Allianz überrascht mit Eckdaten Allianz fällt operativ zurück

Die Allianz hat außerhalb des Kerngeschäfts Gewinne realisiert und die Analysten mit einem deutlich höheren Nettogewinn überrascht. Operativ läuft es schlechter: Sowohl Ergebnis und Umsätze rutschten im ersten Quartal ab. Detaillierte Zahlen will der Konzern in einer Woche vorlegen.
Unter dem Strich mehr Gewinn, operativ aber ist die Allianz im ersten Quartal zurückgefallen

Unter dem Strich mehr Gewinn, operativ aber ist die Allianz im ersten Quartal zurückgefallen

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Die Allianz schlägt sich bei niedrigen Zinsen und schwankenden Kapitalmärkten besser als gedacht. Der Nettogewinn nach Anteilen Dritter stieg im ersten Quartal um ein Fünftel auf 2,2 (Vorjahr: 1,8) Milliarden Euro, teilte größter Versicherer überraschend am Montag mit.

Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Man habe außerhalb des Kerngeschäfts Gewinne realisiert, erklärte die Allianz den Gewinnzuwachs, ohne sich genauer dazu zu äußern.

Das Ergebnis im operativen Geschäft ging um 3,5 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zurück, der Umsatz schrumpfte um 6,4 Prozent auf 35,4 Milliarden. Doch auch damit schnitt der Versicherer besser ab als erwartet.

"Wir hatten einen sehr guten Start in das Jahr 2016", sagte Vorstandschef Oliver Bäte. "Wir sind daher zuversichtlich, dass wir unseren Ausblick für 2016 erreichen werden." Die Allianz geht von einem operativen Gewinn von zehn bis elf Milliarden Euro aus. Im vergangenen Jahr hatte sie 10,7 Milliarden erwirtschaftet. "Da ist Aufatmen angesagt. Viele sind einfach erleichtert", sagte ein Händler.

Weniger Naturkatastrophen verbessern Schaden-Kosten-Quote

Gut lief es im Schaden- und Unfallgeschäft, das von gesunkenen Schäden durch Naturkatastrophen profitierte. Nach Abzug der Aufwendungen für Schäden, Kosten und Vertrieb blieb in der größten Konzernsparte mehr von den Beitragseinnahmen übrig als ein Jahr zuvor. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich überraschend stark von 94,6 auf 93,3 Prozent.

In der Lebens- und Krankenversicherung wirkten sich die neuen Vertragsmodelle des Konzerns positiv aus. Die Neugeschäftsmarge verbesserte sich von 1,5 auf 2,5 Prozent. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsen setzt die Allianz wie auch andere Versicherer inzwischen vor allem auf Lebens- und Rentenversicherungsverträge ohne klassischen Garantiezins.

Lesen Sie den Kommentar: Dieser Garantiezins ist eine Strafe

Der Versicherer lockt die Kunden dabei mit der Aussicht auf höhere Renditen. Neun von zehn Kunden in Deutschland entschieden sich inzwischen bei Neuabschlüssen für die neuartigen Vertragstypen, sagte ein Sprecher der Allianz Deutschland. Das hat Gründe: Die Vertriebsmannschaften bewerben die alten Policen mit festem Garantiezins nicht mehr. Die Kunden müssten schon aktiv nachfragen. Verbraucherschützer kritisieren die neuen Policen als nicht mehr vergleichbar.

Weiter abwärts ging es im ersten Quartal in der Vermögensverwaltung . Das verwaltete Vermögen sank zwischen Jahresbeginn und Ende März um knapp 3 Prozent auf 1,24 Billionen Euro. Bereits seit 2014 hatte die Allianz bei ihrer US-Tochter Pimco mit Mittelabflüssen zu kämpfen.

Seinen vollständigen Quartalsabschluss will der Versicherer wie geplant am 11. Mai vorlegen. An diesem Mittwoch (4. Mai) steht zunächst die Hauptversammlung des Konzerns in München auf dem Plan.

Solvency-II zeigt Wirkung: Kapitalisierung deutlich gesunken

In ihrem Kapitalpolster bekommt die Allianz die neuen EU-weiten "Solvency II"-Regeln für die Branche zu spüren, die die Kapitalausstattung stärker an den Risiken messen. Die Kapitalisierung sank innerhalb von drei Monaten auf 186 von 200 Prozent, vor allem wegen der Entwicklung an den Kapitalmärkten. Die Allianz habe im Risikomanagement teilweise gegengesteuert. Sobald die defizitäre Tochter in Südkorea wie geplant verkauft ist, winkt der Allianz ein Zuwachs bei der Solvency-II-Quote. Der Verkauf des Lebensversicherers an die chinesische Anbang-Gruppe ist bereits vereinbart, aber noch nicht vollzogen. Die Allianz rechnet daraus mit einem dreistelligen Millionenverlust.

Südkorea ist das erste Land, aus dem sich die Allianz unter dem neuen Chef Bäte aus der Lebensversicherung zurückzieht. Weitere dürften folgen.

rei/Reuters/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel