Montag, 19. August 2019

Aldi, Oetker et cetera - Typologie der Familien-Dynastien Die fünf gefährlichsten Konflikte in Familienunternehmen

Mitunter rührend: Der Oetker-Clan, hier August Oetker mit seiner dritten Ehefrau Nina, ringt um die richtige familieninterne Aufteilung der Macht.

4. Teil: Onkel versus Neffen

Eine sehr spezifische Gefahrensituation entsteht, wenn Onkel und Neffen (Nichten spielen bemerkenswerter Weise in der Praxis keine Rolle) je hälftig an einem Unternehmen beteiligt sind. Der jahrlange Zwist bei Bahlsen oder der Streit im Hause Electronic Partner, wo der Enkel systematisch aus dem Unternehmen gedrängt werden sollte, waren solche Fälle.

Die Logik dieser Familienkonflikte geht in etwa so: Zwei Geschwister bauen gemeinsam ein Unternehmen auf oder entwickeln ihr gemeinsames Erbe als kongeniales Duo weiter. Man versteht sich, man achtet sich innerhalb der Aufgaben- und Rollenverteilung. Friktionen entstehen jedoch, wenn eines der beiden Geschwister aus der Geschäftsführung ausscheidet, sei es durch einen frühen Tod, sei es aufgrund hohen Alters oder auf eigenen Wunsch.

Die Anteile, meist genau 50 Prozent, gehen dann auf die Kinder des Ausscheidenden über. Das weitere Sagen in der Firma hat aber schon de facto nun der Onkel. Er kennt das Unternehmen wie seine Westentasche, hat es zu seiner heutigen Größe geführt und ist in der Regel nicht bereit, die Macht mit seinen Neffen zu teilen. Wenn sich diese jedoch als unternehmerische Erben fühlen und auf Gleichberechtigung pochen, ist der Streit mit dem Onkel programmiert. Mehrere solcher Fälle, etwa bei Haribo oder auch bei Tönnies, habe ich aus nächster Nähe begleitet.

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