Sonntag, 19. Mai 2019

Infrastruktur als Börsen-Sedativ So bringen Anleger Ruhe in ihr Aktiendepot

Ein Bild der Ruhe: Hochspannungsmasten können auch bei Aktionären für Entspannung sorgen.

Lange ging es an der Börse nicht mehr so unruhig zu, wie zurzeit. Wohl dem, der Papiere im Depot hat, die nicht jede Börsenschwankung mitmachen - das gilt zum Beispiel für Infrastrukturwerte.

Ein Minus von lediglich knapp einem Prozent im Aktiendepot, in einem Monat, in dem beispielsweise der europäische Aktienindex EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen oder auch der hiesige Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen um jeweils etwa 7 Prozent einbrachen, das hätten wohl viele Investoren gerne erreicht. Fondsmanagerin Susanne Linhardt vom Investmenthaus Bantleon ist dies im turbulenten Oktober dieses Jahres gelungen - mit ihrem auf europäische Infrastrukturtitel ausgerichteten Fonds.

Die Performance passt ins Bild: Infrastrukturaktien gelten als solide, wenig volatil und in der Regel kaum von konjunkturellen Schwankungen abhängig. Das hat zwar den Nachteil, dass die Kurse dieser Papiere dem Markt in Zeiten starken Aufschwungs mitunter hinterherhinken. Geht es an der Börse abwärts, so fallen die Verluste aber oft eben auch nicht so drastisch aus.

Hintergrund sind die Umstände, unter denen Unternehmen im Infrastruktursektor tätig sind, also in Bereichen, die die Grundlagen einer Wirtschaft bilden und als Basis für deren Wachstum dienen, wie Straßenbau, Strom- und sonstige Versorgung, Transportwesen sowie mittlerweile verstärkt auch die volkswirtschaftliche IT-Ausstattung. Typisch sind bei diesen Firmen häufig monopolistische Marktstellungen und sehr langlaufende Verträge sowie zum Großteil eine mehr oder weniger verlässliche staatliche Regulierung.

All dies zusammen führt für die Unternehmen sowie für deren Investoren zu vergleichsweise stabilen Cashflows - sowie nicht selten zu relativ stetigen Aktienkursverläufen.

Investitionsbedarf schafft Kursfantasie

Hinzu kommt noch: Weltweit gilt ein Großteil der Infrastruktur in vielen Ländern als rückständig oder marode, weshalb hohe Investitionen vielerorts überfällig zu sein scheinen. US-Präsident Donald Trump etwa hatte das Thema neben anderen in den Fokus seines Wahlkampfes gerückt und Milliardeninvestitionen versprochen. Auch dies kann Aktienkursen künftig gut tun.

"Betrachtet man den Aufholbedarf der Bundesrepublik in diversen Verkehrsprojekten und der Netzabdeckung in der Telekommunikation, so ist es gut vorstellbar, dass zukünftig von der Politik mehr staatliche Förderungen und Anreize kommen, die dem Infrastruktursektor Auftrieb geben sollten", meint Michael Thaler, Vorstand der TOP Vermögen AG, München. "Sie stellen also eine sinnvolle Beimischung dar."

Soweit der Blick aus der Vogelperspektive. Wer genau hinschaut, erkennt indes rasch, dass schon die Definition dessen, was als Infrastrukturaktie gilt, ein mitunter kniffliges Unterfangen sein kann. Manche Firmen bewegen sich bestenfalls am Rande des denkbaren Spektrums oder sind - wie zum Beispiel der Mischkonzern Siemens Börsen-Chart zeigen - nur mit einem Teil ihrer Aktivitäten in diesem Genre tätig. Zudem verlaufen die Geschäfte der Unternehmen, die sich dem Infrastruktursektor zurechnen, keineswegs alle gleichermaßen unabhängig von der Konjunktur.

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