Mittwoch, 24. April 2019

Aldi, Oetker et cetera - Typologie der Familien-Dynastien Die fünf gefährlichsten Konflikte in Familienunternehmen

Mitunter rührend: Der Oetker-Clan, hier August Oetker mit seiner dritten Ehefrau Nina, ringt um die richtige familieninterne Aufteilung der Macht.

2. Teil: Vater versus Sohn (und vice versa)

Sofern Unternehmer Kinder haben, hegen sie meist dynastische Neigungen, haben also die Hoffnung, dass der Nachwuchs ihnen eines Tages in der Unternehmensführung nachfolgt. In einer Befragung großer Familienunternehmen hatten wir einmal eruiert, dass von einer knappen Mehrheit ausdrücklich gewünscht wird, dass das Unternehmen in Familienhand bleibt und von einem Familienmitglied geführt wird. Die "Dunkelziffer" dürfte deutlich höher liegen.

Es ist ein geradezu archaischer Wunsch der meisten Patriarchen, einem oder mehreren ihrer Kinder den Staffelstab zu übergeben und sich damit unsterblich zu machen, zumindest aber sich ein Denkmal zu setzen. Doch es lauern Risiken. In der Praxis trauen es nämlich viele Unternehmer insgeheim keinem ihrer Söhne (und erst recht nicht ihren Töchtern) zu, die Firma ähnlich erfolgreich leiten zu können wie sie selbst. Oft aus gutem Grund! Vielen Nachfolge-Anwärtern fehlt der Biss, die Zähigkeit und auch die Motivation, sich einen wöchentlichen 60-70 Stundenjob wie ihr Vater "anzutun".

Viele Aspiranten streben denn auch lieber gleich das bequemere Aufsichtsratsmandat an, dessen überschaubarer Zeitaufwand sich elegant mit dem Hinweis auf die größere strategische Einflussmöglichkeit der Familie nach außen "verkaufen" lässt. Es kann zum offenen Bruch kommen - wie beispielsweise zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzendem Alfred Neven DuMont und seinem Sohn Konstantin, den der inzwischen verstorbene Verleger zähneknirschend in den Vorstand berufen hatte.

Auch der Schlüssel zum Konflikt zwischen Albert und Arthur Darboven, der erst kürzlich wieder mit Schuldzuweisungen in den Medien ausgetragen wurde, liegt in einer schwierigen Vater-Sohn Beziehung. Der Beispiele sind Legion! Interessanterweise ist mir kein einziger Fall bekannt, in dem eine Tochter eine unrühmliche Rolle gespielt hätte - das Gegenteil belegen die Vorzeige-Nachfolgerinnen Bettina Würth und Nicola Leibinger-Kammüller (Trumpf). Ob das an der ausgeprägten Sozial-Kompetenz liegt, die Frauen immer zugeschrieben wird?

Überragende Unternehmer kleben zudem gerne an ihren Stühlen, bis die potenziellen Nachfolger am "Prinz Charles Syndrom" erkranken. Sie übergeben, wenn überhaupt, nur widerwillig ihre Macht und regieren über ihre informellen Drähte das Unternehmen oft auch nach dem formalen Rückzug munter weiter, bis der einst heiß ersehnte Nachfolger zermürbt das Handtuch wirft.

Umgekehrt sträuben sich auch viele potentielle Nachfolger der "next generation", in die Schuhe ihrer Väter (in Ausnahmefällen auch der Mütter) zu schlüpfen. Zu sehr waren sie in ihrer Kindheit und Jugend von dem ewigen "Die Firma geht vor!" -Mantra genervt, das das Familienleben schwer belastete, zu sehr lebt der Wille in ihnen, nicht so zu "enden" wie der eigene Vater, der dem Unternehmen manchmal nicht nur seine Ehe, sondern auch seine Gesundheit geopfert hat. Georg Schaeffler beispielsweise floh einst als Anwalt bis nach Denver, um seinen Pflichten als Erbe zu entkommen. Der Sohn von Axel Springer beging sogar Suizid.

Und so mancher Abkömmling hat das geerbte Unternehmen, das ihm wie ein Mühlstein am Halse hing, veräußert, sobald Mutter und Vater unter der Erde waren. Viele Kinder aus Familienunternehmen machen heute lieber fern des heimischen Turfs Karriere, oft zum Missfallen der Eltern, die sie lieber als Nachfolger gesehen hätten. So wartet Toni Meggle (85), Aufsichtsratsvorsitzender und Hauptaktionär des gleichnamigen Herstellers von Milchprodukten im Allgäu, noch immer auf die Rückkehr seines "verlorenen Sohnes" Tom, der dem väterlichen Unternehmen schon früh den Rücken gekehrt und es inzwischen zum Europachef von Louis-Vuitton gebracht hat.

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