Dienstag, 26. Mai 2020

Europas größte Versicherung Allianz trotz Flaute bei Pimco auf Rekordkurs

Auf Rekordkurs: Allianz-Chef Michael Diekmann peilt weiterhin ein operatives Ergebnis von 10,5 Milliarden Euro an

Der Aderlass beim Vermögensverwalter Pimco geht weiter. Auch im zweiten Quartal zogen Kunden über 20 Milliarden Dollar ab. Pimco-Mutter Allianz kompensiert die Schwäche mit stabilen Versicherungsgeschäften.

Frankfurt am Main - Die Allianz Börsen-Chart zeigen steuert in diesem Jahr trotz der Formschwäche ihrer Vermögensverwaltung auf einen Rekordgewinn zu. Im Gesamtjahr werde weiter ein operatives Ergebnis von 9,5 bis 10,5 (2013: 10) Milliarden Euro angepeilt, wobei das obere Ende der Spanne in Reichweite sei, erklärte Vorstandschef Michael Diekmann am Freitag.

Im zweiten Quartal übertraf Europas größter Versicherer die Markterwartungen deutlich. Dabei half, dass es relativ wenig Naturkatastrophen gab, was das Schaden- und Unfallgeschäft beflügelte. Die Vermögensverwaltung schnitt dagegen abermals schwächer ab. Die Kunden ziehen weiter Milliarden von der US-Fondstochter Pimco ab. Die Mittelabflüsse gehen aber ganz langsam zurück. Das macht der Allianz Hoffnung für die kommenden Monate.

Das operative Ergebnis stieg im abgelaufenen Quartal um 17 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der Nettogewinn verbesserte sich um elf Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Die Allianz-Aktie notierte vorbörslich kaum verändert.

Aderlass bei Pimco geht weiter

Die Vermögensverwaltung um die kalifornische Fondstochter Pimco und die Investmentlegende Bill Gross war jahrelang der größte Wachstumstreiber im Konzern. Doch seit viele Pimco-Fonds im Niedrigzinsumfeld enttäuschen, laufen die Kunden scharenweise davon. In den vergangenen drei Monaten summierten sich die Nettomittelabflüsse allein bei Pimco auf über 20 Milliarden Euro, während die kleinere Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) zulegen konnte.

Nach Ansicht von Finanzchef Dieter Wemmer ist der Boden jedoch erreicht. "Der Schlüssel für die künftige Entwicklung von Pimco ist die Anlageperformance", betonte er. "Diese liegt auf einem sehr hohen Niveau." Insgesamt schrumpfte das operative Ergebnis der Vermögensverwaltung um 16 Prozent auf 675 Millionen Euro.

Weniger Naturkatastrophen treiben Ergebnis

Dagegen kam dieses Mal rund die Hälfte des Konzernergebnisses aus der Schaden- und Unfallversicherung - die Sparte legte um 14 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro zu. Naturkatastrophen kosteten nur 172 (Vorjahr: 549) Millionen Euro - maßgeblich war der Sturm "Ela", der im Juni über Belgien, Frankreich und Deutschland hinweggefegt war. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich um 1,4 Prozentpunkte auf 94,6 Prozent. Bei Werten von unter 100 Prozent sind Zahlungen für Schäden und die Verwaltung noch durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Das Ergebnis in der Lebens- und Krankenversicherung stieg um 47 Prozent auf 984 Millionen Euro, ein neuer Höchststand. Überraschend robust entwickelte sich trotz der Zinsflaute das Lebensversicherungsgeschäft. Denn die Allianz ist hierzulande seit einiger Zeit mit neuen Produkten am Markt, die nach Konzernangaben sehr gut bei den Kunden ankommen.

luk/rtr

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