Montag, 20. Mai 2019

Aldi, Oetker et cetera - Typologie der Familien-Dynastien Die fünf gefährlichsten Konflikte in Familienunternehmen

Mitunter rührend: Der Oetker-Clan, hier August Oetker mit seiner dritten Ehefrau Nina, ringt um die richtige familieninterne Aufteilung der Macht.

6. Teil: Generationskonflikte bei großem Gesellschafterkreis

Der Gesellschafterkreis großer älterer Familienunternehmen kann über die Zeit auf mehrere Dutzend oder sogar auf mehrere 100 Eigentümer anwachsen. Das Unternehmen gehört dann - wie in den Fällen Haniel, Boehringer Ingelheim oder auch Freudenberg - einem Personenkreis, der sich aus einer bunten Mischung von Generationen, Berufen und Charakteren zusammensetzt, die oft weit über den Globus verstreut leben. Die familiären Banden sind nicht mehr eng, aber man hat meist bewährte Mittel und Wege gefunden, um durch Familientage oder spezielle Gremien wie beispielsweise einen Gesellschafterausschuss die Familieninteressen zu bündeln und zusammenzuhalten.

Konflikte rühren in diesen Familienunternehmen zumeist aus der Unzufriedenheit über die Dividende, von der viele leben, die mangelnde Fungibilität der Anteile und über die Gutsherrenallüren so mancher der geschäftsführenden Gesellschafter. Unwucht bringen auch gut ausgebildete Ehepartner der Erben in das zerklüftete Gebilde: An- oder eingeheiratete Investmentbanker oder Anwälte mokieren sich über vermeintliche Managementfehler oder haben andere Vorstellungen von der richtigen Unternehmensstrategie.

Wie im Fußball gibt es dann viele "Trainer". Auch können sich jüngere Clanmitglieder mit den tradierten Werten des Unternehmens wie Verzicht, Ordnung und Disziplin nicht mehr identifizieren. Gut für die Stabilität dieses Unternehmenstyps ist: Wegen der Vielzahl von Mini-Gesellschaftern mit nur wenigen Prozent- oder Promille-Anteilen ist es in der Praxis extrem schwierig, eine Palastrevolution anzuzetteln. Der Familienfriede bleibt damit - zumindest nach außen - in der Regel gewahrt, auch wenn es hinter den Kulissen oft gewaltig rumort.

Mark K. Binz ist Seniorpartner der gleichnamigen, auf die Beratung von Familienunternehmen spezialisierten Anwaltskanzlei Binz & Partner und schreibt als MeinungsMacher für manager-magazin.de - trotzdem gibt seine Meinung nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion wieder.

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