Mittwoch, 1. April 2020

Rekordgewinn 2019 Allianz erhöht Dividende, Aktie steigt auf 18-Jahres-Hoch

Die Allianz liefert für das Jahr 2019 mehr Gewinn ab als erwartet

Vor allem die guten Geschäfte in der Lebensversicherungssparte haben den Gewinn der Allianz im vergangenen Jahr überraschend nach oben getrieben. Europas größter Versicherer steigerte seinen operativen Gewinn 2019 um 3 Prozent auf den Rekordwert von 11,9 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Freitagmorgen mit. Erwartet hatte die Allianz zuletzt 11,5 bis 12,0 Milliarden, Analysten hatten im Schnitt auf 11,7 Milliarden getippt. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 7,9 Milliarden Euro - ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Aktie der Allianz Börsen-Chart zeigen gehörte am Freitag zu den wenigen Gewinnern im Dax. Die Jahreszahlen und der Ausblick der Allianz haben die Anleger am Freitag zwar nur in Teilen überzeugt. Kurstreibend wirkten letztlich aber vor allem die angekündigte Dividendensteigerung und das am Abend zuvor bekannt gegebene milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm. Die Aktie stieg bis auf 232,60 Euro und damit auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Zu Handelsschluss legte das Papier nach einer Berg- und Talfahrt noch um 1,2 Prozent auf 230,70 Euro zu.


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Die Dividende soll auf 9,60 (2018: 9,00) Euro erhöht werden, etwas mehr als von Experten erwartet. Bereits am Donnerstag hatte die Allianz ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Die Gewinnerwartung für das laufende Jahr schraubte der Versicherungsriese weiter nach oben: 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro sollen 2020 zu Buche stehen.

Das Kapitalpolster ist trotz der niedrigen Zinsen dick genug: Die Solvency-II-Quote lag Ende des vergangenen Jahres bei 212 (2018: 229) Prozent. "Dies zeigt die Widerstandsfähigkeit der Gruppe im heutigen negativen Zinsumfeld", sagte Finanzvorstand Giulio Terzariol. Der Umsatz - Versicherungsprämien und Fondsgebühren - wuchsen um knapp 8 Prozent auf 142,4 Milliarden Euro.

Lebens- und Krankenversicherung macht 500 Millionen mehr Gewinn

Getrieben wurde das Ergebnis diesmal von der Lebens- und Krankenversicherungssparte, in der die Allianz seit Jahren mit Erfolg auf Policen ohne lebenslange Garantien setzt, die weniger Kapital binden. Die Sparte verbesserte den operativen Gewinn um 500 Millionen auf 4,7 Milliarden Euro, obwohl die Marge im Neugeschäft mit 3,2 (3,6) Prozent unter Druck geriet. In Deutschland und Frankreich nahm die Allianz Gewinne mit und erwirtschaftete mehr mit den Kapitalanlagen.

Die Vermögensverwalter Pimco und Allianz Global Investors sammelten 76 Milliarden Euro frisches Kapital ein und kassierten angesichts steigender Kurse mehr Gebühren von den Anlegern. Insgesamt verwalten sie damit 2,27 Billionen Euro - so viel wie nie zuvor. Davon kommen 582 Milliarden Euro von der Allianz selbst.

Klaus-Peter Röhler, Chef der Allianz Deutschland AG, rückt in den Konzernvorstand auf

Die lange Zeit erfolgsverwöhnte Schaden- und Unfall-Sparte musste wegen der Probleme bei AGCS einen Gewinnrückgang um zwölf Prozent auf 5,0 Milliarden Euro hinnehmen. Terzariol sprach von einem enttäuschenden Ergebnis. Die Allianz hatte im Herbst den Chef von AGCS ausgetauscht.

Die kräftige Erhöhung der versicherungstechnischen Rückstellungen führte in der Sparte zu einem Verlust von 284 Millionen Euro. Das trieb die Schaden-Kosten-Quote im gesamten Sachversicherungs-Geschäft auf 95,5 (94,0) Prozent. Bis Ende des nächsten Jahres will Terzariol die Quote wie geplant auf 93 Prozent drücken.

Deutschland-Chef rückt in Allianz-Konzernvorstand auf

Wie der Konzern weiter berichtete, rückt der Deutschland-Chef der Allianz Anfang April in den Vorstand des Münchner Versicherungskonzerns auf. Klaus-Peter Röhler (55) ersetzt dort Axel Theis, der mit 62 Jahren "auf eigenen Wunsch" in den Ruhestand geht. Das manager magazin hatte bereits über den geplanten Vorstandsumbau und Bätes Pläne mit der mächtigen Deutschland AG berichtet.

Röhler bleibt den Angaben zufolge Chef der Allianz Deutschland AG, gibt aber den Vorstandsvorsitz der deutschen Sachversicherungs-Tochter an Frank Sommerfeld ab, der dort bisher für das Privatkundengeschäft zuständig war.


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"Klaus-Peter Röhler führt die Allianz Deutschland seit 2018 mit großem Erfolg zu profitablem Wachstum und wird diesen in seiner neuen Verantwortung nachhaltig weiterentwickeln", sagte Konzernchef Oliver Bäte.

Theis arbeitet seit 1986 für die Allianz und war 2015 in den Vorstand aufgerückt. Er ist dort für die deutschsprachigen Länder und das Geschäft in Osteuropa verantwortlich. Der heute 55-jährige Röhler war 2018 von der italienischen Allianz-Tochter nach Unterföhring gewechselt, wo die Allianz Deutschland sitzt.

rei/dpa/Reuters

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