Mittwoch, 8. April 2020

Italien prüft Einstieg Alitalia in Not - ersten Airlines geht das Geld aus

Alitalia: Airline in Turbulenzen, Rom prüft Einstieg
Marc Tirl / DPA
Alitalia: Airline in Turbulenzen, Rom prüft Einstieg

In der Coronakrise kämpfen die ersten Fluglinien ums Überleben. Der ohnehin angeschlagenen Alitalia droht nach Aussagen eines Insiders sowie eines Medienberichts vom Sonntag, in Kürze das Geld auszugehen. Trotz eines 400-Millionen-Euro-Zuschusses des italienischen Staates am Anfang des Jahres stehe die Fluglinie vor der Zahlungsunfähigkeit, sagte ein mit den Zahlen Vertrauter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Regierung sei bereit zu einer Übernahme des Unternehmens. Laut "Il Messaggero" sind die Pläne dafür weit fortgeschritten. Sowohl der Flugbetrieb als auch die Bodendienst sollten verstaatlicht werden.

Die Niederlande signalisierten derweil, sie würden ihrer mit der Air France verbundenen KLM "alles Nötige" zur Verfügung stellen. Am Samstag noch hatte Frankreichs Finanzministerium Pläne für eine Kapitalhilfe für "AirFrance KLM" bestritten.

Der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, sagte dem "Handelsblatt" laut Vorabbericht, er werde sich am Montag von Branchenvertretern im Wirtschaftsministerium über die Einschätzung der Lage informieren lassen. "Dabei werden wir natürlich mögliche Liquiditätshilfen und die Ausgestaltung des Kurzarbeitergeldes für die Branche diskutieren." Zu Forderungen nach einer Befreiung von Luftverkehrssteuer sagte er: "Natürlich sollte auch keine Steuer gezahlt werden müssen, wenn niemand fliegt." Steuern könnten gestundet und Vorauszahlungen angepasst werden.

KLM streicht Tausende Stellen

Die Fluglinien leiden wegen der Absage von Kongressen, Urlaubsreisen und der Schließung von Grenzen wie in den USA besonders und frühzeitig unter der Krise. Alitalia ist zudem seit langem angeschlagen und auf der Suche nach einem Investor, der eigentlich bis Ende Mai gefunden werden sollte.

AirFrance KLM gilt im Vergleich etwa zur Lufthansa ebenfalls als schwächer. Die Tochter KLM hatte bereits angekündigt, 2000 der 35.000 Stellen zu streichen. Die Lufthansa will wegen der Coronakrise keine Dividende zahlen. Vorstandschef Carsten Spohr hatte in einer Video-Botschaft an die Mitarbeiter zudem signalisiert, bei einer weiteren Verschärfung der Krise staatlichen Hilfen in Betracht zu ziehen.

Der niederländische Finanzminister Wobke Hoekstra sagte, das Land werde "alles Nötige" zur Verfügung stellen, um den Betrieb der Fluglinie KLM zu sichern. Hokstra wollte keine Details nennen. Er betonte aber, KLM sei "lebenswichtig für die niederländische Wirtschaft". Er sei zudem mit der französischen Regierung bezüglich der Muttergesellschaft Air France in engem Kontakt.

Weltweit lassen die Fluglinien einen wachsenden Teil ihrer Flotten am Boden. American Airlines als eine der größten Fluggesellschaften der USA kündigte etwa an, man wolle bis 6. Mai Dreiviertel aller internationalen Flüge streichen und damit praktisch die gesamte Flotte an Großraumflugzeugen außer Betrieb zu stellen.

la/reuters

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