberg kämpft die Privatbahn Abellio mit Ausfällen von Talent-Zügen im Regionalverkehr. Im Berliner S-Bahn-Chaos fand die Bahn in Bombardier einen Schuldigen. Selbst beim neuen ICE 4, der von Siemens geliefert wird, sorgt Bombardier mit einem Drittel Auftragsanteil noch für die falschen Schweißnähte.

Die Mängel sind Symptome des grassierenden Sparwahns. Bombardier, vom kanadischen Schneemobilhersteller zum globalen Transporttechnik-Konzern aufgestiegen und um etliche deutsche Traditionsbetriebe erweitert, schreibt fast chronisch rote Zahlen und leidet unter drückender Schuldenlast. Die Bahnsparte mit Sitz in Berlin musste immer wieder Vertragsstrafen und Schadenersatz verkraften. Die im Preiswettbewerb gewonnenen Milliardenaufträge lohnten sich oft weder für Auftraggeber noch Auftragnehmer.

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