Freitag, 6. Dezember 2019

Benetton-Familie macht Rückzieher Alitalia-Rettung erneut auf der Kippe

Sie müssen erneut um ihre Jobs bangen: Angestellt der Fluggesellschaft Alitalia

Der italienische Infrastruktur-Konzern Atlantia will sich zunächst doch nicht an der Rettung Alitalias beteiligen. Die Bedingungen dafür seien gegenwärtig nicht gegeben, erklärte das von der Benetton-Familie kontrollierte Unternehmen am späten Dienstagabend. Man stehe jedoch weiter für die Suche nach einem Partner aus der Flugbranche zur Verfügung.

Atlantia hatte sich noch im Oktober bereiterklärt, sich zusammen mit der Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) an Alitalia zu beteiligen. Am Donnerstag läuft eine neue Frist für die Rekapitalisierung der insolventen Fluggesellschaft Alitalia ab. Zwei frühere Rettungsversuche waren gescheitert. Experten zufolge hat der italienische Steuerzahler mehr als neun Milliarden Euro zur Stützung von Alitalia ausgegeben.

Alitalia macht jeden Tag eine Million Euro Verlust

Auch mit der Lufthansa und der US-Airline Delta laufen Gespräche. Allerdings erklärte die deutsche Fluggesellschaft vor der Ankündigung von Atlantia, man sei nicht zu Zugeständnissen bei der Sanierung der Airline bereit.

"In die jetzige Alitalia werden wir nicht investieren, aber wir sind daran interessiert, ein Geschäftspartner zu sein", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Rande einer Konferenz des Welt-Airlineverbandes IATA. Zuerst müsse Alitalia restrukturiert und erfolgreich sein, ehe die Lufthansa an ein Investment denke.

Bereits sieben Mal hat die italienische Regierung die Frist verlängert, um einen neuen Besitzer für die seit zweieinhalb Jahren insolvente Fluggesellschaft zu finden. Unter Beobachtern gilt es nach der jüngsten Meldungen eher als unwahrscheinlich dass sich jetzt bis Donnerstag noch ein neuer Investor findet.

Es geht um fast 11.000 Arbeitsplätze und um ein nationales Symbol. Mit Überbrückungskrediten hat Rom die Alitalia seit der Insolvenz im Mai 2017 am Leben gehalten. Die mit 117 Flugzeugen und weniger als 20 Millionen Passagieren im Jahr eher kleine Airline macht netto jeden Tag rund eine Million Euro Verlust.

rei/dpa

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