Freitag, 20. September 2019

Mehr Gewinn und Direktversicherer angekündigt "Einfachheit" soll Allianz zu mehr Gewinn führen

"Die Besten im Markt schlagen": Oliver Bäte macht den Allianz-Beschäftigten neue höhere Gewinnvorgaben

Europas größter Versicherungskonzern Allianz steht vor der nächsten Stufe seines Umbaus. "Einfachheit" steht im Zentrum der Pläne für die kommenden drei Jahre, wie Vorstandschef Oliver Bäte am Freitag vor Investoren in München klarmachte.

Der erste Schritt dazu ist ein europaweiter Direktversicherer für Autos, der als "Allianz Direct" auftreten soll. In der ersten Phase sollen die Policen in Deutschland, den Niederlanden, Italien und Spanien verkauft werden, anschließend sollen weitere Länder folgen.

Eine Vereinfachung der Produktpalette und des Kundenzugangs sei die treibende Kraft zum Umbau der Allianz, führte Ivan de la Sota aus. Er soll als Chief Business Transformation Officer sich vorrangig um den Umbau kümmern. De la Sota will mit der vorherrschenden Ansicht aufräumen, dass Versicherung in jedem Land anders funktioniert. Vielfach seien die Produkte in Europa bereits fast identisch und würden nur unterschiedlich verkauft.

"Als erstes müssen wir unser Produkt entmystifizieren", sagte der Spanier. "Für Handbücher fehlt den Kunden die Zeit." Was gut für die Kunden sei, nutze auch dem Vermittler. Die etablierten Vertriebskanäle über Makler würden nicht gefährdet: "Die Kannibalisierung zwischen dem Direktversicherer und dem traditionellen Geschäft ist gleich Null", sagte Vorstandschef Bäte. Die Allianz müsse ihre Altlasten so schnell wie möglich loswerden, ohne Kunden zu vergraulen. Darin stecke großes Potenzial.

Im vergangenen Jahrzehnt hatte die Allianz einen ersten Versuch mit einem Online-Versicherer wegen heftigen Widerstands der um Einkommen und Arbeitsplätze fürchtenden Vertreter wieder eingestellt.


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Wie groß das angesprochene Potenzial ist, skizzierte Vorstandschef Oliver Bäte zugleich mit neuen Gewinnvorgaben: So soll die Allianz den Gewinn pro Aktie in den Jahren von 2019 bis 2021 um jeweils mehr als 5 Prozent steigen, davon 4 Prozent organisch - also ohne Zukäufe. Zur Erinnerung: In den vergangenen drei Jahren waren es im Schnitt 7,1 Prozent. Beim jüngsten Quartalsgewinn konnte die Allianz überzeugen und sieht sich damit auf Kurs zum angepeilten Jahresgewinn von rund 11,1 Milliarden Euro.

Die erhofften Gewinne will das Management nicht nur durch einfachere Produkte sondern auch weltweit einheitliche IT-Systeme erreichen. Wie bei vielen Banken und Versicherern ist bei der Allianz ebenfalls eine Vielzahl unterschiedlicher, teurer Software-Programme im Einsatz. Diese elektronischen Altlasten wolle Bäte beseitigen, wie er sagte.

Direktversicherer soll Kosten-Messlatte für die Allianz werden

Dabei soll der neue Direktversicherer mit neuer IT die Kosten-Messlatte für das Unternehmen werden. Stellenabbau sei zwar möglich, doch gibt es nach Worten des Vorstandschefs keine entsprechenden Pläne: "Es ist nicht das Ziel, Menschen zu ersetzen." An die gut 140.000 Beschäftigten adressierte Bäte zugleich: "Das Ziel aller Bereiche der Allianz muss sein, die Besten im Markt zu schlagen."

Der stark am Kapitalmarkt und an Kosten orientierte Kurs des Konzernchefs stieß zuletzt zumindest bei den Mitarbeitern der Allianz Deutschland auf Kritik, die immer noch den größten Beitrag zum Konzerngewinn liefert. Wie manager-magazin.de exklusiv berichtete, zeigten sich nur 46 Prozent der Mitarbeiter davon überzeugt, dass Bätes Strategie den künftigen Erfolg sichere. Gar nur gut ein Drittel fand, die Allianz-Führungsspitze handele und kommuniziere glaubhaft.

Die von einigen Analysten erhoffte Ankündigung des nächsten milliardenschweren Aktienrückkaufs blieb aus. Aber der Spielraum dafür wird größer. "Wenn Sie in die Allianz investieren, können Sie gut schlafen", rief Bäte den Analysten und Fondsmanagern zu. "Wir werden Ihnen Geld zurückgeben, wenn wir es nicht ausgeben können. Aber wir sind kein Geldautomat."

rei/dpa/Reuters

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