Dienstag, 18. Juni 2019

Deutschland bremst Flugzeugbauer Gewinn bricht ein - warum Airbus nicht vom Boeing-Desaster profitiert

Airbus A380: Die Kosten für den Ausstieg liegen schon jetzt über Plan

Das deutsche Verbot von Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien hat dem europäischen Airbus-Konzern einen Gewinneinbruch eingebrockt. Im ersten Quartal schrumpfte der Überschuss im Vergleich zum Vorjahr um 86 Prozent auf 40 Millionen Euro zusammen. Hintergrund sei ein Großauftrag für Grenzsicherungs-Anlagen in dem Golfstaat, der nun in Gefahr sei, erläuterte der neue Airbus-Finanzchef Dominik Asam am Dienstag in Toulouse.

Weitere Belastungen für Airbus sind die Kosten für den Ausstieg aus dem Prestigeprojekt A380, die schon jetzt über den Planungen liegen. Dazu kam der schwankende Dollar-Kurs und die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar: Airbus bezahlt seine 135.000 Mitarbeiter starke Belegschaft überwiegend in Euro, verkauft seine Maschinen aber in Dollar.

Im Geschäft mit Passagierjets lief es für den Hersteller hingegen glänzend - ganz anders als beim Hauptrivalen Boeing Börsen-Chart zeigen , der wegen der Flugverbote für seinen meistgefragten Flugzeugtyp 737Max in einer schweren Krise steckt.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten aus Toulouse nur mit einem leichten Kursrückgang quittiert. An der Börse in Paris verlor die Aktie von Airbus Börsen-Chart zeigen am Morgen rund ein halbes Prozent an Wert und gehörte damit zu den etwas schwächeren Werten im Eurozonen-Auswahlindex EuroStoxx 50. Seit dem Jahreswechsel liegt sie aber immer noch mit rund 45 Prozent im Plus und hat seither bereits mehrfach Rekordstände erreicht.

Aktie nahe Rekordhoch - trotz des Lieferverbots nach Saudi-Arabien

Nach der Tötung des saudischen Regierungskritikers Jamal Khashoggi hatte die Bundesregierung im Herbst ein Lieferverbot für Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien verhängt. Die Regelung wurde Ende März nur etwas gelockert. Airbus will nicht nur Anlagen zur Grenzsicherung in das Land liefern. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern ist auch an Bau und Entwicklung des Kampfjets Eurofighter beteiligt, von dem Saudi-Arabien 48 Exemplare kaufen will.

Im ersten Quartal habe Airbus allein wegen des Grenzsicherungs-Auftrags knapp 300 Millionen Euro abschreiben müssen, sagte Asam, der kürzlich von Chiphersteller Infineon zu Airbus gewechselt war. Die Lieferungen an Saudi-Arabien waren schon länger im Gange. Die Chancen, dass sie weitergehen können, schätzt die Airbus-Führung auf "unter 50 Prozent". Man müsse abwarten, was die Politik entscheide, sagte Asam.

Umsatz um 24 Prozent gestiegen

Derweil konnte der neue Konzernchef Guillaume Faury für Airbus' Hauptgeschäft starke Zahlen vorlegen. So steigerte der Konzern seinen Umsatz im ersten Quartal dank einer brummenden Flugzeug-Produktion um 24 Prozent auf gut 12,5 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn vervielfachte sich von 14 Millionen auf 549 Millionen Euro. Das laufende Geschäft warf damit mehr ab als von Analysten erwartet. Mit dem Einbruch des Nettogewinns wegen des Rüstungsexport-Verbots hatten Experten im Schnitt jedoch nicht gerechnet.

Der Franzose Faury, der den Posten im April vom langjährigen deutschen Konzernchef Tom Enders übernommen hatte, sieht den Konzern bei seinen Jahreszielen nach den ersten Monaten auf Kurs. So soll der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) von zuletzt 5,8 Milliarden Euro um 15 Prozent steigen.

Größter Flugzeughersteller der Welt: Airbus jagt Boeing

Um das zu erreichen, will der Konzern in diesem Jahr 880 bis 890 Verkehrsflugzeuge ausliefern - so viele wie nie zuvor. Wegen der Misere bei Boeing könnte Airbus Börsen-Chart zeigen den US-Konzern in diesem Jahr sogar erstmals als größten Flugzeughersteller der Welt ablösen.

So hatte Boeing hatte für 2019 eigentlich geplant, seine Auslieferungen auf 895 bis 905 Maschinen zu steigern. Doch nach dem Absturz zweier Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max mit insgesamt 346 Toten verhängten Luftfahrtbehörden in aller Welt Flugverbote für das meistgefragte Modell des Konzerns. Die Auslieferung neuer Maschinen ist gestoppt, bis ein Software-Update für die Flugzeug-Steuerung getestet und zugelassen ist.

Wechseln Kunden von Boeings 737 Max zum Airbus A320neo?

Die Tests sollen nach jetziger Planung bis Ende Juli dauern. Boeing hat die Produktion des Fliegers daher von 52 auf 42 Maschinen pro Monat gedrosselt und seine Produktions- und Gewinnziele für 2019 vorläufig komplett gestrichen.

Faury wollte sich nicht dazu äußern, inwieweit Fluggesellschaften wegen des Desasters mit der Boeing 737 Max mit einem Wechsel zu Airbus liebäugeln. Das Konkurrenzmodell der "Max", der Airbus A320neo, verkauft sich noch besser als der Boeing-Jet.

Die "neo"-Produktion ist praktisch auf Jahre hinweg ausgebucht. Ab Mitte 2019 sollen pro Monat 60 Exemplare der A320neo-Familie und ihrer Vorgängerversion A320 fertig werden. Ab dem Jahr 2021 sollen es monatlich 63 Maschinen sein.

Eine stärkere Steigerung scheitere bislang an den Kapazitäten der Zulieferer, sagte Faury. Diese könnten wegen der Drosselung der Boeing-Produktion jetzt zwar etwas mehr Spielraum bekommen. Der Effekt sei aber voraussichtlich nicht von langer Dauer, schätzt der Airbus-Chef.

Im ersten Quartal lag das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) bei 549 (2018: 14) Millionen Euro und übertraf damit die Prognosen der Analysten. Grund dafür sind die steigenden Auslieferungen des A320neo, der lukrativer ist als das Vorgängermodell, und Fortschritte in der Produktion des A350. Bei der Lang-Version des A321neo kämpft der Konzern aber noch mit Problemen. "Airbus arbeitet daran, die Abläufe beim Management seines industriellen Systems zu verbessern", hieß es in der Mitteilung. Der Umsatz stieg zwar um 24 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro, lag damit aber unter den Experten-Erwartungen.

la/reuters

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