Samstag, 20. Juli 2019

Familienstreit Aldi-Clanchefin rechnet in Testament mit Enkeln ab

Familie Albrecht beim Kirchgang (1971)
Fredy Mies/ picture-alliance
Familie Albrecht beim Kirchgang (1971)

Die Grande Dame von Aldi Nord wollte offenbar verhindern, dass ihre Enkel bei dem Discounter Verantwortung übernehmen. Das geht laut einem Zeitungsbericht aus Cäcilie Albrechts Testament hervor.

Im Familienstreit bei Aldi Nord hat die verstorbene Cäcilie Albrecht in ihrem Testament offenbar mit den Kindern ihres verstorbenen zweiten Sohnes abgerechnet. Das berichtet die "Bild am Sonntag" ("BamS"). Die Ehefrau von Firmengründer Theo galt als Grande Dame der Familie Albrecht und saß bis zu ihrem Tod im November 2018 im Vorstand der Markus-Stiftung, die mit 61 Prozent Mehrheitsgesellschafter von Aldi Nord ist.

In ihrem Testament, das im Februar beim Amtsgericht Essen eröffnet wurde, verfügte Cäcilie Albrecht laut "BamS", dass die fünf Kinder ihres Sohnes Berthold, der Ende 2012 gestorben war, keine Rolle im Konzern spielen sollen.

Wörtlich heißt es demnach: "Mit dieser Urkunde trage ich Sorge für die Aufrechterhaltung der Philosophie unserer Familie, der Unternehmensgruppe Aldi Nord zu dienen und diese zu fördern, dabei eigene Interessen zurückzustellen und sich in einer zurückhaltenden und bescheidenen Lebensführung zu üben."

Der milliardenschwere Discounter-Konzern befindet sich im Besitz von drei Stiftungen mit den Namen Markus, Lukas und Jakobus. Um die Macht bei der Jakobus-Stiftung war ein Erbstreit mit Berthold Albrechts Frau Babette und den fünf Kindern entbrannt. In den vergangenen Jahren hatten sich diese mehr als 100 Millionen Euro aus der Jakobus-Stiftung ausschütten lassen.

Cäcilie Albrecht hat daraus offenbar ihre Lehren gezogen. Allein die Vorstellung, dass Berthold Albrechts Kinder "als Vorstandsmitglieder der Markus-Stiftung irgendwann einmal mit der Markus-Stiftung so verfahren könnten wie mit der Jakobus-Stiftung, erfüllt mich mit großer Traurigkeit und Sorge", schreibt sie laut dem Bericht in ihrem Testament.

Da Berthold Albrechts Kinder sich "bewusst dafür entschieden hätten, den Willen ihres Vaters zu missachten und die Jakobus-Stiftung allein für ihre Destinatär-Interessen zu nutzen, sind sie ungeeignet für die Übernahme von leitender Verantwortung in der Markus-Stiftung".

Der Tochter ihres ersten Sohnes Theo Albrecht junior, 69, hingegen spricht Cäcilie Albrecht das Vertrauen aus. Seit ihrem Tod ist Theo der Vorsitzende der Markus-Stiftung. Diese Position solle später einmal seine Tochter übernehmen, verfügte Cäcilie Albrecht laut "Bams" in ihrem Vermächtnis.

Andreas Urban, der Anwalt der Aldi-Erben, sagte der "BamS": "Pietät und Anstand gebieten, dieses Testament nicht öffentlich zu bewerten." Die Erben von Berthold Albrecht kümmerten sich seit dem Tod ihres Vaters, also seit mehr als sechs Jahren, stets um das Wohl von Aldi Nord.

Dies sei "insbesondere an den erheblichen Finanzmitteln" abzulesen, die aus der Jakobus-Stiftung in das Unternehmen geflossen seien. Auch die Unterstützung wichtiger Unternehmensprojekte spreche für sich, sagte Urban. "Die Erben von Berthold Albrecht müssen sich daher keine Vorwürfe machen lassen."

ssu

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