Freitag, 6. Dezember 2019

Absturz eines Neue-Markt-Stars So wurde Aixtron zum China-Schnäppchen

Wafer von Aixtron: Hoch geflogen, tief gestürzt

2. Teil: Absturz im Jahr 2012

Auch operativ regiert bei Aixtron das Prinzip Hoffnung. Im ersten Quartal rutschte das Unternehmen tiefer in die roten Zahlen. Der Ebit-Verlust weitete sich um 67 Prozent auf 14,7 Millionen Euro aus. Auch die Erlöse brachen ein - um fast die Hälfte auf gerade noch 21,4 Millionen Euro.

Gut Wetter machte Vorstandschef Goetzeler zuletzt hingegen bei neuen Aufträgen. Bei diesen gab es seinen Angaben zufolge einen Zuwachs um 42 Prozent auf 44,4 Millionen Euro.

Vier Verlustjahre in Folge, vage Perspektive

Ist eine solch vage Perspektive attraktiv für normale Investoren? Nur wenn sie nervenstark sind, schrieb "Börse Online" vor drei Wochen. Am attraktivsten sei an Aixtron noch die Aussicht auf eine Übernahme.

Aixtrons Absturz beschleunigte sich im Jahr 2012, als der Umsatz sich mehr als halbierte und das Unternehmen tief in die roten Zahlen rutschte. Auf einen Betriebsverlust 2012 in Höhe von 132 Millionen Euro folgten drei weitere Verlustjahre. Zwar reduzierte sich der Verlust in 2015 auf 26 Millionen Euro, doch auch die Umsätze waren kontinuierlich gefallen: Lagen sie 2011 noch über 600 Millionen Euro, fielen sie inzwischen unter die Marke von 200 Millionen Euro. Bei sinkenden Marktanteilen muss Aixtron dennoch hohe Kosten für Forschung und Entwicklung schultern, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Aixtron leidet seit Jahren unter dem Preisdruck der zumeist asiatischen Konkurrenz. Zuletzt hatte der Großkunde San'nan aus China einen Auftrag kräftig zusammengestrichen, die Aktie von Aixtron fiel daraufhin zeitweise unter die Marke von drei Euro.

Potenzieller Käufer versucht Angst vor Stellenstreichungen zu nehmen

Aixtron erwirtschaftet rund 60 Prozent seines Umsatzes in Asien, die USA (22 Prozent) und Europa (18 Prozent) spielen nur eine Nebenrolle. Ein verbesserter Marktzugang in China, den sich Aixtron von der Übernahme durch Fujian Grand Chip erhofft, soll so auch die wichtigste Säule des Geschäfts stärken.

Der potenzielle Käufer versucht wie üblich, die Angst vor Stellenstreichungen zu nehmen. Die Aixtron-Belegschaft soll keine Angst vor Stellenstreichungen haben, im Gegenteil: "Nachhaltiges Wachstum wird zu einem Ausbau der Belegschaft bei Aixtron führen", sagte der chinesische Geschäftsmann Zhengdong Liu, dem der FGC-Fonds mehrheitlich gehört. Hinter FGC stehe außerdem als Geldgeber der mit rund 20 Milliarden US-Dollar ausgestattete Halbleiter-Staatsfonds Sino IC, hieß es aus Industriekreisen.

Der Firmensitz von Aixtron solle im nordrhein-westfälischen Herzogenrath bleiben. Auch der Vorstand bleibe im Fall einer geglückten Übernahme im Amt, so Liu.

Alles easy also für Aixtron? Nur wenn der Plan wirklich aufgeht, den chinesischen Markt künftig von Deutschland aus zu erobern. Und eben nicht nach ein paar Jahren Maschinen und Know-How in die Volksrepublik zu transferieren.

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