Donnerstag, 19. September 2019

Prozessauftakt um den einstigen Multimillionär Stadtplan-Erbe Falk streitet Vorwürfe ab

Alexander Falk (Mitte, umringt von seinen Anwälten): "Ich sitze seit knapp einem Jahr unschuldig im Gefängnis"

Vor dem Frankfurter Landgericht hat heute morgen der Prozess gegen Alexander Falk begonnen. Dem Erben des Stadtplanverlags Falk wird Anstiftung zum Mord und zur gefährlichen Körperverletzung vorgeworfen. Der 50-Jährige sagte vor Beginn des Verfahrens im Gerichtssaal, er sei froh, dass der Prozess losgehe und er seine Unschuld beweisen könne. Er sitze seit knapp einem Jahr unschuldig im Gefängnis und vermisse seine Familie.

Die Staatsanwaltschaft wirft Falk vor, im Jahr 2009 in einem Hamburger Restaurant einen Mittelsmann mit der Ermordung eines Frankfurter Rechtsanwalts beauftragt zu haben. Dazu soll er einen Umschlag mit Bargeld übergeben haben. Im Februar 2010 lauerten unbekannte Täter dem Rechtsanwalt auf und verletzten ihn durch einen Schuss ins linke Bein.

Die Anklage hält einen beim Landgericht Hamburg anhängigen Zivilrechtsstreit für das Motiv für den Mordauftrag. Der angeschossene Anwalt bereitete eine millionenschwere Schadensersatzklage gegen den Unternehmer vor.

Falk saß bereits eine mehrjährige Haftstrafe ab

Falk war um die Jahrtausendwende eine schillernde Figur der sogenannten New Economy. Er verkaufte im Alter von 26 Jahren den Stadtplanverlag seines Vaters und übernahm 1999 für 38 Millionen Euro die Thyssen-Krupp-Tochter Ision. Im März 2000 brachte er die Internetfirma an die Börse, was 230 Millionen Euro in die Kasse spülte.

Der größte Coup war dann der Verkauf von Ision Ende 2000 zum nach Überzeugung der Justiz überzogenen Preis von 812 Millionen Euro. Grund für die von dem angeschossenen Anwalt vorbereitete Schadensersatzlage war der manipulierte Verkauf von Ision an Energis. Dadurch rangierte Falk zeitweise auf Platz 83 der Liste der reichsten Deutschen.

Im Dezember 2004 begann vor dem Landgericht Hamburg der komplexe Prozess zu dem Fall, der schon zu Beginn 700 Aktenordner füllte. 2008 wurde Falk wegen versuchten Betrugs und Bilanzfälschung zu vier Jahren Haft verurteilt. 2011 wurde er aus der Haft entlassen, zu dem Zeitpunkt hatte er zwei Drittel seiner Strafe verbüßt.

In dem aktuellen Prozess um die Anstiftung zum Mord will das Gericht mehr als 20 Zeugen und mehrere Sachverständige vernehmen. Bisher sind Termine bis in den Dezember hinein festgelegt.

mg/dpa, afp

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