"South China Morning Post" Alibaba kauft Traditionszeitung - Sorge um Berichterstattung

Von mm-newsdesk
South China Morning Post

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Foto: Jerome Favre/ dpa

Der chinesische Onlinehändler Alibaba steigt in großem Stil ins Mediengeschäft ein. Der Amazon-Rivale erwerbe für 266 Millionen Dollar in bar unter anderem die englischsprachige Zeitung "South China Morning Post" vom Medienkonzern SCMP Group, geht aus einer Mitteilung vom Montag an die Hongkonger Börsenaufsicht hervor.

Das vor 112 Jahren gegründete Traditionsblatt gilt als wichtigste Zeitung Hongkongs, die im Vergleich zur Konkurrenz vom Festland über Themen berichtet, die ansonsten kaum in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Der Verkauf kommt zu einer Zeit, in der viele Hongkonger um ihre Freiheiten bangen.

Der Aufkauf des 112 Jahre alten Hongkonger Zeitungshauses durch den chinesischen Konzern weckt Sorgen über die Unabhängigkeit des Blattes, das bisher als kritisches "Fenster zu China" gilt. Die neuen Besitzer beteuern zwar, die Unabhängigkeit wahren zu wollen, wünschen sich aber eine andere Berichterstattung als in westlichen Medien.

Alibaba-Vizechef Joseph Tsai: "Wir sehen die Dinge anders"

Alibaba-Vizechef Joseph Tsai kritisierte Medien, die China "durch eine besondere Brille sehen". "Viele Journalisten, die für westliche Medien arbeiten, dürften mit dem Regierungssystem in China nicht übereinstimmen und das färbt ihren Blickwinkel der Berichterstattung", sagte Tsai. "Wir sehen die Dinge anders."

Andere Experten rechnen kaum mit Veränderungen durch den Eignerwechsel. "Es ist nicht so, dass die "South China Morning Post" bisher vollkommen unabhängig von politischer Beeinflussung war", sagte Journalismus-Professor Francis Lee aus Hongkong.

Erst im Juni hatte der Konzern eine Beteiligung an der auf den Finanzsektor spezialisierten Mediengruppe China Business News erworben. In den USA hatte 2013 die Übernahme der Tageszeitung "Washington Post" durch Amazon-Chef Jeff Bezos für viel Wirbel gesorgt.

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Foto: REUTERS
rei/Reuters/dpa
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